Dienstag, 16. Oktober 2018
Lade Login-Box.

SZ trifft Musiker und Landwirt Bernhard Reitberger, der hin und wieder in die Rolle des Auktionators schlüpft

Zum Ersten, zum Zweiten - und zum Dritten

Diepoltshofen
erstellt am 13.06.2018 um 13:30 Uhr
aktualisiert am 17.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Diepoltshofen (SZ) 166000 Euro. Ein absoluter Spitzenpreis - für ein Spitzen-Tier. Genauer: ein Zuchtstier. Reinerbig hornlos. Den hat Bernhard Reitberger - ja genau der, der ansonsten gerne mitsamt Geschwistern und Gspusis musizierend durch die Lande zieht - bei einer spektakulären Großviehversteigerung vergangene Woche in Ingolstadt erzielt. Seit sieben Jahren ist Bernhard Reitberger Auktionator. Seit 2016 finden auf dem heimischen Schrufhof jährlich Kalbfleischauktionen statt - so auch am Sonntag.
Textgröße
Drucken
Voll in seinem Element ist Bernhard Reitberger, wenn er in die Rolle des Auktionators schlüpft.
Voll in seinem Element ist Bernhard Reitberger, wenn er in die Rolle des Auktionators schlüpft.
privat
Diepoltshofen


Wer Reitberger je beim Musikmachen erlebt hat, hat vielleicht das Bild eines Mannes im Kopf, der zwar durchaus flotte Stücke im Repertoire hat - ansonsten mit seinen Mitmusikern doch gern ziemlich gemütlich unterwegs ist. Schlüpft er in seine Rolle als Auktionator, wird aus Reitberger eine Quasselstrippe vor dem Herrn. Das schnelle Sprechen könne man lernen, sagt Reitberger. Und dass er kein Problem damit hat, über zwei, drei Stunden stimmlich fit zu bleiben, sei irgendwo dem Gesang geschuldet. "Natürlich kann man auch viel mit Technik arbeiten, Atmung und Haltung trainieren", erzählt Reitberger.

Mindestens genauso wichtig seien aber die "Soft Skills", also der Kontakt zu den Käufern. Mit ihnen hat Reitberger im Idealfall vor Beginn der Auktion bereits Gespräche geführt, hat also eine Ahnung, wer da ist und woran derjenige Interesse hat. "Manche wollen weibliche, manche männliche Tiere, manche leichte, andere schwere, die einen wollen hohe Qualität, sind auch bereit, dafür etwas auszugeben, andere wollen nur das Billigste." Da müsse man eben versuchen, die Leute einzuordnen - und zu verstehen. Aber haut das bei einer größeren Zahl an Interessenten immer noch hin? "Ich mache das ja schon ein paar Jahre", sagt Reitberger, "die Gesichter ändern sich nicht jedes Mal." Wie beim Schafkopfen sei das: "Umso mehr man sich merken kann, umso besser ist man dran." Und eine gewisse Menschenkenntnis spiele selbstverständlich auch mit rein. Eben wie bei jeder guten Verhandlung: "Man muss sich mit dem Gegenüber beschäftigen - versteigern ist einfach nur ein Spezialfall einer Verhandlung."

Doch wie wird man eigentlich Auktionator? Nach dem Landwirtschaftsstudium kam Bernhard Reitberger zum Pfaffenhofener Fleckviehzuchtverband. Und da hieß es irgendwann: "Zu dem Job gehört übrigens auch, dass du versteigerst!" Auch die internationale Versteigerungsbranche ist Reitberger nicht ganz fremd. Mit einer kanadischen Firma hat er schon Auktionen gemacht. Und als er während des Studiums mehrere Monate in Neuseeland verbrachte, hat er an einer Schafbockversteigerung teilgenommen.

Statt die Käufer auf Zuruf Gebote abgeben zu lassen - "da ist mir zu wenig Dynamik drin und dann gibt es noch das akustische Problem" - gibt Reitberger den Startpreis lieber vor. Weiter gehts dann per Handzeichen. Beispiel Kalbfleischauktion: "Ein Wink mit dem kleinen Finger, ein kurzes Nicken, ein Zwinkern bedeutet dann einen Sprung von zwei Euro." Und wenn mal einer statt ein Gebot abzugeben einfach nur den Spezl begrüßen möchte, dann klärten sich derlei Missverständnisse schnell. Dass einer ungewollt mit einem sündteueren Vieh heimgeht - derlei passiere nie, versichert Reitberger.

Allein schon aus rechtlichen Gründen gehöre der klassische Auktionärsspruch "zum Ersten, zum Zweiten - und zum Dritten" zu jeder Versteigerung, erzählt Reitberger, "weil der Zuschlagspreis immer zum dreimalig genannten Preis erteilt wird". Eigentlich braucht es ja auch einen Hammer. Mit dem hat er aber die Hände nicht so frei. Schließlich wollen ja auch Preise notiert sowie Angebote exakt zugeordnet werden. Bei den Großvieh- und Kälberversteigerungen hat Reitberger jemanden, der alles ins EDV-System überträgt. Gibt es allerdings Unstimmigkeiten, hat der Auktionator das letzte Wort, "dann gilt meine Mitschrift", so Reitberger.

Ein derart spezieller Job zieht natürlich auch privat seine Kreise. Eine Hochzeitszeitung hat Reitberger schon versteigert, oder bei einem Festival im Bayerischen Wald Instrumente. Richtig viel Gaudi gab es auch, als Reitberger bei Hirzingers Wirtshausmusikanten im Bayerischen Fernsehen einen bunten Schmankerlkorb für den guten Zweck unters geneigte Publikum brachte. Da haut er dann schon mal Sprüche wie diesen raus: "I woit nur schaun, wie er schaugt, aber er schaugt immer no."

Die Kalbfleischauktionen auf dem heimischen Schrufhof indes - übrigens nicht zu verwechseln mit den früheren Hoffesten - laufen auf eigenes Risiko, ohne Mindestgebot. Will heißen, dass Reitberger auch mal eines der küchenfertigen Pakete ab einem Kilo ziemlich günstig abgeben muss - andererseits freilich der Käufer ein tolles Schnäppchen abstauben kann. Ausschließlich Privatleute kommen zu den Auktionen auf dem Diepoltshofener Schrufhof, Feinschmecker, die Wert auf gutes Fleisch legen und wissen wollen, woher es kommt.

Mit einer Kalbsknöcherlsuppe geht es am Sonntag um 10.30 Uhr los, die Versteigerung läuft ab 12 Uhr, danach gibts Kaffee und Schmalzgebäck - und logisch: Ganz ohne "boarische Musi" läuft bei den Reitbergers auch an dem Tag gar nix.
Ute De Pascale
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!