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Die fünf Wisente aus Kleinhohenried sind heil in den rumänischen Karpaten angekommen

Neubürger aus dem Donaumoos

Kleinhohenried
erstellt am 17.05.2018 um 18:54 Uhr
aktualisiert am 20.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kleinhohenried (SZ) Gute Nachrichten für den Donaumos-Zweckverband: Die fünf Wisente, die aus dem Gehege am Haus im Moos auf die Reise nach Rumänien geschickt wurden, sind gut angekommen. In den Karpaten werden sie jetzt auf ein Leben in Freiheit vorbereitet.
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Ein kleiner Schritt für den Wisent, ein großer für den Artenschutz ? die Ankunft in den rumänischen Karpaten.
Ein kleiner Schritt für den Wisent, ein großer für den Artenschutz - die Ankunft in den rumänischen Karpaten.
Fotos: Thomas Hennig
Kleinhohenried
Das Projektgebiet Poieni liegt in den westlichen Südkarpaten in der Nähe der Ortschaft Densus. Es ist ein Projekt des World Wild Fund for Nature (WWF) in Kooperation mit Rewilding Europe, der Romanian Wilderness Society und anderen Partnern vor Ort. Die Landschaft ist geprägt von den Bergen und Tälern der Karpaten. Gemischte Laubwälder mit Buche, Birke, Eiche, Robinie und in der Strauchschicht sehr viel Hasel, auch in lichten Varianten, und viele Wiesen und Freiflächen bieten einen geeigneten Lebensraum für Wisente. Nahrung im Überfluss gibt es über das gesamte Jahr.

Im Projektgebiet leben neben den üblichen waldbewohnenden Wildtieren auch die großen Beutegreifer Luchs, Wolf und Bär. Ganzjährig schneebedeckte Berge liegen in Sichtweite. Das Projektgebiet ist in drei Zonen aufgeteilt. In der Akklimatisierungszone - sie ist 14 Hektar groß - verbringen die Wisente etwa die ersten vier Wochen nach der Ankunft. Die Akklimatisierungszone liegt auf 600 bis 700 Höhenmetern. Durch Öffnung des umgebenden Zauns können die Tiere die Auswilderungszone erschließen. Diese - immer noch gezäunte - Fläche ist etwa 100 Hektar groß. Nach weiteren sechs bis acht Wochen wird auch diese Anlage geöffnet und die Tiere können dann im sogenannten Soft-release die Auswilderungszone verlassen. Unendliche Wildnis, keine Besiedelung, keine menschliche Infrastruktur kennzeichnen ihren neuen Lebensraum. In einem ersten Schritt sind jetzt dort 14 Wisente ausgewildert worden. Zwei stammen aus Rumänien, zwölf aus Deutschland, davon fünf aus dem Donaumoos, vier aus Bad Berleburg, drei aus Springe, inklusive zweier Kühe aus Fredeburg.
Eine Landschaft wie gemalt: Nahezu frei von menschlichen Einflüssen ist der künftige Lebensraum der Wisente.
Eine Landschaft wie gemalt: Nahezu frei von menschlichen Einflüssen ist der künftige Lebensraum der Wisente.
Fotos: Thomas Hennig
Kleinhohenried



Beginn der großen Reise war am Dienstag, 8. Mai, frühmorgens in Kleinhohenried (wir berichteten). Tierarzt Johannes Riedl hatte aus den 34 Köpfe umfassenden beiden Herden fünf Tiere ausgesucht, die für das Projekt in den Karpaten in Frage kamen. Mit Fingerspitzengefühl, Geduld und Glück konnten ein Bulle, eine Kuh und drei Jungkühe von dem Betreuerteam unversehrt in den Spezialtransporter verladen werden. Anschließend wurden in Bad Berleburg im Rothaargebirge (Nordrhein-Westfalen) weitere Tiere aufgenommen und am Mittwoch, 9. Mai, wurde abschließend im niedersächsischen Springe geladen.

Eingesetzt wurde ein Sattelzug, spezialisiert auf Rindertransporte. Er ist doppelstöckig und bietet jedem Tier eine einzelne Abteilung inklusive Futter und Tränke. Der Transport hat dann am Donnerstag, 10. Mai, um 11 Uhr das Ziel erreicht. "Die letzte Strecke bis zur Akklimatisierungszone war eine echte Herausforderung", wie Thomas Hennig vom Wisentgehege Springe, der die Tiere nach Rumänien begleitet hat, berichtet. Der Lkw habe die extremen Wegebedingungen nicht selbst meistern können. An etlichen Steigungen und unwegsamen Passagen habe er von einem schweren Forstschlepper gezogen werden müssen.
Kurz vor dem Ziel: Hier ging es nur noch mit Hilfe eines schweren Forstschleppers weiter.
Kurz vor dem Ziel: Hier ging es nur noch mit Hilfe eines schweren Forstschleppers weiter.
Fotos: Thomas Hennig
Kleinhohenried



"Das Entladen ging sehr ruhig vonstatten. Die Tiere wurden in den Gruppen, die sich kannten, aus dem Fahrzeug gelassen und dann durch eine Art Treibgang in die Akklimatisierungszone entlassen", schreibt Hennig. Drei der 14 Tiere sind mit GPS-Halsbändern ausgestattet, so dass deren Aufenthaltsort regelmäßig übermittelt wird. Neben den GPS-Daten werden auch die jeweilige Uhrzeit und Wetterdaten wie Luftfeuchtigkeit und Luftdruck gesendet. Die Ergebnisse dienen zur späteren wissenschaftlichen Auswertung.

Johannes Riedl hofft nun, dass sich die Tiere - vor allem die aus dem Donaumoos - in den Karpaten gut einleben, dort langfristig gemeinsam mit anderen Wisenten einen stabilen Bestand aufbauen und so eine Art erhalten, die fast schon von diesem Planeten verschwunden war.
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