Donnerstag, 21. Juni 2018
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Mehr als 60 Einsätze hat die Feuerwehr bis heute Mittag absolviert

Stadt versinkt im Starkregen

Schrobenhausen
erstellt am 13.06.2018 um 15:37 Uhr
aktualisiert am 17.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Gut drei Stunden konnten sich die Schrobenhausener Feuerwehrleute nach dem Starkregeneinsatz in der Nacht zum Mittwoch ausruhen. Um 6.30 Uhr liefen wieder die ersten Alarmmeldungen von vollgelaufenen Kellern auf. Das große Aufräumen begann und dauerte bis heute Mittag.
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Innerhalb weniger Minuten stand Mittwochnacht die Bürgermeister-Götz-Straße beim Werksgelände West der Firma Bauer auf einer Länge von 200 Metern so hoch unter Wasser, dass selbst die Feuerwehr nicht mehr durchkam.
Innerhalb weniger Minuten stand Mittwochnacht die Bürgermeister-Götz-Straße beim Werksgelände West der Firma Bauer auf einer Länge von 200 Metern so hoch unter Wasser, dass selbst die Feuerwehr nicht mehr durchkam.
M. Schalk
Schrobenhausen
Einen solchen Regen hat Robert Ottillinger schon lange nicht mehr erlebt. Der stellvertretende Schrobenhausener Feuerwehrkommandant gehört zu den rund 50 Einsatzkräften, die die Nacht zum Mittwoch mit dem Auspumpen von Kellern sowie Tiefgaragen und der Bergung von eines Autofahrers verbracht haben. Gegen 1 Uhr sei das meiste erledigt gewesen, erinnert er sich an die Nacht zum Mittwoch. Mit dem Aufräumen nachdem Einsatz im Gerätehaus habe es bis gegen 3.30 Uhr gedauert.

"Wir haben gerade mal drei Stunden geschlafen", sagt Ottillinger, dann ging es schon wieder los. In einem Supermarkt in der Pöttmeser Straße musste die Lkw-Laderampe leergepumpt werden. Im Markt selber seien Regale durch das eindringende Wasser umgestürzt. Der Markt, so Ottillinger, bleibe wohl den Tag über geschlossen, bis die Mitarbeiter alles erledigt hätten. Vor dem Markt und einem benachbarten Bekleidungsgeschäft türmten sich gestern Mittag bereits nasse Kartons und zerstörte Teppichbodenreste. Auch in der Augsburger Straße war Großreinemachen in einem Supermarkt angesagt.

Hart getroffen hat der Regen die Einigkeit-Schützen in Steingriff. Sie bemerkten in der Früh, dass ihr Stüberl an der Pöttmeser Straße bis zu einem Meter unter Wasser stand. Die Feuerwehr rückte an zum Keller auspumpen. "Das wird uns wohl ein bis zwei Stunden in Atem halten", so Ottillinger.
Bis zu einem Meter hoch stand gestern in den frühen Morgenstunden noch das Regenwasser der Nacht im Stüberl der Steingriffer Einigkeit-Schützen in der Pöttmeser Straße.
Bis zu einem Meter hoch stand gestern in den frühen Morgenstunden noch das Regenwasser der Nacht im Stüberl der Steingriffer Einigkeit-Schützen in der Pöttmeser Straße.
Feuerwehr
Schrobenhausen



"Das waren monsunartige Niederschläge", hatte in der Nacht zuvor noch ein Sprecher der Schrobenhausener Feuerwehr den Dauerregen beschrieben. Rund 50 Einzeleinsätze hatte die Feuerwehr zwischen 22.15 und 1 Uhr mit gut 50 Leuten zu bewältigen. Später, so Ottillinger, wurden noch etwa 30 Kräfte der Wehren Edelshausen, Hörzhausen, Aresing und Langenmosen nachalarmiert. Und die hatten alle Hände voll zu tun.

Die Regensburger Straße zwischen Mühlried und Schrobenhausen stand 40 Zentimeter unter Wasser. Die Rieselbrücke war geflutet und wurde von der Edelshausener Feuerwehr abgesperrt bis das Wasser wieder abgelaufen war. In der Bürgermeister-Götz-Straße waren es sogar 80 Zentimeter Wasser. Auch die Straße wurde gesperrt. Dort versanken am Mittwoch gegen 22.50 Uhr zwei Männer mit ihren Autos in den Wassermassen. Ein 44-Jähriger aus Kühbach konnte sich selbst aus seinem Wagen befreien, in das Wasser geflossen war. Einen 51-Jährigen aus Ursberg bargen Feuerwehrleute. Die Retter mussten zu Fuß durch das hüfthohe Wasser waten, weil selbst sie mit Fahrzeugen nicht durchkamen. Auf einer Länge von 200 Metern war das Wasser in der Nähe des Werks West der Firma Bauer blitzartig angestiegen, so Feuerwehrkommandant Ralf Schlingmann: "Es ist erschreckend, dass in so kurzer Zeit so viel Wasser da war." Der 51-Jährige wurde mit einer leichten Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht. Den Schaden an den beiden Autos schätzte die Polizei gestern auf etwa 30000 Euro.

Vollgelaufene Keller und Tiefgaragen wie im Schleifmühlweg oder in der Gregor-Mendel-Straße, der Huber-Fichte-Straße, der Hörzhausener Straße, der Freifrau-von-Moreau-Straße sowie zuletzt in der Rettenbacher Straße hielten die Feuerwehren in erster Linie auf Trab. In den Kellern habe das Wasser in Der Nacht teilweise Höhen bis zu zwei Meter erreicht, so Schlingmann. Die Pöttmeser Straße entwickelte sich zum Teil zu einem reißenden Wildbach. Wo die Wehren wegen der vielen Einsätze nicht eingreifen konnten, packten die Betroffenen selbst an. Wie in der Waldeckstraße, wo Nachbarn einem Hausbesitzer beim Wasserpumpen und Reinigen des trockengelegten Kellers zur Hand gingen. Insgesamt zählte Schlingmann bis Mittag mehr als 60 Einsätze.
Die Schrobenhausener Feuerwehr pumpte die schmutzige Brühe beim Steingriffer Schützenheim ab.
Die Schrobenhausener Feuerwehr pumpte die schmutzige Brühe beim Steingriffer Schützenheim ab.
Feuerwehr
Schrobenhausen


Auch der Keller der Asylbewerberunterkunft in der alten Grundschule stand unter Wasser. Die dort lebenden Bewohner wurden vorübergehend in die oberen Etage umquartiert, berichtete Schrobenhausens Vizepolizeichef Hans-Jürgen Bartl.

In Aresing hatte der Blitz in eine Telefon-Oberleitung eingeschlagen. Die Leitung verschmorte und es rauchte. Verletzt wurde niemand.

Ein Anzeichen für die ungewohnte Stärke des Regens sieht Schlingmann auch im Pegel der Paar bei Mühlried. Der stieg von 1,25 Meter um 21.45 Uhr innerhalb von knapp zwei Stunden um 1,12 Meter auf einen Höchststand von 2,37 Meter um Mitternacht an.
Jürgen Spindler, Uwe Ziegler
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