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Karl-Heinz Torge und seine Kolpingstele - Erklärungen und Reaktionen

Was sich der Künstler gedacht hat

Schrobenhausen
erstellt am 11.06.2018 um 15:22 Uhr
aktualisiert am 15.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Der Künstler enthüllt sein Kunstwerk. Immer wieder ein spannender Moment für alle. Oft bleibt viel Raum für Spekulationen und Interpretationen. Doch stimmen die Meinungen auch mit der Intention des Künstlers überein?
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Künstler Karl-Heinz Torge erklärte, was er sich bei der Fertigung der Stele gedacht hat (oben). Pfarrer Josef Beyrer weihte die Kolpingstele feierlich (unten l.). Mit dabei waren mehrere Fahnenschwingern (unten r.).
Künstler Karl-Heinz Torge erklärte, was er sich bei der Fertigung der Stele gedacht hat.
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Diesem Moment musste sich auch der Künstler Karl-Heinz Torge am Sonntag stellen, als vor versammelten Publikum seine Kolpingstele im Garten der Vorstadtkirche St. Salvator enthüllt wurde. Neben Pfarrer Josef Beyrer, Bürgermeister Karlheinz Stephan und der Diözesanvorsitzenden Sonja Tomaschek gaben auch viele weitere Besucher ihre Meinung über die Stele kund.

Doch wie kam es überhaupt zu dem Kolpingdenkmal in Form einer Stele? Alles begann im Jahre 2016, als der Künstler auf die Schrobenhausener Kolpingfamilie zukam. Zu diesem Zeitpunkt existierte bereits eine solche Stele in der Oberpfalz. Doch Torge wollte auch für die Schrobenhausener Kolpingfamilie eine solche Stele anfertigen.

Am Sonntag wurde sie jetzt eingeweiht. Alle Augen waren gespannt auf die Stele gerichtet, die noch von einem Tuch in den Kolpingfarben Orange und Schwarz verdeckt wurde. Gebannt beobachteten die Zuschauer, wie die Stele mit einem Ruck enthüllt wurde. Sie ist zirka 350 Kilogramm schwer, besteht aus Wachenzeller Dolomit und zeigt in Form einer Wendeltreppe die verschiedenen Lebensstufen Adolph Kolpings. "Das Leben Kolpings ist ja bekannt", meinte der Künstler. Darum wollte er auch nicht viele Worte darüber verlieren.

Für diejenigen, denen das Leben Kolpings nicht ganz präsent ist, eine kleine Zusammenfassung, die sich auch an der Stele ablesen lässt. Die Lebensabschnitte sind in chronologischer Reihenfolge von unten nach oben dargestellt. Folglich stellt das erste einschneidende Ereignis Adolph Kolpings Geburt im Jahre 1813 dar. 1825 begann er eine Schusterlehre und wurde anschließend Wandergeselle. Im Jahr 1841 begann Kolping ein Studium. 1845 empfing er die Priesterweihe in der Minoritenkirche in Köln. Von 1850 bis 1856 war er als Seelsorger, Journalist und Gesellenvater tätig. Als krönendes Ereignis hat Torge die Gründung des Kölner Gesellenvereins gewählt. Zur Veranschaulichung sind neben den Ereignissen auch kleine Bilder verewigt.

Unter den verschiedenen Lebensabschnitten ist eine Weltkugel sowie eine Widmung an die Schrobenhausener Kolpingsfamilie angebracht. Oberhalb ist ein Portrait von Adolph Kolping zu sehen, darunter ein passendes Zitat von ihm: "Wer Menschen gewinnen will, muss sein Herz zum Pfand einsetzen."
Pfarrer Josef Beyrer weihte die Kolpingstele feierlich.
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Die Kolpingstele übertrifft in der Höhe sogar den Künstler selbst. "Wir wollten nicht an Höhe verlieren", fügte Torge erklärend hinzu. Darum liegt das Fundament auch direkt am Boden auf. Umfallen kann das Denkmal aber trotzdem nicht, denn in der Stele ist ein Edelstahlstab angebracht.

Ihren Platz hat sie im Garten der Vorstadtkirche gefunden. Ein bedeutender Ort für den Künstler Torge. "Hier standen mal drei wichtige Institutionen", führte er aus. Damit spielte er auf die bis heute bestehende Vorstadtkirche und die damals existierenden Schmiede sowie ein Bräustüberl an.

"Ein wichtiger Kreuzungspunkt", betonte er. Schließlich konnten die Leute, die an diesem Dreieckspunkt vorbeigekommen sind, gleich drei Dinge gleichzeitig erledigen. Man konnte sich mit Speis und Trank stärken, beten sowie in der Schmiede den Pferden neue Hufeisen machen lassen.

Karl-Heinz Torge kam, passend zur diesjährigen WM, ins Schwelgen. Seine Frau und er hätten damals in diesem besagten Bräustüberl zu Abend gegessen; sie ahnten nicht, dass gerade ein wichtigstes Spiel der Weltmeisterschaft stattfand. "Wir haben uns schon gewundert, dass wir die einzigen Gäste waren", erzählte er. Nachdem sie ausgetrunken hatten, bat sie der Wirt höflich, die Kneipe zu verlassen, denn er wolle gerne die zweite Hälfte des WM-Spiels anschauen.

Auch die Vorsitzende des Diözesanverbandes Sonja Tomaschek fand nur lobende Worte über den Ort. "Ein sehr schöner Platz!", meinte sie. "Ein herzliches Vergelt's Gott für diese wunderbare Idee!"
Mit dabei waren mehrere Fahnenschwingern.
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Doch wie kam die Kolpingstele nun bei den restlichen Besuchern an? "Eine tolle Idee", meinte Bürgermeister Karlheinz Stephan. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung würde die Stele symbolisch dafür stehen, dass man auch dagegen halten könne. Schließlich sei die Stele ja handgefertigt. "Es muss nicht immer alles aus Bites und Bytes oder Pixeln bestehen", führte er an. "Die Stele zeigt, dass wir immer noch ein Stück geerdet sind." Mit einem Zitat von Karl Valentin schloss er seine Rede über das Kolping-Denkmal und hatte damit zustimmendes Schmunzeln auf seiner Seite: "Früher war die Zukunft besser!"

Nachdem Torge bei der allgemeinen Rede nicht viele Worte über sein Werk verlieren wollten, scharrten sich nach der Weihe einige Besucher um den Künstler, um mehr über die Stele zu erfahren und sie aus nächster Nähe betrachten zu können. Darunter auch zweite Bürgermeisterin Inge Eberle.

Gerne beantwortete der Künstler die Fragen der Besucher. "Aus welchem Material besteht das Denkmal?" und "Wie schwer ist es?" wollten einige wissen. Daneben gab es aber auch lobende Worte für die Gestaltung der Stele.

Wer nun die Kolpingstele selbst aus nächster Nähe betrachten möchte, kann ab sofort im Park neben der Vorstadtkirche St. Salvator vorbeischauen. Dort ist das Denkmal frei zugänglich.
 
Tabea Tyroller
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