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SZ TRIFFT Jan Kraus, der seit fünf Jahren historische Ansichtskarten von Schrobenhausen sammelt

Grüße aus der Vergangenheit

Schrobenhausen
erstellt am 11.08.2017 um 19:54 Uhr
aktualisiert am 16.08.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) In Zeiten, in denen Reisende von jedem Urlaubsort der Welt den Daheimgebliebenen in Sekundenschnelle und im Halbstundentakt per Smartphone Ich-war-hier-Fotos schicken können, sind Ansichtskarten etwas aus der Mode gekommen. Es soll halbwüchsige Kinder geben, die noch nie in ihrem Leben eine solche Karte an einen lieben Menschen geschrieben und auch noch nie selbst eine mit der Post bekommen haben.
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Schrobenhausen: Grüße aus der Vergangenheit
Leidenschaftlicher Sammler: Mehr als 100 historische Postkarten von Schrobenhausen besitzt Jan Kraus in seinem Album. - Foto: Schmeizl
Schrobenhausen

Solche Menschen kann Jan Kraus nur bedauern. Denn für den 66-jährigen Schrobenhausener, der sich selbst als "Zuagroaster" bezeichnet, haben die handgroßen Papierkarten eine ganz besondere Anziehungskraft - gerade die, die Schrobenhausen abbilden. Seine Postkarten lassen längst vergangene Zeiten wieder lebendig werden.

"Ansichtskarten zeigen die schönsten Ecken einer Stadt, ihre Gestaltung verrät auch viel darüber, wie die Menschen zu bestimmten Zeiten ihre Heimat sehen", sagt Kraus, der in Tschechien geboren wurde. "Vergleicht man die Postkarten aus den verschiedenen Jahrzehnten, dann wird die Entwicklung Schrobenhausens sehr deutlich. Postkarten machen in gewisser Weise die Historie der Stadt anschaulich." Kraus weiß, wovon er spricht. Seit fünf Jahren sammelt er bereits Ansichtskarten. Sie stammen aus den unterschiedlichen Jahrzehnten. Eine ist sogar aus dem 19. Jahrhundert, wie der Poststempel verrät.

"Diese hier wurde im Jahr 1965 versendet", erklärt Kraus und holt vorsichtig eine Postkarte aus seiner Mappe, auf der das Lenbachhaus, der Stadtturm und die Pfarrkirche in Schwarz-Weiß abgebildet sind. Die Karte hat bereits eine weite Reise hinter sich. Bevor sie in die Hände des Sammlers fiel, war sie schon in Wien - eine Schrobenhausenerin schrieb an ihre Tante. Welche Worte die Frau an ihre Verwandte richtete, interessiere den 66-Jährigen eigentlich nicht. "Mir geht es in erster Linie um die Motive. Da kann man einen guten Eindruck davon bekommen, wie Schrobenhausen früher ausgesehen hat", sagt der Rentner. Und das frühere Schrobenhausen mit seinen historischen Bauten habe ihm deutlich besser gefallen als das, das er jetzt vorfindet. "Mir wäre es lieber gewesen, wenn viele alte Gebäude nicht abgerissen worden wären."

Mehr als 100 unterschiedliche Postkarten hat der Rentner fein säuberlich in sein Album einsortiert. Und sein Fundus ist noch nicht komplett. Regelmäßig stöbert er im Internet nach alten Postkarten, um seine Sammlung zu erweitern. Historische Zeugnisse von Schrobenhausen zu finden, sei gar nicht so leicht, da "der Markt ziemlich leer gefegt ist", klagt Kraus. Oft seien ihm schon Karten im Internet "unter der Nase weggeschnappt worden", einfach weil er nicht schnell genug war.

Während Kraus in seinem Album blättert, erinnert er sich an eine besondere Postkarte sehr genau. Eine, die nicht Schrobenhausen, sondern seine Heimat in Tschechien zeigt, genauer gesagt das Haus seiner Tante. Eines Tages entdeckte er sie im Internet. Er hat sofort zugeschlagen. "Sie können sich nicht vorstellen, von wem die Postkarte war. Sie war von meiner Tante selbst geschrieben", erzählt Kraus. Jahre später ist die Karte wieder im Familienbesitz - "manchmal gibt es eben unglaubliche Zufälle".

Kraus hat einige seiner Postkarten der Schrobenhausener Zeitung ausgeliehen. In den kommenden Tagen werden die Ansichtskarten auf der Journal-Seite zu sehen sein.

Von Xenia Schmeizl
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