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Sommerliche Bläser, die auch fies können

erstellt am 19.11.2009 um 18:43 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 07:34 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Eine Punkrockband mit Bläsersektion – da muss doch Ska rauskommen. Mit dieser Vermutung liegt der Musikkenner bei The Sensational Skydrunk Heartbeat Orchestra (im Folgenden kurz TSSHO genannt) natürlich nicht ganz daneben. Die Aichacher legen ihren Crossover aber viel weiter aus. Da klingelt mal eine funky Gitarre rein, schrubbelt sich ein Plattenspieler in den Vordergrund oder macht ein Akkordeon auf Französisch.
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Gerade erschienen: das TSSHO-Debütalbum "Grown". - Foto: oh
Zehn Songs haben TSSHO für ihr gerade erschienenes Debütalbum "Grown" eingespielt. Man darf annehmen, dass sie im Studio eine Menge Spaß dabei hatten. Jedenfalls ist der Titel des ersten Liedes, "Feet they hardly touch the ground", Programm: Man tut sich schwer, seine Füße auf dem Boden zu lassen, allerdings nicht wegen großer Müdigkeit, wie sie der Protagonist des Songtextes verspürt, sondern weil man tanzen will. Nett an diesem Ska-Stück sind die versteckte Van-Halen-Gitarre und die kleine Scratch-Einlage.

Schön abwechslungsreich geht es auch weiter. Während "Admire Me" erneut die Füße zum Tanzen nötigt, bietet die mit Saxofon, Trompete und Posaune aufgepeppte Früh-Nuller-Jahre-Indiepop-Nummer "Call Me" einen astreinen Punkschlagerrefrain. Die Bläser pusten den Herbstnebel aus dem Hirn, um sonnige Träume zurückzulassen, klingen manchmal traditionell jamaikanisch wie in "Say", dürfen aber in "My personal Karl Valentin" (ziemlich stranger Titel) in Kombination mit einer tiefergelegten Gitarre aber auch mal so richtig fies nach Voodoo Glow Skulls klingen. Dafür machen sie früher Feierabend, die letzten beiden Songs der Platte haben auch nicht mehr viel mit Ska zu tun. "Run for you", eine Post-Grunge-Powerballade, geht Richtung Incubus, "Little Island in Croatia" lässt Lagerfeuerstimmung aufkommen.

"Grown" ist eine erfrischende, abwechslungsreiche Platte – mit einem Karl-Valentin-Sample als Intro. "Geh, hört’s doch auf", schimpft das Münchner Original da. Zum Glück haben die neun Aichacher nicht auf ihn gehört. Das TSSHO-Album ist erschienen bei Rookie Records, einem in Punkkreisen nicht unbekannten Label, auf dem unter anderem schon Terrorgruppe, Turbostaat, The Bottrops, Genepool, Steakknife, Spermbirds oder auch die Oberpfälzer Britpopper Atomic veröffentlicht haben.

Von Bernd Hofmann
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