Mittwoch, 23. Mai 2018
Lade Login-Box.

Die Halsbacher Klangkünstlerin Cora Krötz im Interview

Neue CD am Start

Halsbach
erstellt am 16.05.2018 um 14:22 Uhr
aktualisiert am 20.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Halsbach (SZ) Musik nicht nur zu hören, sondern vielmehr auch zu fühlen; sich darauf einzulassen, was sie mit und in einem anstellt, Musik buchstäblich zu erleben, das steht für Cora Krötz im Fokus - für sich selbst und für die Menschen um sie herum. Jetzt hat sie eine neue CD produziert: KlangLichter.
Textgröße
Drucken
Neben ihrem Dur-Hang hat sich Cora Krötz vor Kurzem auch ein Exemplar in Moll zugelegt.
Neben ihrem Dur-Hang hat sich Cora Krötz vor Kurzem auch ein Exemplar in Moll zugelegt.
privat
Halsbach
Seit deiner letzten CD vor sieben Jahren hat sich ja einiges getan. Beispielsweise hast du dir ein neues Hang zugelegt...

Cora Krötz: Ja, ich habe mir in Berlin ein neues Hang machen lassen. Das erste war in Dur, das zweite ist jetzt in Moll.


Glücklich damit?

Krötz: Total. Es gibt ja so viele Lieder, die in Moll sind, und in Moll Oberton zu singen ist viel schwieriger, das hätte ich vor zehn Jahren noch gar nicht hingekriegt. Du singst ja nicht einen Ton und hast dann wie auf dem Klavier alle Töne zur Verfügung, sondern du hast die Obertonleiter, das ist ein ganz bestimmtes Tonmaterial, das sich auf den Grundton bezieht und in den ersten vier Oktaven in Dur ist. Wenn du irgendwelche Töne zwischen den Abständen singen willst, musst du den Grundton ändern - damit eben mit dem Grundton der Oberton auch da hin kommt, wo du ihn haben willst.


Hört sich kompliziert an...

Krötz: Das ist praktisch wie zweistimmig singen, nennt sich polyphoner Obertongesang. Und ja, das ist schon tricky.


Und es dürfte auch eine Menge Übung dranhängen...

Krötz: Total! Wenn man das mal durchdrungen hat, gehts natürlich immer schneller, aber fürs Hirn ist das eine wahnsinnige Übung. Weil du ja grundsätzlich immer nur von einem Ton ausgehst - aber das ist ja nur der tiefste von Millionen von Teiltönen. Als Frau kannst du davon die ersten zwölf Obertöne singen, die bewegen sich über dreieinhalb Oktaven. Das Hirn muss erst mal verstehen, dass du die gezielt ansingen kannst, das zweistimmig machen kannst. Dafür muss man auch die Obertonskala sehr verinnerlicht haben. Das ist manchmal wie anspruchsvolle Mathematik.


Kommen neben Gesang und Hang auf deiner CD weitere Instrumente zum Einsatz?

Krötz: Das harfenähnliche Kotamo, in dem drei Instrumente auf einem Klangkörper angebracht sind: die Koto aus Japan, die Tanpura aus Indien und das Monochord aus Europa.


Kann es sein, dass du gerne vieles in Personalunion machst; wofür andere fünf Musiker brauchen, das packst du alles alleine?

Krötz: Ich bin Sängerin und Instrumentalistin, das zu verbinden liebe ich! Wenn ich alles alleine spiele, kann ich auch in jedem Moment alles noch einmal ganz neu spielen. Das macht mich frei und unmittelbar in meinem Ausdruck.


Wo wurde deine CD produziert?

Krötz: Im Tonstudio von Stephan Boehme in Reutlingen. Der ist ein Multikreativer, hat selber Musik und Filmmusik studiert und begleitet mich schon über meine ganzen CDs, kennt meinen Sound, baut bis zu acht Mikros auf, um die Obertöne einzufangen. Und sein Mastering ist einmalig.


Kann man eigentlich bei dir von "Arbeit" an der CD sprechen - macht das ausnahmslos Spaß oder kommen auch Momente, in denen du alles hinschmeißen möchtest?

Krötz: Dass ich das Gefühl habe, das passt noch nicht, kenne ich von anderen CDs. Die neue CD ist von dem her besonders, weil ich jede Nummer nur ein- oder zweimal eingespielt habe. Deshalb ist sie dem Live-Erleben sehr nah. Und sie hat unendlich viel Spaß gemacht.


Klingt, als wäre da auch viel Improvisatorisches dabei...?

Krötz: Es gibt bei jedem Stück eine Kernmelodie, die das Tempo, die Atmosphäre, den Grundrhythmus bestimmt. Dennoch ist das jedes Mal, wenn ich es spiele, neu. Meine Stimme ist dabei eher wie ein Instrument eingesetzt - und weniger wie eine Sprachinformation. Ich singe also keinen Text mit Inhalt.


Es gibt ja dieses traumhafte Greensleeves-Video auf deiner Homepage. Würde man dich nicht als absolut bodenständigen Menschen kennen, könnte man meinen, du wärst dabei gar nicht mehr im Hier und Jetzt. Was empfindest du in diesen Momenten?

Krötz: Ich bin halt in dem Moment Musik; öffne mich quasi dem, dass die Musik durch mich klingen kann. Das klingt jetzt etwas abgespaced - ist es aber nicht! Ich mache schon seit 30 Jahren Klangmusik - dass es da irgendwann klar ist, dass es nicht mehr um mich geht, sondern nur noch um Musik, liegt auf der Hand. Deshalb bitte ich auch in meinen Konzerten darum, nicht zu applaudieren. Die Stille ist so schön zwischen den Musikstücken. Es geht auch darum, was zwischen den Zuhörern und mir passiert, dass es den Menschen gut geht, dass sie entspannen und regenerieren können. Das ist diese CD mehr denn je; die ist ganz ehrlich, pur, nicht verschönert oder hochgeputscht, ganz real so wie ich bin und wie ich Musik mache.


Woher nimmst du die dafür nötigen Inspirationen und Ideen?

Krötz: Beispielsweise aus der Natur. Und ich bin viel im Austausch mit anderen Klangkünstlern; auch andere Kulturen inspirieren mich sowie Kunst, Jazz, freie Musik, bei der Freiraum für Improvisation ist.


Ist in so einem Musikerleben überhaupt noch Raum für einen Bach oder einen Mozart?

Krötz: Ich finde Bach und Mozart immer noch schön, mit meinen Schülern spiele ich sie auch, privat allerdings nicht mehr. Das ist auch ein Zeitproblem, weil ich so viel anderes mache.


Deine Musik gibts über deine Homepage www.musikerleben.com im Shop. Eigentlich wolltest du sie ja - um Ressourcen zu wahren - ausschließlich zum Download anbieten.

Krötz: Ja, aber es gibt Rückmeldungen, dass das total schade ist. Da sind welche, die wollen die CD verschenken. Andere haben super Anlagen, die die CD gerne im wav-Format wollen. Die Leute sollen sich einfach bei mir melden, damit ich ein Gespür dafür bekomme, wer gerne eine CD in Händen halten würde. Eine kleine Auflage werde ich dann gerne auch bereitstellen.


Das Interview führte

Ute De Pascale
Ute De Pascale
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!