Montag, 17. Dezember 2018
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Grundschule Niederscheyern und Adolf-Rebl-Schule Pfaffenhofen starten gemeinsame Inklusionsprojekte

In der Weihnachtsbäckerei

Niederscheyern
erstellt am 07.12.2018 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Niederscheyern (SZ) Die Kinder der Klasse 2a der Grundschule Niederscheyern und ihre Partnerklasse GS1 von der Adolf-Rebl-Schule haben - pünktlich bevor der Nikolaus kam - gemeinsam Plätzchen gebacken. Die Aktion gibt es schon seit einigen Jahren an der Grundschule, erstmals stand das Backen jedoch im Zeichen der Inklusion.
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Kneten, walzen und ausstechen: Christoph (von links) Anna und Ella waren beim gemeinsamen Plätzchenbacken voll dabei. Regel- und Förderschüler packen dabei zusammen an ? wer in welche Klasse geht ist nicht zu erkennen und spielt auch keine Rolle.
Kneten, walzen und ausstechen: Christoph (von links) Anna und Ella waren beim gemeinsamen Plätzchenbacken voll dabei. Regel- und Förderschüler packen dabei zusammen an - wer in welche Klasse geht ist nicht zu erkennen und spielt auch keine Rolle.
Blum
Niederscheyern
Schon beim Öffnen des Haupteingangs der Grundschule steigt einem der süße Duft von frischem Gebäck in die Nase. Im Erdgeschoss der Grundschule gibt es einen Mehrzweckraum, den am vergangenen Mittwoch bereits ab 8 Uhr die Klasse 2a der Grundschule Niederscheyern und ihre Partnerklasse GS1 der Adolf-Rebl-Schule in Beschlag genommen haben. In der Ecke des Raums steht ein einzelner Backofen, vor dem sich schon die vielen Backbleche voll bunter Plätzchen stapeln.

Traditionell backen die Niederscheyrer Schüler jedes Jahr vorm Nikolaus gemeinsam mit vielen fleißigen Mamas Plätzchen. In diesem Jahr zusammen mit der Förderklasse. "Unser Ziel ist es, die Inklusion voranzutreiben", sagt Claudia Spies, Konrektorin der Grundschule Niederscheyern. "Und, es funktioniert richtig gut. Man kann die Schüler der beiden Klassen gar nicht auseinander halten", fügt die Schulleiterin der Adolf-Rebl-Schule, Andrea Eichler, hinzu.

35 Kinder wuseln durch das Klassenzimmer, wandern mit ihren von Mehl beschmierten Gesichtern von Tisch zu Tisch, um nachzusehen, wie die Plätzchen der anderen so aussehen. "Das Ausstechen macht am meisten Spaß", sagt die kleine Franka. "Ich finde, dass Teigkneten viel lustiger ist", hält ihr Mitschüler Lukas entgegen. Wer in welche Klasse gehört, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. 26 Regelschüler - also die Kinder der Grundschule Niederscheyern - und neun aus der Förderklasse arbeiten zusammen. Von Gruppenbildung keine Spur. "Da kein Kind im Rollstuhl dabei ist, sehen die Schüler gar keine Unterschiede", sagt Eichler.

Bei einer Fortbildung für Schulleiter in Südtirol seien die Rektorinnen der Schulen zusammenkommen, erzählt Eichler. In Italien würden seit vielen Jahren behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam beschult - volle Inklusion. Und genau dieses Konzept sei der Ideengeber für die Kooperation der beiden Schulen gewesen, ergänzt Spies. Um die Inklusion in Bayern voranzutreiben, sei das gewählte Modell der Partnerklasse momentan der beste Weg, da sind sich die Schulleiterinnen einig. "Damit das gemeinsame Beschulen von Kindern mit und ohne Behinderung möglich wäre, müssten sich die Gegebenheiten grundlegend ändern", sagt Eichler. Das sei zum einen die Einstellung von Sonderpädagogischem Fachpersonal, zum anderen aber auch der barrierefreie Ausbau der Regelschulen. Durch die Kooperation sei es möglich, die Inklusion "dosiert und wohlüberlegt" einzusetzen: "Die Kollegen können auf diese Weise steuern, was gut für die Kinder ist", sagt Eichler. Würde es doch zu laut oder aufregend für einen Schüler werden, können man ihn aus der Gruppe herausnehmen. Volle Inklusion sei laut Eichler im Moment nicht möglich. Daher sei dieses integrative Modell gewählt worden.

Auch in Zukunft sind noch einige Kooperationsprojekte geplant: Eine gemeinsame Faschingsfeier, gemeinsames Schwimmen und eine Musikstunde soll es in diesem und nächsten Schuljahr geben. Am Nikolaustag wurde ebenfalls gemeinsam gefeiert.

Zudem lesen sich die Schüler einmal die Woche gegenseitig vor. Dabei wechseln sich je ein Regelschüler und ein Förderschule ab. "Die gemeinsame Lesestunde wurde von allen Schülern super aufgenommen", sagt Alexandra Schmid, Lehrerin der Förderklasse. Das findet auch Lukas aus der GS1: "Mein Partner und ich lesen Piratengeschichten. Die sind super!"
Tina Blum
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