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70-Jähriger bestreitet seine Schuld

Pfaffenhofen
erstellt am 12.03.2018 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 16.03.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (SZ) Mit seinem Wagen soll ein Rentner einen 76-Jährigen angefahren haben, der in Scheyern auf seinem Grundstück den Rasen mähte. Am zweiten Verhandlungstag wurden jetzt der Angeklagte und das Opfer als Zeugen vernommen. "Von dem Unfall habe ich nichts mitbekommen", sagt der Rentner Ulrich M., 70 (alle Namen geändert). "Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie das passiert ist."
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Passiert war vor eineinhalb Jahren am 7. Juli dies: Walter P., 76, mähte auf seinem Grundstück den Rasen, als er plötzlich einen "fürchterlichen Schlag" gegen sein linkes Bein spürte. Er stürzte auf den Boden und sah ein Auto, das weiter die Straße entlang fuhr. Von seinem Schrei wurde seine Frau, die sich ebenfalls auf dem Grundstück befand, alarmiert. "Da hatte ich eine solche Wut", erinnert sich Walter P., "dass ich meiner Frau zurief: Fahr hinter diesem Wagen her." Das tat sie auch und entdeckte das Auto vor einer Praxis. Sie bat die Angestellte, den Fahrer zu holen und schilderte ihm den Vorfall. "Er sagte, er kommt später", erklärte die Angestellte als Zeugin, "er wolle noch die Behandlung zu Ende bringen."

Unterdessen hatten Nachbarn einen Krankenwagen alarmiert. Walter P. hatte auf dem Rasen sitzend versucht, seinen Fuß, der wie die Zehen im 90-Grad-Winkel nach links abstand, geradezurücken. In einer Klinik stellten die Ärzte dann fest, dass das Sprunggelenk zersplittert und auch der Unterschenkel verletzt war. "Ein typischer Überrollunfall", hätten ihm die Ärzte gesagt. Drei Wochen war Walter P. im Krankenhaus, den Fuß kann er heute noch nicht richtig bewegen und hat große Schmerzen beim Gehen.

Es ist dem Autofahrer auf der Anklagebank anzusehen, dass ihn diese Schilderung von Walter P. nicht kalt lässt. Aber den Vorwurf, dass er den Unfall verursacht haben soll, weist er von sich. Deshalb hat er auch gegen den Strafbefehl, den ihm das Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung und Fahrerflucht zugestellt hatte, Einspruch eingelegt. Ja, er habe den Mann mit dem Rasenmäher gesehen, sei in ausrechendem Abstand mit Tempo 30 an ihm vorbeigefahren, habe von einem Unfall nichts gesehen und nichts gehört. An seinem Wagen habe die Polizei keine Spuren festgestellt. Wie dann Walter P. vor sein Auto gekommen sein soll, kann er sich nur so erklären, dass er sich möglicherweise erschreckt habe.

Auch am zweiten Verhandlungstag konnte der Fall nicht abgeschlossen werden, weil die Ehefrau von Walter P., die als Zeugin geladen war, krank war. Auch der ermittelnde Polizeibeamte soll noch aussagen. Erst nach deren Vernehmungen soll sich der Gutachter äußern, der den Unfall untersucht hat. Der Prozess ist deshalb vertagt worden.

Von Albert Herchenbach
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