Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Die Qual der Wahl

Jetzt geht's an die Urnen

Schrobenhausen
erstellt am 12.10.2018 um 20:40 Uhr
aktualisiert am 15.10.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
An diesem Sonntag haben die Bürger wieder die Qual der Wahl - auch in Neuburg-Schrobenhausen. Wir stellen vor dem Urnengang im Freistaat die wichtigsten Fakten dazu vor.
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Wahlwerbung en masse: So wie hier in der Nähe der Schrobenhausener Rieselbrücke sieht es an vielen Stellen im Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen aus.
Wahlwerbung en masse: So wie hier in der Nähe der Schrobenhausener Rieselbrücke sieht es an vielen Stellen im Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen aus.
De Pascale
Schrobenhausen
Bayern wählt einen neuen Landtag, die sieben Bezirke stimmen über die Zusammensetzung ihrer neuen Bezirkstage ab. Am Sonntag, 14. Oktober, sind auch die Bürger in Neuburg-Schrobenhausen dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Diesmal dürfen rund 81500 Menschen im Stimmkreis wählen. Das bedeutet einen Anstieg um mehr als 1000 Wahlberechtigte gegenüber dem Urnengang vor fünf Jahren. Noch ist dieser Wert aber etwas unsicher, denn die genauen Zahlen in den einzelnen Gemeinden stehen erst unmittelbar vor der Wahl fest.
 

DER STIMMKREIS

Das Gebiet des Landkreises reicht allerdings nach wie vor für einen eigenen Stimmkreis nicht ganz aus. Dafür leben in Neuburg-Schrobenhausen mit seinen knapp 100000 Einwohnern etwas zu wenig Menschen. Aus diesem Grund sind dem Stimmkreis bei der Neubildung vor fünf Jahren drei Gemeinden aus dem Nachbarlandkreis Pfaffenhofen zugeschlagen worden. Seitdem wählen auch die Bürger aus Hohenwart, Scheyern und Gerolsbach, wo insgesamt gut 12000 Menschen leben, in Neuburg-Schrobenhausen. Zuvor war der Landkreis zehn Jahre lang bei Landtags- und Bezirkstagswahlen zweigeteilt. Der nördliche Bereich rund um Neuburg gehörte zu Ingolstadt, das Schrobenhausener Land samt Donaumoos waren an Pfaffenhofen angekoppelt. Der Aufwand für die Wahl ist allerdings auch diesmal gigantisch, was sich vor allem beim Papier zeigt: Wahlleiter Klaus Ferstl vom Landratsamt und sein Team haben insgesamt knapp 339000 Stimmzettel an die Gemeinden ausgegeben.
 

DIE MANDATSTRÄGER

Die beiden Direktmandate im neuen Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen haben vor fünf Jahren der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer für den Landtag und der Gachenbacher Robert Knöferl für den Bezirkstag errungen. Mittlerweile ist Letzterer der einzige Vertreter für Neuburg-Schrobenhausen in einem überregionalen Gremium, denn Seehofer hat sein Mandat nach seinem Wechsel in Bundesregierung abgegeben. Seitdem hat der Stimmkreis keinen eigenen Landtagsabgeordneten mehr. Zur Wahl wird sich aber auch der Gachenbacher nicht mehr stellen; nach fünf Jahren tritt er aus persönlichen Gründen nicht wieder an.


DIE FAVORITEN

Die Nachfolge von Horst Seehofer und Robert Knöferl im bayerischen Landtag beziehungsweise im oberbayerischen Bezirkstag wollen insgesamt 22 Politiker antreten. Die Favoritenrolle ist dabei nicht immer ganz leicht zu vergeben. Einzig im Rennen um da Direktmandat für den Landtag scheint es auf ein Duell zwischen CSU-Kandidat Matthias Enghuber aus Neuburg und dem FW-Bewerber, Landrat Roland Weigert aus Karlshuld, hinauszulaufen. Wer dahinter kommt? Völlig offen! Wahrscheinlich werden Andreas Fischer (SPD), Karola Schwarz (Grüne) und Christina Wilhelm (AfD) das unter sich ausmachen. Alle drei könnten, mit etwas Hilfe aus der Nachbarschaft, auf den Listen ihrer Parteien ein Wörtchen mitreden - allen voran Wilhelm, die auf Rang sieben steht. Im Bezirkstag dürften das Trio von CSU, SPD und FW die Wahl unter sich ausmachen. Martina Baur aus Ehekirchen tritt für die Christsozialen an, Heinz Schafferhans für die Sozialdemokraten und Ludwig Bayer für die Freien.
 

DIE AUSSENSEITER

Mit Ergebnisse im unteren einstelligen Prozentbereich müssen mehrere Bewerber rechnen. Doch wer weiß, vielleicht ist einer der Außenseiter für eine Überraschung gut. Bezirkstagskandidat Franz Neumann von der AfD könnte etwa vom Aufschwung seiner Partei profitieren. Gleiches gilt für die Grünen-Bewerberin Gertrud Hecht aus Waidhofen, die zugleich eine der wenigen Kandidatinnen aus dem Süden ist. Von dort kommt auch Reinhold Deuter (Piraten), der gleich für beide Gremien kandidiert. Und die Freie Liste Oberbayern schickt bei ihrer Premiere mit Josef Dietenhauser den einzigen Schrobenhausener Direktkandidaten ins Rennen. Aus dem Donaumoos kommt ebenfalls nur ein Bezirkstagsbewerber: Thomas Hümmer von der ÖDP. Schwieriger haben es da schon die Landtagskandidaten der kleineren Parteien - derart übermächtig erscheinen die Bewerber der etablierten Gruppierungen. Selbst die Bayernpartei, diesmal mit Christian Ferstl am Start, wird es schwer haben, ihr Ergebnis zu halten; 2013 lag sie in manchen Gemeinden sogar bei über fünf Prozent. Ebenso hart wird diese Nuss für die beiden Bundestagsparteien FDP und Linke, die mit Michael Freiherr von Gumppenberg und Gabriele Nava antreten.
 

DIE STIMMEN

Jeder Wähler hat bei der Landtags- und der Bezirkstagswahl jeweils zwei Stimmen - immer eine Erst- und eine Zweitstimme. Mit der Erststimme entscheidet er über die Vergabe des Direktmandats, die Zweitstimme kommt einer Liste, also einer Partei, zugute. Das Besondere an diesem Urnengang: Auch die Zweitstimme können die Bürger einem Kandidaten geben. Anders als bei der Bundestagswahl ist es auf diese Weise möglich, die Reihenfolge auf der Liste im Endergebnis zu beeinflussen. Die Direktkandidaten aus Neuburg-Schrobenhausen stehen ebenfalls auf der Liste - allerdings nur außerhalb ihres eigenen Stimmkreises und nur in Oberbayern. Daher ist für sie viel Werbung in der Nachbarschaft ebenso wichtig wie für die auswärtigen Kandidaten eine möglichst hohe Präsenz im Neuburg-Schrobenhausener Land. Daher sind auf den hiesigen Plakaten auch zahlreiche Kandidate aus der Umgebung zu sehen.
 

DIE NACHBARSCHAFT

Doch wer tritt eigentlich in der oberbayerischen Nachbarschaft an? In Ingolstadt beispielsweise steht die frühere Ministerin Christine Haderthauer nicht mehr auf dem Stimmzettel, dafür schickt die CSU dort Kripochef Alfred Grob ins Rennen. Bei der SPD in Eichstätt versucht sich mit Gewerkschafter Christian De Lapuente ebenfalls ein bekannter Name. Bereits im Landtag ist FW-Frau Eva Gottstein, die ebenfalls in Eichstät antritt. Stephanie Kürten aus Karlshuld ist unterdessen Kandidatin der Grünen in Ingolstadt, ebenso wie Tierarzt Rupert Ebner, der diesmal nur auf der Liste steht. Alles andere als unbekannt sind den hiesigen Wählern auch FDP-Bewerber Jakob Schäuble, der vor einem Jahr für den Bundestag kandidiert hat, und die langjähriger Berliner Abgeordnete Eva Bulling-Schröter, die nun mit der Linken in den Landtag will. Mit Bernd Sandner (Die Partei) will ein Neuburger in den Landtag, auch er ist Kandidat in Ingolstadt. Und auch die beiden CSU-Abgeordneten Tanja Schorer Dremel aus Eichstätt und Karl Straub aus Pfaffenhofen sind wieder im Rennen. Letzterer bekommt es unter anderem mit Ex-Landrat Josef Schäch (FDP) und dem Gerolsbacher Wilhelm Reim (Grüne) zu tun. Erneut in den Bezirkstag will unterdessen Rudolf Koppold aus Schrobenhausen, der wieder im Stimmkreis Pfaffenhofen für seine Freien Wähler kandidiert. Zwei Rathauschefs sind in Eichstätt aufgestellt, nämlich der dortige OB Andreas Steppberger (FW) und die Gaimersheimer Bürgermeisterin Andrea Mickel (SPD).


DIE WAHLLOKALE

Die Briefwahl wird immer beliebter, davon gehen die Experten im Landratsamt aus . Zuletzt nutzten 39,6 Prozent der Wähler diese Möglichkeit der Stimmabgabe. Diesmal dürften es deutlich mehr sein; schon jetzt liegt der Anteil bei mehr als zehn Prozent. Damit nehmen auch die Änderungen bei den Wahllokalen zu. Denn ebenso wie schon bei der Bundestagswahl kann es passieren, dass bei kleineren Wahlbezirken zu wenig Menschen persönlich an der Urne ihre Stimme abgeben. Im Regelfall ist bei weniger als 50 Stimmen eine Wahrung des Wahlgeheimnisses nicht mehr zu 100 Prozent abgesichert, da bei dieser geringen Menge Rückschlüsse auf das Wahlverhalten der Bürger möglich sein könnten. Aus diesem Grund ist oftmals eine Zusammenlegung nötig, bei gleichzeitiger Vergrößerung der Helfer für die Auszählung der Briefwahl. Für die Wahl am 14. Oktober sind derzeit 136 Urnen- und 67 Briefwahlbezirke gemeldet, dort sind rund 1500 Helfer im Einsatz. Änderungen gab es diesmal bei den Gemeinden Aresing, Karlskron, Langenmosen, Rennertshofen, Hohenwart, Gerolsbach und Scheyern sowie bei der Stadt Neuburg.
 

DER WAHLABEND

Wer den Wahlabend möglichst stimmungsvoll erleben will, kann zu einer Livepräsentation in den Landkreisbetrieben in Neuburg kommen. Alle aktuellen Infos gibt es unter www.donaukurier.de.
 
Stefan Janda
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