Montag, 15. Oktober 2018
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Am Freitag findet eine Podiumsdiskussion des KDFB über soziale Frauenberufe statt

"Gemeinsam Änderungen anstoßen"

Schrobenhausen
erstellt am 12.06.2018 um 18:28 Uhr
aktualisiert am 16.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Berta Mayr-Heinrich ist Krankenpflegerin, verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern.
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Berta Mayr-Heinrich ist Krankenschwester aus Leidenschaft. Auch sie ist der Meinung, dass die Defizite im Bereich der Pflege bekämpft und die Bezahlung attraktiver gestaltet werden müssen.
Berta Mayr-Heinrich ist Krankenschwester aus Leidenschaft. Auch sie ist der Meinung, dass die Defizite im Bereich der Pflege bekämpft und die Bezahlung attraktiver gestaltet werden müssen.
Foto: Kreiskrankenhaus
Schrobenhausen
Sie ist Krankenschwester mit Leib und Seele. Im Gespräch mit Rita Sieber (Referentin für Theologie und Spiritualität des KDFB) berichtet sie von ihrem Dienst auf der Intensivstation im Kreiskrankenhaus Schrobenhausen. Sie ist Podiumsteilnehmerin beim Expertengespräch des KDFB über "Soziale Frauenberufe: Hoher gesellschaftlicher Nutzen für wenig Geld", das am Freitag, 15. Juni, von 15 bis 18 Uhr im Mehrzweckraum des Kreiskrankenhauses Schrobenhausen stattfindet und diskutiert hier unter anderem mit der Landtagsabgeordneten Simone Strohmayr sowie weiteren Experten aus Pflege, Erziehung, Bildung und von Arbeitgeberseite.

Liebe Berta, seit Jahrzehnten arbeitest du im Schrobenhausener Kreiskrankenhaus, du bist sozusagen Teil der "alten Garde". Über die Jahre hat sich die Intensivmedizin umfangreich verändert. Berichte doch über deinen Arbeitsalltag, damit wir einen kleinen Eindruck bekommen.

Berta Mayr-Heinrich: Ich arbeite auf der Intensivstation mit acht Patientenbetten im Dreischichtbetrieb. Mein Beruf macht mir sehr viel Freude, weil ich viel Patientenkontakt habe und in einem sehr guten Team auf hohem Niveau arbeite, mit netten Kollegen und qualifizierten Ärzten. Unsere Patienten kommen meistens in einer lebensbedrohlichen Situation und fühlen sich dann bei uns gut versorgt. Der Frühdienst beginnt um 6 Uhr mit der Übernahme von zwei bis drei Patienten. Er beinhaltet die medizinische Therapie und die Körperpflege. Bei letzterer versuche ich, den Patienten so viel als möglich einzubinden. Die medizinische Therapie umfasst zum Beispiel die Blutabnahme zu diagnostischen Zwecken, die Kontrolle der Blutgase sowie die Einstellung der Beatmungsmaschinen. Diese bespreche ich mit unserem Stationsarzt. Danach bekommt der Patient die Medikamente und Antibiotika, die vom Arzt verordnet worden sind. Ich begleite meine Patienten auch zu allen diagnostischen Untersuchungen. Bei Notfällen unterstütze ich den Arzt bei der Stabilisierung des Patienten. Wir assistieren dem Arzt bei allen Untersuchungen und legen die Katheter. Ebenfalls unterstütze ich meine Patienten bei der Nahrungsaufnahme. Manche Patienten können nicht mehr selbständig essen; ihnen muss das Essen eingegeben werden. Auf Grund von Schluckstörungen benötigen manche Patienten eine Ernährungssonde. Der Frühdienst ist in der Regel sehr schnell vorbei, weil er sehr arbeitsaufwendig ist. Im Spätdienst betreue ich auch zwei bis drei Patienten, im Nachtdienst bis zu vier Patienten. Ich bekomme zu jeder Tages- und Nachtzeit neue Patienten und versorge sie.


Zu einer umfassenden und einfühlsamen Versorgung eines Patienten gehört aber noch viel mehr als den Patienten zu waschen, ihm Blut abzunehmen oder eine Infusion anzuhängen. Was ist dir dabei besonders wichtig?

Mayr-Heinrich: Zu einer guten Patientenbetreuung gehören für mich auch einfühlsame Gespräche. Ich möchte Angst nehmen, den Patienten beruhigen, Trost spenden und Mut machen. Ich versuche, auf meine Patienten einzugehen und ihnen die nötige Zeit zu geben, was mir unter dem Arbeitsaufwand manchmal auch nicht gelingt. Zu meinen Aufgaben gehören auch Gespräche mit Angehörigen. Denn auch sie brauchen häufig Trost und Mut. Dabei muss ich sehr flexibel sein und mich auf meine Patienten und deren Angehörige immer wieder neu einstellen.


Im medizinischen und pflegerischen Bereich ist immer wieder die Rede davon, dass gerade die Dokumentation sehr zeitaufwendig ist. Stimmt das?

Mayr-Heinrich: Ja, eine wichtige Aufgabe ist die Dokumentation. Ich muss alle meine pflegerischen Tätigkeiten und den gesundheitlichen Zustand meiner Patienten dokumentieren. Ich arbeite nach pflegerischen Standards und Assessments, die ich ebenfalls dokumentieren muss.


An deinen Ausführungen kann man erkennen, dass dein Beruf dir Freude und Erfüllung schenkt - also echte Berufung ist. Am 15. Juni diskutieren Experten in Schrobenhausen zum Thema: "Soziale Frauenberufe: Hoher gesellschaftlicher Nutzen für wenig Geld? " über die Arbeitsbedingungen, Gehaltsstrukturen und Ausbildungssituation sozialer Frauenberufe. Wo siehst du den größten Handlungsbedarf?

Mayr-Heinrich: Ich akzeptiere, dass es keine geregelte Arbeitszeit gibt, weil ich meinen Beruf gerne ausübe. Das Gehalt ist aber in allen sozialen Berufen nicht angemessen. Wir brauchen dringend eine starke Lobby, die sich mehr für uns einsetzt. Um dem drohenden Pflegenotstand vorzubeugen, braucht es attraktivere Arbeitsbedingungen und vor allem eine bessere Bezahlung. Wenn wir junge Leute für diese Berufe begeistern wollen, muss auch die Vergütung der Ausbildung angehoben werden. Und wir müssen erreichen, dass Frauen, die jahrelang in sozialen Berufen gearbeitet haben, von ihrer Rente leben können.


Trotz dieser ungünstigen Bedingungen - würdest du diesen Beruf noch einmal ergreifen?

Mayr-Heinrich: Ja, weil ich aus Überzeugung und Leidenschaft Krankenschwester bin! Auch weil mich die Medizin sehr interessiert und mir vor allem der Kontakt mit meinen Patienten Freude bereitet. Dass ich trotz Ganztagsbeschäftigung eine sehr geringe Rente erhalten werde, empfinde ich allerdings als sehr ungerecht. Daher finde ich es wichtig, auf Veranstaltungen wie der am 15. Juni klar Position zu beziehen, damit wir gemeinsam Änderungen anstoßen können. Ich freue mich, wenn viele Interessierte kommen, um unsere Forderungen zu unterstützen. Die drohenden Notstände im Fürsorgebereich betreffen schließlich jeden in der Gesellschaft.
 
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