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"Es ist ein schönes Ritual"

Schrobenhausen
erstellt am 23.12.2009 um 18:42 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 07:35 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) 13mal ist Toni Drexler mittlerweile zusammen mit Manfred Schwaak die 4000 Kilometer nach Litauen und zurück mit dem 40-Tonner für die Kinderhilfe gefahren. Die Freude der Kinder, wenn er ihnen als Nikolaus die gespendeten Geschenke überreicht, ist noch immer etwas ganz besonderes.
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Schöne Bescherung: Schrobenhausens Mister Hilfszug Toni Drexler überreicht als Nikolaus verkleidet litauischen Kindern Geschenke. Die hat Manfred Schwaak zusammen mit Drexler und weiteren Ehrenamtlichen für die Kinderhilfe Litauen gesammelt. - Foto: oh
Schrobenhausen
Alle Jahre wieder im Dezember ist es so weit: Toni Drexler schwingt sich hinter das Steuer des Lkws, um sich auf den langen Weg nach Litauen zu machen. Der 40-Tonner, den der Förderverein des Roten Kreuzes (BRK) Schrobenhausen dem Verein für die Fahrt zur Verfügung stellt, ist voll gepackt. 20 Paletten mit Kindernahrung, einige Paletten Waschmittel, zehn Paletten mit Inkontinenzprodukten und Verbandsmaterial sowie verschiedene medizinische Produkte hat er geladen. Alles sind Spenden von verschiedenen Firmen.

Außerdem sind in dem Lastwagen auch noch unzählige Geschenkpäckchen verstaut. Ebenfalls alles Spenden, die von verschiedenen Kindergärten sowie von fast allen Schulen des Altlandkreises Schrobenhausen kommen. In vielerlei Hinsicht also eine wertvolle Fracht, die der 68-jährige Drexler und sein Beifahrer, Franz Schlittenbauer, befördern.

Mehr als 20 Stunden Fahrzeit liegt vor den beiden, bis sie am Ziel sind. "Man darf es fast nicht sagen, aber wir sind mehr oder weniger durchgefahren", sagt der 68-Jährige. Alle drei Stunden hat er sich mit seinem Beifahrer abgewechselt. Nach 23 Stunden sind sie am ersten Ziel, der Dorfschule in Zelsva, wo der erste Schwung abgeladen wird. Nach einer Pause geht es weiter nach Kaunas in das Kinderheim, wo um die 180 schwer behinderte Kinder- und Jugendliche leben. "Das ist für uns die absolute Nummer eins bei der Unterstützung", betont Manfred Schwaak, Vorsitzender und Gründer des Kinderhilfevereins.

Wie überall, werden sie auch im Kinderheim schon sehnsüchtig erwartet. Oft kämen auch offizielle Vertreter, wie Landrat oder Bürgermeister, erzählt Schwaak, der zusammen mit drei Begleitern im VW-Bus des BRK nach Litauen gefahren ist. Die Wirtschaftskrise hat auch vor dem südlichsten der baltischen Staaten nicht Halt gemacht. Um bis zu 30 Prozent seien die Gehälter gekürzt worden, erzählt Schwaak. Nicht einmal 1000 Euro verdient Liudas Ankudavicius, der als Leiter des Kinderheimes für rund 200 Mitarbeiter verantwortlich ist, im Monat. Die Preise für Lebensmittel seien in Litauen mindestens so hoch wie bei uns, sagt der Vorsitzende. So gern er auch wollte, allen kann er einfach nicht helfen. "Man müsste dafür mehrfacher Millionär sein."

Toni Drexler hat an diesem Abend seinen großen Auftritt als Nikolaus. Santa Claus, nach dem amerikanischen Weihnachtsmann, heiße der in Litauen erzählt er. Deshalb trägt der 68-Jährige zu Bart und rotem Mantel auch eine Zipfelmütze. "Es ist schon ein bisschen komisch", meint Drexler. Vor allem auch, weil die Kinder die Besucher aus Deutschland nicht verstehen und die sich umgekehrt auch nur über die Dolmetscherin verständlich machen können.

Ausgelassen gefeiert wird trotzdem. "Es ist ein schönes Ritual", sagt Schwaak. So ähnlich wie in Deutschland, aber nicht so besinnlich laufe die Feier ab, erzählt Drexler. Er fühlt sich bei den Theateraufführungen und den Tänzen, die die Kinder extra für die Vertreter der Kinderhilfe einstudiert haben, eher ein bisschen an Fasching erinnert. "Weihnachten ist für die Menschen in Litauen ein sehr fröhliches Fest", ergänzt der Vorsitzende. Höhepunkt der Feier ist die Bescherung, wenn der Nikolaus alias Drexler jedem Kind zwei Geschenke überreicht. Dann ist die Freude riesengroß. "Es ist ganz selten, dass ich so etwas sehe", erzählt der Vertreter des Weihnachtsmannes.

Weiter geht es zum Kindergarten "Radestele" mit seinen 170 Kindern und dem Kinderkrankenhaus in Klaipeda. Beim Abladen pressiert es wie immer. Als die Chefärztin vom Krankenhaus das Krankenbett sieht, spricht sie Drexler an, ob der beim nächsten Mal nicht noch ein paar mitbringen könne. "Ich muss das Zeug halt bekommen", sagt der 68-Jährige, der der Ärztin gerne helfen möchte. Sobald er wieder daheim ist, will er sich intensiv auf die Suche nach Krankenhausbetten machen. "48 Betten haben in dem Lastzug Platz. Wenn ich die habe, dann werde ich sie ihr bringen."

Sämtliche Hilfsgüter sind abgeladen. Für die Mannschaft wird es Zeit, sich wieder auf den Heimweg zu machen. Der Wetterbericht hat Schnee angekündigt. "Wir wollen nicht warten, bis der kommt", sagt Drexler, der es mit dem leeren Sattelzug auch noch bei trockenem Wetter nach Schrobenhausen schafft. Schwaak und seine Begleiter haben weniger Glück. Bei Hof ist der Schneefall so stark, dass Streufahrzeuge auf der Autobahn unterwegs sind. "Im vorigen Jahr war es genauso", nimmt es der Vorsitzende gelassen.

Von Gerlinde Drexler
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