Montag, 25. Juni 2018
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SZ TRIFFT Centa Müller, die seit 15 Jahren Mesnerin ist und inzwischen acht Jahre als Dekanatsmesnerin hinter sich hat

"Die beste Entscheidung meines Lebens"

Bertoldsheim
erstellt am 12.06.2018 um 18:32 Uhr
aktualisiert am 16.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Bertoldsheim (SZ) Quirlig, fetzig und mitunter laut geht es zu, wenn Dekanatsmesnerin Centa Müller durch die Gegend wirbelt.
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Der Zufall führte sie vor 15 Jahren ins Mesneramt ihrer Gemeinde ? nun ist Centa Müller seit acht Jahren Dekanatsmesnerin.
Der Zufall führte sie vor 15 Jahren ins Mesneramt ihrer Gemeinde - nun ist Centa Müller seit acht Jahren Dekanatsmesnerin.
Foto: Olfen
Bertoldsheim
Schließlich ist sie quasi in der Mission Völkerverständigung unterwegs. Vor acht Jahren wurde sie im Altdekanat Neuburg zur Dekanatsmesnerin gewählt. Bei der Zusammenlegung mit Schrobenhausen vor fünf Jahren führte sie das Amt weiter. Heuer wurde sie wiedergewählt.

"Bei der Zusammenlegung war es echt schwierig", so Müller. "Die Schrobenhausener dachten, sie sind benachteiligt. Dadurch, dass ich überall hinfahre, ist die Verbindung gut geworden. " Inzwischen heiße es nicht mehr: "Du bist von da und Du von dort. Wir sind jetzt wirklich ein Haufen. "

Überall hinfahren - das sind ausgeklügelte Touren durchs Dekanatsgebiet, um den anderen Mesnern Geburtstagsbesuche abzustatten und jeden kennenzulernen. Müller ist eine Macherin. Trotzdem musste sie zu ihrem Amt überredet werden. Vor acht Jahren sei Dekan Werner Dippel auf sie zugekommen und hatte sie angesprochen. Müller erinnert sich an ein Weißwurstessen, nachdem sie Dippel dann gesagt hat: "Ok, ich mach's. "

Bei Versammlungen ist Müller in ihrem Element. "Aber, wenn einer stirbt, sich da ans Grab stellen, ist nicht so meines. " Dippel habe damals gemeint, er sei ja auch noch da. Prompt sei 14 Tage nach Müllers Amtsantritt jemand gestorben. "Da hatte ich mir schon ein bisschen was aufgeschrieben gehabt, aber ich dachte mir, die Rede kann ich so halten", erinnert sich Müller. Dann hatte sie ein Wort verkehrt gesagt, was sie sehr geärgert habe: "Seitdem schreibe ich mir alles auf. "

Es gibt auch zahlreiche schöne Dinge, die Müller in ihrem Ehrenamt zu erledigen hat. So ist sie auch stellvertretende Verbindungsperson der Dekanate Pfaffenhofen und Neuburg-Schrobenhausen. Es gilt Fahrten, Ausflüge und Treffen zu organisieren. Einmal im Jahr lädt sie zu sich nach Hause ein.

Dass sie überhaupt Mesnerin wurde - auch da ließ sie sich zunächst bitten. "Mein Vorgänger als Mesner in Bertoldsheim hat am Heiligen Abend vor der Christmette gekündigt. " Am zweiten Weihnachtsfeiertag seien ihr Bruder und die Schwägerin zu Besuch gekommen und schon kam die Idee auf, Müller könnte die Vakanz schließen. Müller und ihr Mann hatten da gerade ihre Landwirtschaft aufgegeben. Vor 15 Jahren hat sie ihren Dienst in Bertoldsheim angefangen. "Das ist die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe. "

Damals ist sie direkt ins kalte Wasser geworfen worden. "Meine erste Messe war eine Werktagsmesse. Der Kirchenpfleger hat die Kommunion vorbereitet und das war's", erinnert sich Müller. Den Rest hat sie sich selbst beigebracht. Sie hat noch den Mesnerkurs gemacht, sonst hätte sie nicht ins Messbuch schauen dürfen. "Ganz wichtig ist für mich jedes Jahr St. Otilien. Da lernt man immer was. Eine Woche Fortbildung und Exerzitien im Wechsel. "

Ihre Kirche muss zu Weihnachten immer ganz besonders herausgeputzt sein. Da gibt es rote Kerzen, rote Kugeln, rote Weihnachtssterne. "Das gefällt den Leuten so gut", sagt Centa Müller Und: "Wenn ich im Mai meinen Hochaltar zu einem Maialtar gemacht habe. Und wenn der schön ist, dann bin ich so was von zufrieden. "

Wer in seiner Gemeinde etwas bewirken wolle, müsse sich einsetzen, ist Müllers Credo. Deshalb gehört sie noch dem Pfarrgemeinderat an und ist zuständig für die Senioren. Müller: "Mesner ist kein Beruf, das ist Berufung. Die Stunden, die man gezahlt kriegt, die reichen nicht. " Was macht dann die Begeisterung aus? "Ich sage, jeder braucht seine Glaubensgeschichte", sagt Müller. "Aus dem Nichts kann man das nicht machen. Ich bin Mesner mit Leib und Seele. "

Bertoldsheim habe einen Top-Pfarrgemeinderat - da gehe was, sagt Müller. Beim Muttertagsgottesdienst spiele der Pfarrer schon mal den Kavalier und schenke jeder Frau eine Rose. "Also habe ich am Samstag 100 Rosen besorgt", so Müller. "Man muss ja jede Rose einzeln anschneiden, die Dornen wegmachen. " Dann folgten Fahrzeugweihen oder Familiengottesdienste, berichtet Müller aus dem Kirchenjahr.

Sie ist dem Glauben schon das ganze Leben verbunden. "Als Kind musste ich jeden Tag in die Kirche. Jeden Tag um 7.15 Uhr war die Messe. Danach bin ich in die Schule gegangen", erzählt Müller. Einige Male habe sie schon geschwänzt und sie habe mit ihren Geschwistern in der Früh Karten gespielt. Auch im Erwachsenenalter gehöre für sie die Kirche zum Alltag. Sie habe auf den Hof ihres Mannes eingeheiratet. "Da ist man schon immer in die Kirche gegangen. Ich kenne nichts anderes", sagt Müller. Da sei man eben eine halbe Stunde früher in den Stall gegangen, um zur Messe fertig zu sein. Als sie Mesnerin wurde, habe sie gleich ein schlechtes Gewissen gehabt: "Jetzt werde ich für's Kirchegehen bezahlt. "

Müller hofft, dass sie die Mesnerarbeit noch zehn Jahre schafft: "Ich möchte einmal von
Augsburg geehrt werden. Die erste gibt es mit 25 Dienstjahren. Das ist mein Ziel. " Vergönnt soll es ihr sein. Müller: "Von den 15 Jahren hatte ich zwölf Jahre Baustelle. Der Turm ist gerichtet worden. Dann innen. Dann die Sakristei. Dann die Altäre. Jetzt hoffe ich, dass nichts mehr kommt. "
Sabine Olfen
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