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Franz-Josef Mayer: Einer von der schreibenden Zunft wird 70

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erstellt am 13.08.2017 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 17.08.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen hat bekanntlich eine Menge zu bieten - sogar für Menschen, die aus dem traumhaften Voralpenland stammen. Wobei man sich Franz-Josef Mayer, den es einst aus dem Traunsteiner Raum hierher verschlug und der heute 70 Jahre alt wird, nicht leicht als zünftigen Bergfex aus dem Chiemgau vorstellen kann. Es ist nicht einmal überliefert, ob er über eigene Kniebundhose, geschweige denn einen Rucksack verfügt. So gesehen muss ihm nicht viel fehlen in seiner Wahlheimat Schrobenhausen, in der er mittlerweile mehr als sein halbes Leben verbracht hat.
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Eines vermisst er allerdings doch, und da ist er nicht allein: ein richtiges Kaffeehaus der Wiener Art, mit schweren Marmortischen, Zeitungsständern und, zugegeben, überwiegend griesgrämig, dafür aber rasend bedeutsam dreinschauenden Intellektuellen, bevorzugt von der schreibenden Zunft. Ein Treff also für die geistigen Instanzen einer Stadt, einer Region, wo man über das Leben, die Welt und überhaupt sinniert. Es gibt ja sehr wohl zauberhafte Cafés in Schrobenhausen, aber so eines wie die legendären Cafés Sperl in Wien, Bazar in Salzburg oder auch Gijon in Madrid gibt es in Schrobenhausen eben zurzeit nicht.

Die Affinität zu solcher Umgebung kommt nicht von ungefähr. Franz-Josef Mayer entstammt einer Familie, in der Theater, Kabarett, Literatur stets eine Rolle spielten; er selbst wurde schließlich einer von der schreibenden Zunft. Aber keiner, der "irgendwas mit Medien machen" wollte, weil es schick ist. Nein, Franz-Josef Mayer versteht sich als Mitglied eines Berufsstands, der seine Arbeit gleichermaßen als Auftrag und Lebensinhalt begreift, der mit einem ethisch-moralischen Anspruch eine gesellschaftliche Rolle annimmt, die eine lebenslange Verpflichtung ist.

Auch deshalb fasziniert ihn die Kultur der Kaffeehausliteraten wie Alfred Polgar, Hugo von Hofmannsthal oder Stefan Zweig, die Position bezogen, die sich einmischten, die gesellschaftliche und politische Entwicklungen zuspitzen, sie erkennbar machten. Ausgezeichneten Kaffee schätzt er natürlich auch. Das Sinnliche, das diese intellektuelle Welt in der Welt ausstrahlt, auch wenn die des Blattmachens im Zuge der Technisierung mittlerweile manches davon eingebüßt hat. Nicht alles.

Also bringt sich auch Franz-Josef Mayer ein. Von jeher. In seinen Anfängen als Tageszeitungsredakteur, später auch als Kabarettist - er ist der Erfinder der "Spargelspitzen", die so zart und appetitlich klingen, die aber so treffsicher und spitz sein können, dass sie nicht für jedermann ein Genuss waren und sind. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Wirtschaftsjournalist, PR-Experte und vielfacher Sachbuchautor engagierte er sich immer in Vereinen und Verbänden, aktuell an der Spitze des Historischen Vereins in Schrobenhausen und bei den Lions.

Und wenn ihm etwas nicht passt, wenn ihm etwas gegen den Strich geht, dann findet er Wege, das zu artikulieren. Mit seinen Mitteln, mit präzise gewählten Worten, die aufrütteln, einordnen, anecken.

So kann man ihn auch heute gemessenen Schrittes, mit kritischem Blick und einer kleinen, ledernen Männerhandtasche unterm Arm durch die Stadt schreiten sehen, die - einmal abgesehen von dieser einen, ertragbaren Kaffeehauslücke - zu seiner wohlgelittenen Heimat geworden ist, und man kann sich vorstellen, wie sich in seinem Geiste neue Sätze formen, die eines Tages irgendwo an die Öffentlichkeit gelangen werden - in einem Vortrag, als Zeitungsartikel, als Kabarettbeitrag, in einem neuen Buch. Denn wie gesagt: Mit Eingang der Rentenzahlung legt man diese Verpflichtung, wenn man sie einmal eingegangen ist, nicht ab. Mit - für Autoren - taufrischen 70 Jährchen sowieso noch nicht.

Mathias Petry
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