Samstag, 15. Dezember 2018
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Ensemble del Arte mit Dirigent Ariel Zuckermann konzertierte in Neuburg - Werke Mozarts und Bornes

Lebhaft und quirlig

Neuburg
erstellt am 05.12.2018 um 18:04 Uhr
aktualisiert am 08.12.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Neuburg (SZ) "Ein Hauch von Sehnsucht"? Das darf als Understatement par excellance betrachtet werden, denn das Konzert des Ensemble del Arte durchweht nicht nur ein Hauch, sondern tief unter die Haut gehende Musik von gewaltiger, tiefer Sehnsucht.
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Ein virtuoser und sympathischer Meister seines Fachs: Ariel Zuckermann begeisterte sowohl mit seinem Soloinstrument, der Querflöte, als auch als Dirigent des Ensemble del Arte.
Ein virtuoser und sympathischer Meister seines Fachs: Ariel Zuckermann begeisterte sowohl mit seinem Soloinstrument, der Querflöte, als auch als Dirigent des Ensemble del Arte.
Hammerl
Neuburg
Dirigent Ariel Zuckermann und seine 21 Musiker berühren mit Werken von Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn und Francois Borne die Seelen der Konzertbesucher im nahezu ausverkauften Kongregationssaal. Heftige Gefühle kämpfen in Schuberts Quartettsatz c-Moll, der zu seiner Zeit einen völlig neuen Stil auf den Weg brachte - oder gebracht hätte, wenn das Quartett vollendet worden wäre. Denn der Komponist lässt zwei Klangideen aufeinander los - ein kreisendes Tremolo in Moll und ein lyrisch-sehnsüchtiges Liedthema in Dur, das wie gefangen im eisernen Ring des ersteren erscheint. Das Leben als Bild aus Liebe und Zärtlichkeit, gefangen in starrem Bilderrahmen, der es, wie Anne Friemel in ihrer Konzerteinführung sagt, mit Ängsten und Trauer umgibt. Dirigent und Musiker ziehen an einem Strang, treiben diesen Widerstreit auf die Spitze, bis sich die Themen durchdringen und in der Reprise umkehren.

Ebenso mit einem "Allegro assai" beginnt Haydns Sinfonie d-Moll, genannt "Lamentatione", und mit dem Zusatz "con spirito". Und welchen Geist entfaltet das Ensemble del arte unter Zuckermanns elegant-präziser Führung! Düster-energisch beginnt der Satz, für den Haydn ebenso wie für den zweiten gregorianische Choralgesänge eines Passionsspiels nach dem Markusevangelium verwendet hat. Die Violinen seufzen, Rastlosigkeit und Nervosität des Evangelisten werden spürbar. Ganz anders das kontemplative Adagio des zweiten Satzes, das ebenfalls auf eine Choralmelodie zurückgeht, aber Hoffnung verheißt, das Ostergeschehen vorherzusagen scheint. Oder, um bei Friemels Interpretation zu bleiben, Christus selbst repräsentiert, Gelassenheit und Zuversicht ausstrahlt, getragen von den Solopartien des ersten Geigers Irakli Tsadaia. Das Menuetto-Trio im dritten Satz steht dagegen für eine Menschenmenge - so lebhaft, quirlig und vielgestaltig, wie es ein Orchester in unterschiedlichen Schattierungen und Nuancen einschließlich dominantem Sforzando der Bässe nur herausarbeiten kann.

Hat Zuckermann schon im ersten Teil seine Extraklasse als Dirigent bewiesen, so setzt er nach der Pause als Solist und Dirigent noch eins drauf, führt das Orchester scheinbar lässig mit einer Hand, während er in der anderen die Flöte hält. Die beherrscht er mit einer Brillanz und Virtuosität, die ihresgleichen sucht, dirigiert daneben mit ganzem Körpereinsatz, mit Kopf, der gelegentlich freien Hand, dem Ellenbogen oder einer Körperwendung, sogar mit einem kleinen Sprung. Die Querflöte zwitschert, schwingt sich in Mozarts Konzert für Flöte und Orchester in G-Dur in elegant-verspielte Höhen und verliert dabei nie ihren erstaunlichen Wohlklang. Zuckermann versteht es, dem Instrument Töne von vollendet weichem, warmem Klang zu entlocken - mit fröhlicher Leichtigkeit, als mache nichts mehr Spaß, als Querflöte zu spielen und nebenbei 21 Orchestermusiker im Zaum zu halten. Die Flöte lockt, mal kokett, mal sehnsüchtig, träumerisch im Adagio, immer aber brillant gespielt, nicht nur technisch auf höchstem Niveau, sondern auch und ganz besonders im Ausdruck. Das Publikum dankt es mit Bravorufen.

Den krönenden Abschluss bildet dann die Carmen Fantasie für Flöte und Orchester von Francois Borne, ein furioses Medley der bekanntesten Motive aus der Bizet-Oper "Carmen". Erneut mit der Soloflöte, die es nicht an Dramatik fehlen lässt und von ungewöhnlichen Klängen der Streichinstrumente begleitet wird. Ovationen im Stehen beschließen dieses Konzert der Meisterklasse.

Andrea Hammerl
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