Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Warum es für den Landtag fast keine Direktkandidaten aus dem Schrobenhausener Land gibt

Politische Monokultur

unterm strich
erstellt am 10.10.2018 um 18:51 Uhr
aktualisiert am 14.10.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Matthias Enghuber (CSU) aus Neuburg, Roland Weigert (FW) aus Karlshuld, Andreas Fischer (SPD) aus Neuburg, Karola Schwarz (Grüne) aus Neuburg, und so weiter, und so weiter.
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Sie kandidieren im Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen für den Landtag. Wo sind die Mandatsbewerber aus dem Schrobenhausener Land? Man findet sie vereinzelt auf den Listen der Parteien. Aber Direktkandidaten? Reinhold Deuter aus Aresing (Piratenpartei) ist der einzige. Und das bei elf Listen, die um die Erststimmen der Wähler buhlen. Was ist da bei der Nominierung schiefgelaufen? Was hat der Süden, der ja sogar um drei Gemeinden aus dem Landkreis Pfaffenhofen verstärkt wurde, falsch gemacht?

Der Fehler, wenn man so will, liegt ganz offensichtlich in der politischen Monokultur im Schrobenhausener Land. Wer in die Gemeinderäte und den Schrobenhausener Stadtrat schaut, stellt schnell fest: Hier gibt es - neben rein lokalen Wählerlisten wie der Bürgervereinigung Sandizell in Schrobenhausen, der Neuen Liste in Gachenbach oder den Unabhängigen Bürgern in Gerolsbach - lediglich CSU, Freie Wähler und ganz vereinzelt die SPD. Aber Grüne, FDP, Linke? Nicht vorhanden. Kein Wunder also, dass sich eventuelle Interessenten für eine Landtagskandidatur schwer tun, wenn sie nicht einmal einen Ortsverband haben, über den sie sich profilieren können.

Die wenigen Ausnahmen: Oliver Brockmann, der Schrobenhausener Ortsvorsitzende und zudem Kreisvorsitzende der FDP, kandidiert zumindest als Listenkandidat, während sich der aus dem Landkreis Donau-Ries importierte Direktkandidat Michael Freiherr von Gumppenberg offenbar aus dem Wahlkampf verabschiedet hat. Grünen-Einzelkämpfer Wilhelm Reim aus Gerolsbach kandidiert im Nachbarstimmkreis Pfaffenhofen, hätte aber, wie er vor Kurzem im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, genauso gut für Neuburg-Schrobenhausen antreten können. Nur waren die Pfaffenhofener mit ihrer Anfrage schneller - außerdem haben die Neuburger Grünen mit Karola Schwarz eine erprobte Wahlkämpferin. Preisfrage: Wer kennt einen anderen Grünen-Politiker im Schrobenhausener Land? Na? Okay, Martin Wendl gibt es noch, aber der ist aus Karlskron.
Ähnlich sieht das bei den Linken aus: In Neuburg sind sie politisch aktiv, im Schrobenhausener Land nicht vorhanden. Kein Wunder, dass dann auch die Landtagskandidatin aus Neuburg kommt. Bei der AfD: das selbe Schema. Anders herum läuft es lediglich bei den schon fast in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwundenen Piraten: Sie haben im Schrobenhausener Land eine (kleine) Tradition, folglich kommt auch der Direktkandidat, Reinhold Deuter, aus dem Landkreissüden.

Und bei den zweieinhalb Großen in den südlichen Kommunalparlamenten? Nun, die CSU hätte im Schrobenhausener Land sogar zwei Interessenten für die Kandidatur gehabt, Roland Gaßner aus Aresing und Thomas Wagner aus Brunnen. Am Ende machte in der parteiinternen Ausscheidung der Neuburger Matthias Enghuber das Rennen, der offenbar auch vom einen oder anderen Südstaatler unterstützt wurde.

Bei den Freien Wählern gab es eh keine Frage mehr, wer am Ende kandidiert, nachdem Landrat Roland Weigert seinen Hut in den Ring geworfen hatte. Und Weigert erzählt ja eh jedem, der es hören will (oder auch nicht), dass er als gebürtiger Hohenrieder, der jetzt in Kleinhohenried wohnt, ebenso einer aus dem Süden wie einer aus dem Norden wie ein Mösler sei. Und die SPD? Hatte im Landkreissüden zuletzt mit Astrid Welter-Herzberger eine Politikerin mit Ambitionen, doch die ist vor zwei Jahren weggezogen. Was irgendwie auch wieder symptomatisch ist für das Zweiparteiensystem im Schrobenhausener Land. Bernd Hofmann
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