Mittwoch, 19. September 2018
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Öffentlicher Nahverkehr: In Schrobenhausen und der Umgebung freut man sich über die Einigung auf einen Gemeinschaftstarif

"Ein Meilenstein für die Region"

Schrobenhausen
erstellt am 11.07.2018 um 17:38 Uhr
aktualisiert am 15.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Seit Jahrzehnten gibt es Pläne für einen regionalen Gemeinschaftstarif. Zum 1. September werden sie Wirklichkeit. Die Verträge des eigens für den Regionaltarif gegründeten Zweckverbands mit 14 Busunternehmen wurden am Dienstag in Ingolstadt unterschrieben.
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Auch drei Bahngesellschaften sind schon mit dabei. Damit muss man in Zukunft für die Fahrt von A nach B durch die Region nur noch einen Fahrschein lösen, der von jedem beteiligten Bus- und Bahnunternehmen akzeptiert wird. Die Schrobenhausener Zeitung hat sich in der Stadt und der Region umgehört und gefragt, wie der Durchbruch zum Gemeinschaftstarif bewertet wird.

Mit einem Ticket durch die Region

 

Landrat Roland Weigert (FW) ist mit der Einigung mehr als zufrieden. "Mit dem regionalen Gemeinschaftstarif ist nun einer der letzten weißen Flecken auf der Landkarte verschwunden", sagt er. Für die Fahrgäste bedeute das eine Steigerung der Attraktivität der öffentlichen Verkehrsmittel. "Ein großes Dankeschön geht an die Verkehrsunternehmer, die zum Gelingen beigetragen haben", so Roland Weigert.

Für Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU) ist der Gemeinschaftstarif ein Meilenstein für die Region: "Die Tarifeinheit ist nun gegeben, jetzt geht es unter anderem darum, die Fahrplanbeziehungen zu optimieren und das e-Ticketing auf den Weg zu bringen. Und ich bin davon überzeugt, dass daran kein Weg vorbeiführt. Auch wenn es lange gedauert hat, war es eine Leistung, all die verschiedenen Unternehmen an Bord zu holen und alles unter einen Hut zu bringen. Es wird bestimmt auch Kritiker geben, aber denen müssen wir dann entgegenhalten, weil wir damit auch endlich die Region attraktiver machen. "

Manfred Binzer von proBahn freut sich ebenfalls über den Gemeinschaftstarif: "Endlich! Wir haben den kleinen Verbund mit den Eisenbahnen schon gehabt. Aber jetzt kann man mit einer Fahrkarte zum Beispiel mit dem Bus von Waidhofen nach Schrobenhausen, dann mit der Bahn nach Ingolstadt und ab Hauptbahnhof wieder mit dem Bus weiterfahren. Zeitweise hatte ich die Hoffnung verloren, dass das noch was wird. Letztes Jahr hieß es - es kommt, kam dann nicht - aber jetzt. "
 

Kommentar

Auf Nimmerwiedersehen, Steinzeit, willkommen in der Gegenwart. Man hält es ja kaum für möglich, dass es nun doch noch zu einem Regionaltarif für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gekommen ist, in den auch das Schrobenhausener Land eingebunden ist - ein großer, ach was, ein gewaltiger Schritt heraus aus der ÖPNV-Diaspora. Auf der Ebene der Bahn hatte man ja schon vor einer Weile eine Lösung gefunden, aber ohne die Einbindung der Busunternehmen war das eben nur ein halbes Ergebnis.

Aber jetzt: Diese Situation, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht, ist nun endlich bereinigt. Genau genommen um ungefähr 30 Jahre zu spät, aber immerhin. Lieber spät als nie, wie man so schön sagt.

Womit aber nur ein Teil des Problems gelöst ist, denn nach wie vor sind etliche Orte im Schrobenhausener Land - und mutmaßlich nicht nur hier - überhaupt nicht an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Wer von einer kleinen Rente leben muss und sich kein eigenes Auto leisten kann, ist auf dem Land von der Außenwelt quasi abgeschnitten oder auf Hilfe aus der Verwandtschaft oder von Freunden angewiesen - eine Abhängigkeit, mit der nicht jeder gut zurechtkommt. So viel zum in der bayerischen Verfassung festgeschriebenen Grundsatz der gleichwertigen Lebensverhältnisse in Stadt und Land.

Es ist die Zeit, in der sich die Menschen auf dem Land breitschultrig aufstellen müssen, um nicht gegenüber den Ballungsräumen zusehends ins Hintertreffen zu geraten. Das gilt nicht nur für den ÖPNV, aber eben auch hier. So gesehen kann der Regionaltarif nur ein Zwischenschritt sein, aber ein sehr, sehr bedeutender. Mathias Petry

Tina Blum
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