Sonntag, 18. November 2018
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Ex-Landrat leitet weiter die LAG - offenbar, weil's ihm Spaß macht und weil es wieder interessante Projekte gibt

Roland Weigert und das gute Klima

Kleinhohenried
erstellt am 08.11.2018 um 18:52 Uhr
aktualisiert am 12.11.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Kleinhohenried (SZ) Einen unerwarteten Vorsitzenden hatte am Mittwochabend die Lenkungs ausschusssitzung im Haus im Moos: Ex-Landrat und Neu-Landtagsabgeordneter Roland Weigert wollte es sich nicht nehmen lassen, die Versammlung zu leiten. Es läuft ja auch bei der LAG.
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Die Kapelle von Englmannsberg könnte einer der kleinen, versteckten spirituellen Orte sein, die im Rahmen eines Leader-Projekts Pilgern zugänglicher gemacht werden sollen.
Die Kapelle von Englmannsberg könnte einer der kleinen, versteckten spirituellen Orte sein, die im Rahmen eines Leader-Projekts Pilgern zugänglicher gemacht werden sollen.
SZ-Archiv
Kleinhohenried
Als Mitglied des bayerischen Landtags wird er künftig wohl nicht mehr so oft die Möglichkeit haben, solche öffentlichen Sitzungen zu leiten. Und dabei macht Roland Weigert das ganz offenbar doch so gerne, in seiner ganz eigenen, gleichsam lockeren wie fordernden Art und Weise. Kein Wunder also, dass er den Termin am Mittwochabend genoss und mit flotten Sprüchen nur so um sich warf. In anderen Gremien wie Kreistag oder Zweckverbänden hat ja inzwischen sein Interimsnachfolger Alois Rauscher das Sagen - bei der Leader-Aktionsgruppe (LAG) Altbayerisches Donaumoos nicht. Es sei in der Satzung so geregelt, dass er den Vorsitz hier nicht Kraft seines Amtes als Landrat innehabe, sondern als Person Roland Weigert, sagte Roland Weigert und stürzte sich pünktlich und sehr gut gelaunt in die Tagesordnung.

Auf der standen für den Lenkungsausschuss, der das beschließende Gremium der LAG ist, einige neue und nicht ganz so neue Projekte (siehe Kasten), zuerst einmal aber ein Bericht des Geschäftsführers Klaus Rössler. "Wir sind jetzt dabei, die restlichen Mittel unters Volk zu bekommen", berichtete dieser. 380000 Euro stünden noch für Projekte zur Stärkung des ländlichen Raums - das ist ja die Zielsetzung des Leader-Programms - zur Verfügung. Es gebe zwar noch ein paar Ideen, die in der "Pipeline" seien, aber auch weiteren, neuen Vorhaben stehe man jederzeit offen gegenüber. Und wenn es mit dem einen oder anderen Projekt bis 2020, wenn das Programm ausläuft, vielleicht nichts werden sollte - die nächste Förderperiode kommt zwar nicht bestimmt, aber doch sehr wahrscheinlich. Auch dann möchte das Altbayerische Donaumoos wieder mit dabei sein (wobei Rössler bisher allerdings nicht alle Städte und Gemeinden von den Vorzügen einer weiteren Mitgliedschaft in der LAG überzeugen konnte).

Allen diesmal vorgestellten Projekten (siehe Kasten) stimmte der Lenkungsausschuss dann einstimmig zu - mit Ausnahme der Pilgerrouten, für die noch Absprachen mit den Partner-LAGs erforderlich sind, wie Rössler erklärte. Hier könne der Lenkungsausschuss aber auch ohne weitere Sitzung per E-Mail abstimmen. Ein positives Votum dürfte aber auch hier nicht infrage stehen, das Projekt wurde durchaus wohlwollend aufgenommen.

Die Pilgerziele passen ja auch ganz gut in das Portfolio, das sich die LAG in den vergangenen Jahren zugelegt hat: Wanderwege, Radwege, Erlebnisplätze - das Netz ist immer dichter geworden. Die touristische Erschließung des LAG-Gebiets, das den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen und den Markt Hohenwart umfasst, hat sicherlich Fortschritte gemacht. Allerdings schien in letzter Zeit auch ein wenig die Luft raus zu sein aus dem Leader-Programm: Noch ein Wanderweg? Noch ein Generationenpark?

Da kommt nun ein Projekt wie der Clean Development Mechanism (CDM) auf regionaler Ebene, den Peter Mießl am Mittwochabend vorstellte, gerade recht, um frischen Wind in die LAG zu bringen. Diesen CDM - auf deutsch kann man das als Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung bezeichnen - gebe es bisher nur auf EU- und globaler Ebene, sagte Mießl. Die Idee sei nun, das aufs Regionale herunterzubrechen. Wenn man nun zum Beispiel die Extensivierung im Donaumoos vorantreiben wolle - "wir können damit wahnsinnig viel für den Klimaschutz tun", sagte Mießl -, müsse man Ausgleiche für die Landwirte schaffen, die Äcker in Wiesen mit einem Grundwasserstand knapp unter der Grasnarbe umwandeln. Das Geld dafür könnte - ähnlich wie es die Organisation Atmosfair im großen Maßstab anbietet - aus Klimazertifikaten kommen, die Firmen oder Privatpersonen erwerben, um ihr klimaschädliches Verhalten zu kompensieren.

In Österreich gebe es bereits ein solches Projekt, sagte Mießl. Das könnte als Grundlage für das Altbayerische Donaumoos dienen. Hier seien aber noch zahlreiche Absprachen nötig, zum Beispiel zur Ausgestaltung der Zertifikate. Mießl plant unter anderem eine Expertenrunde, an der auch die Landwirte teilnehmen sollen, die schließlich direkt betroffen sind. Träger des Leader-Projekts wäre dann der Verein e-e-e (Energie effizient einsetzen), "der", erinnerte Mießl, "ist damals auch über Leader geboren worden".
Bernd Hofmann
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