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Nach 200 Jahren sind die Schwetzinger mit ihren ehemaligen Auswanderern in Neuschwetzingen als Partner vereint

Kurpfälzisch-bayerische Tradition lebt wieder auf

Karlshuld
erstellt am 16.09.2018 um 18:47 Uhr
aktualisiert am 20.09.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Karlshuld (SZ) "Es war von Anfang an", sagte Oberbürgermeister Rene Pöltl aus Schwetzingen mit einem schelmischen Blick auf Karl Seitle, den Amtschef in Karlshuld, "Liebe auf den ersten Blick!" Pöltl stellte sofort klar: "Das hat aber mit Eurem Bürgermeister nichts zu tun." Gerade hatten beide ihre Unterschrift unter die Partnerschaftserklärung gesetzt und damit bekräftigt, künftig gemeinsame Wege gehen zu wollen.
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Alles war optimal vorbereitet am Freitagnachmittag: Vor dem Haus im Moos in Kleinhohenried stand sich allerdings erst einmal das Empfangskomitee die Füße in den Bauch. Vizebürgermeister Michael Lederer telefonierte mit den Schwetzingern und bekam zur Antwort: "Wir stehen im Stau." Der Bus kam dann mit einer Stunde Verspätung an.

Ein Kunstwerk als Geschenk: Oberbürgermeister Rene Pöltl (r.) betrachtete das Bild mit Kennermiene und versprach, einen Ehrenplatz im Schwetzinger Rathaus dafür zu finden.
Ein Kunstwerk als Geschenk: Oberbürgermeister Rene Pöltl (r.) betrachtete das Bild mit Kennermiene und versprach, einen Ehrenplatz im Schwetzinger Rathaus dafür zu finden.
Preckel
Karlshuld
Doch was ist schon eine Stunde angesichts der 200 Jahre, die vergangen sind, bis nun dieses Happy-End gefeiert werden konnte. Es waren Schwetzinger Bauern und ihre Familien, die im Jahr 1818 ins Donaumoos kamen, um sich dort niederzulassen. Blühende Landschaften waren ihnen versprochen worden, als sie von Kurfürst Karl-Theodor angeworben wurden.

Diese Geschichte erzählte einst auch Siegfried Schäfer, ehemaliger Gemeinderat von Karlshuld, Linni Heimburger aus Schwetzingen. Diese beiden sind mehr oder weniger dafür verantwortlich, dass sich Schwetzingen und Karlshuld-Neuschwetzingen wiederfanden, um nun per Vertrag die Bewahrung und Intensivierung ihrer gemeinsamen Historie zu besiegeln. Aufmerksam auf das Pendant zu ihrer Heimatstadt wurde die heute 87-jährige Heimburger, als sie zusammen mit ihrem Mann 1988 auf dem Donau-Radwanderweg an Weichering vorbeikam und fast über ein Hinweisschild stolperte: "Neuschwetzingen 2km", stand da. Die frühere Leiterin der Volkshochschule Schwetzingen wurde neugierig, wollte mehr wissen, radelte nach Neuschwetzingen und landete im dortigen Schützenheim, wo sie Siegfried Schäfer traf.

Die Freundschaft zwischen den Familien Schäfer und Heimburger besteht bis heute. Und bald wurden auch erste Kontakte zwischen den Kommunen geknüpft. Nun gibt es eine Partnerschaft, in die alle Vereine, Institutionen und Organisationen in den Bereichen Kultur, Heimatpflege und Sport eingebunden werden sollen. "Es ist die Fortführung der kurpfälzisch-bayerischen Tradition", sieht es Karlshulds Bürgermeister Karl Seitle.
Fotostrecke: Schrobenhausen-Schwetzingen
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Der Festabend im Haus im Moos verlief ganz bodenständig: Die Grasheimer Saitnmusi sorgte für heimatliche Klänge, ein Theaterstück zeigte die Ankunft der ersten Neuschwetzinger Siedler auf und Regina Pelzer und Antje Fleischmann erinnerten humorvoll an die Entstehungsgeschichte des Ortes. Karl Seitle: "Eine Partnerschaft lebt von den Begegnungen der Menschen und vom Kennenlernen des jeweiligen Alltags." Die Mitglieder der Delegation aus Schwetzingen nickten zustimmend. Noch vor dem Abendessen wurden die Fahnen beider Partner gehisst und dazu drehte Albert Schaflitzl seine Orgel zum Musikstück "Rauschen der Birken".
Günter Preckel
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