Freitag, 19. Oktober 2018
Lade Login-Box.

In unserer heutigen Folge schauen wir wieder mal über den Tellerrand, beziehungsweise besser gesagt über den Rand des Altlandkreises Schrobenhausen hinaus. Wenn auch nur ein paar hundert Meter. Beim Namen Stockensau sind einige Leserinnen und Leser sicherlich schon ins Grübeln gekommen, denn mit dem Bekanntheitsgrad hapert es (noch). Von Detlef Fuhrmann

Kennen Sie ... Stockensau?

erstellt am 03.04.2018 um 22:14 Uhr
aktualisiert am 07.04.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
In unserer heutigen Folge schauen wir wieder mal über den Tellerrand, beziehungsweise besser gesagt über den Rand des Altlandkreises Schrobenhausen hinaus. Wenn auch nur ein paar hundert Meter. Beim Namen Stockensau sind einige Leserinnen und Leser sicherlich schon ins Grübeln gekommen, denn mit dem Bekanntheitsgrad hapert es (noch).
Textgröße
Drucken
Impressionen aus Stockensau: Der Turm der Schlossbrauerei (l.), dann ein Blick auf den Kapellenaltar und ein Wegkreuz.
Impressionen aus Stockensau: Der Turm der Schlossbrauerei (l.), dann ein Blick auf den Kapellenaltar und ein Wegkreuz.
Fuhrmann
Zu erreichen ist der Ort mit zirka 100 Einwohnern über Peutenhausen und Westerham. Kurz vor dem hübschen Dorf überschreitet man nicht nur die ehemalige Landkreisgrenze, sondern befindet sich im Gemeindegebiet von Kühbach gleich in einem anderen Regierungsbezirk. Vor der Gebietsreform 1973 war Stockensau mit dem angrenzenden Dorf Winden noch eigenständig und im Oberbayrischen beheimatet.

"Noch heute besteht zwischen Stockensau und Winden eine tiefe Verbindung und es werden viele gemeinsame Unternehmungen gemacht", weiß unser heutiger Gastgeber, Sebastian Reichhold, zu berichten. Er empfängt uns an einem der wohl schönsten Orte des Dorfgebietes. Denn die ehemalige Schlosskapelle St. Jakobus birgt so manches Geheimnis. Sie wurde in den Jahren 2014 bis 2016 für fast 400000 Euro umfassend renoviert und zeigt sich nun in seiner ganzen Pracht. Zu finden ist sie im Hof des landwirtschaftlichen Anwesens der Breitsameters, beim ehemaligen Schlossbauern.
Fuhrmann



Obwohl die Kapelle direkt zum Hof gehört, ist der Besitz 1982 auf die katholische Filialkirchenstiftung Peutenhausen übergegangen. Sie verwaltet nun auch die Kapelle, in der noch regelmäßig Gottesdienste stattfinden. Das Patrozinium wird rund um den 25. Juli gefeiert, zum Namenstag von St. Jakobus dem Älteren.

Beim Blick in die Kapelle fällt der sehr schön gestaltete Kreuzweg auf, der vom Kirchenrestaurator Bernd Zeiler aus Pfaffenhofen gestaltet wurde. Beim genauen Nachzählen beziehungsweise Hinsehen fällt auf, dass der Kreuzweg eine Station mehr enthält, als die üblichen. Am Ende befindet sich das Bild der Heiligen Helena mit dem Kreuz, das von ihr aufgefunden wurde - eine recht seltene Darstellung im Rahmen des Kreuzweges. Des Weiteren sind auch der Altar und die Figuren recht hübsch anzusehen.
Fuhrmann



Leider nicht zu sehen sind die Fresken, die bei der Renovierung hinter dem Innenputz gefunden wurden. "Man hat lange diskutiert, ob man die Fresken wenigstens zum Teil freigelegt lassen sollte. Aber die Kirchenleitung hat entschieden, dass der gesamte Innenraum verputzt werden soll", erzählt Sebastian Reichhold. Schade eigentlich, denn dadurch ist Schlosskapelle um eine weitere Besonderheit ärmer.

Doch den Stockensauern ist eine Kapelle nicht genug. Kapelle Nummer zwei findet man in der unteren Dorfstraße Richtung Winden. Auch die Hofkapelle auf den ehemaligen Greppmair-Anwesen, das heute der Familie Wagner gehört, weist etwas Besonderes auf: Links und rechts neben dem Eingang findet man interessante Totenbretter. Diese mit Inschriften und Malereien verzierten Holztafeln dienten einst als eine Art Bahre, auf der die Toten vor dem Einsargen und der Bestattung gelegt wurden. Zum Gedächtnis an den Toten wurden diese an die Kapelle angeschlagen.
Gastgeber Sebastian Reichhold arbeitet gern mit Holz.
Gastgeber Sebastian Reichhold arbeitet gern mit Holz.
Fuhrmann



Und wem das noch nicht genug ist, der kann sich zu Fuß aufmachen, um die dritte und jüngste Kapelle zu besuchen. An der Kiesgrube, wo vor einigen Jahren eine Schlackendeponie errichtet werden sollte, findet man seit 1993 die sogenannte Kreuzbergkapelle. Zum Abwenden der Bedrohung hatte man dort einst Kreuze aufgestellt und einen Bildstock erbaut. Daher auch der Name Kreuzberg. Um den Bildstock wurde dann die Kapelle errichtet, die nur bei gutem Wetter und zu Fuß zu erreichen ist.

Wie man sieht, lohnt sich ein Ausflug nach Stockensau also mindestens dreifach. Das dachten sich wohl auch einige Städter. Wobei wir nun schon an der nächsten Besonderheit des kleinen Dorfes angekommen sind. Ein Fabrikant für Ferienhäuser aus dem nahen Kühbach hatte die Idee, einige seiner Fertighäuschen in der Region aufzustellen und kam dabei auf Stockensau. Von den geplanten 50 Häusern wurden rund 30 aufgestellt, die in Windeseile an interessierte Kurzzeiturlauber aus München, Augsburg oder anderen Städten verkauft wurden. Dadurch hat sich eine eigene Ferienhaussiedlung entwickelt, die, für einen rechten kleinen Ort eher untypisch, nun am Waldesrand thront.
Die 15. Kreuzwegstation.
Die 15. Kreuzwegstation.
Fuhrmann



Um den Einheimischen und den Gästen etwas zu bieten, wurde 1998 auch ein Dorfheim errichtet, das den ortsansässigen Vereinen neben Raum für das Vereinsleben auch Platz für Feierlichkeiten bietet. Regelmäßig findet dort freitags ein Stammtisch statt, wo oft auch unser heutiger Dorfexperte zu finden ist. Er fühlt sich in seinem Heimatort jedenfalls sehr wohl. Wenn er einmal nicht durch den Ort streift und dabei oft die Gelegenheit für ein nettes Gespräch mit den Nachbarn findet, widmet er sich seiner Leidenschaft in Form von Holzarbeiten.



Auch in der nächsten Folge dreht sich ein Teil unserer Reportage wieder um eine Kapelle, in der sich eine Lourdes-Grotte mit der heiligen Madonna versteckt.
Detlef Fuhrmann
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!