Montag, 18. Juni 2018
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Scherm legt Erweiterungspläne nach BI-Gründung ad acta Bürgermeister Kumpf befürchtet Verlagerungen

"Für Karlskron ist das eine Katastrophe"

Karlskron
erstellt am 13.03.2018 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 16.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Karlskron (DK) Das Logistikunternehmen Scherm stellt seine Bemühungen um eine Standortentwicklung im Ortsteil Probfeld ein. Grund dafür ist laut Unternehmenssprecher Maximilian Roos der massive Widerstand gegen das Vorhaben, noch bevor ein Bauleitplanverfahren überhaupt begonnen wurde.

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"Das macht keinen Sinn mehr", sagte Roos auf Anfrage unserer Zeitung. Erst vor kurzem haben sich zwei Gruppierungen aus Karlskron und aus dem Weicheringer Ortsteil Lichtenau zu der Bürgerinitiative "Zukunft Karlskron" zusammengeschossen. Ziel der gemeinsamen BI ist es, den geplanten massiven Flächenverbrauch, die Versiegelung des Bodens und zusätzlichen Lkw-Verkehr zu verhindern. Die Lebensqualität in den betroffenen Dörfern dürfe nicht noch weiter beeinträchtigt werden, so die Bürgerinitiative. "Intakte Landschaft und wertvolle Lebensräume müssen für die Bürger und nachfolgende Generationen erhalten bleiben und können nicht zugunsten des Profits Einzelner geopfert werden", so die Anfang März gegründete Initiative.

Scherm wollte "zur langfristigen Standortsicherung" seine Betriebsfläche um 25 Hektar erweitern, da das Unternehmen dringend Platz benötige. Anfang 2017 waren aus diesem Grund bereits zwei Geschäftsbereiche in die Nähe von München verlagert worden, wie im Mai dieses Jahres bekannt wurde. Mit der Vergrößerung der Fläche hätte zugleich die Zahl der Arbeitsplätze von rund 200 um 35 erhöht werden sollen.

Scherm wäre nach eigenen Angaben jedoch auch zu Kompromisslösungen bereit gewesen. Wie zu hören war, habe man auch über eine reduzierte Ausweitung und den Bau eines Parkdecks nachgedacht. "Leider sind die Verantwortlichen der Bürgerinitiative bislang nicht zu Gesprächen bereit gewesen", so Scherm in einer Mitteilung. Das Unternehmen werde sich jedoch einem Dialog auch in Zukunft nicht verschließen - aber nur mit den Bürgern.

Was die jetzige Entscheidung langfristig für den Standort Probfeld bedeutet, will Roos nicht kommentieren. Scherm hatte die Erweiterung als notwenig für die Entwicklung des Standorts erklärt und auch Verlagerungen nicht ausgeschlossen. Im Gespräch soll Hemau in der Oberpfalz sein.

"Überrascht und grundsätzlich zufrieden" zeigte sich in einer ersten Stellungnahme Christian Herrle, ein Sprecher der Bürgerinitiative, die von dem plötzlichen Rückzug des Unternehmens nichts ahnte und sich in der Tradition der BI des Jahres 2012 sieht. Bereits damals war eine geplante Erweiterung von Scherm an einem Bürgerentscheid gescheitert. Neben der Erweiterung des Geländes um 12,5 auf 55 Hektar (Bebauungsplan) sollte damals der Flächennutzungsplan um 63 Hektar auf insgesamt 106 Hektar ausgedehnt werden.

"Für Karlskron ist das eine Katastrophe", erklärte Bürgermeister Stefan Kumpf. Mehr als die Hälfte der Gewerbesteuereinnahmen der Kommune kommen von Scherm, die nach Ansicht des Rathauschefs die Fläche wirklich braucht: "Die machen kein Standortentwicklungskonzept, um uns zu ärgern." Er geht davon aus, dass sich das Logistikunternehmen mit europaweit rund 2000 Beschäftigten jetzt wohl ein neues Zentrum suchen wird - und sich dann wohl auch auf diesen neuen Standort konzentrieren wird. Die Konsequenz: "Hochwertige Arbeitsplätze werden ausgelagert", befürchtet Kumpf, wenn dort auch Bürogebäude oder Ähnliches entstehen sollten.

"Wir wissen nicht, wie jetzt die nächsten Jahre für Karlskron ausschauen werden", sagt Kumpf. Eines sei aber jetzt schon abzusehen: "Vieles muss auf den Prüfstand." Bekanntlich baut Karlskron derzeit eine Sporthalle für über 7,5 Millionen Euro. Ganz will der Rathauschef die Hoffnung aber nicht aufgeben, nachdem Scherm auch jetzt noch die Bereitschaft zum Dialog signalisiert hat. An der Bürgerinitiative kritisiert Kumpf, dass vieles, wie auch die Gründung, heimlich passiere.

Von Bernhard Pehl
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