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Kennen Sie . . . Hirschenhausen?

Fast
erstellt am 12.07.2016 um 22:22 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 08:25 Uhr | x gelesen
Fast 30 Kilometer trennen den heutigen Ort von dem, den wir in unserer Serie zuvor besucht hatten. Eines haben aber beide gemeinsam: Sie liegen nicht im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen - doch bis zur Gebietsreform waren sie eigenständige Gemeinden im damaligen Landkreis Schrobenhausen. Während die Grimolzhausener - bei ihnen waren wir vor zwei Wochen zu Gast - von Oberbayern zu Schwaben wurden, traf es die Hirschenhausener nicht ganz so hart: Nachdem ihr Ort 1972 in den Landkreis Pfaffenhofen eingegliedert worden war, erfolgte 1974 der Zusammenschluss mit Jetzendorf.
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Fast: Kennen Sie . . . Hirschenhausen?
Den Maibaum stellen die Oldtimerfreunde auf.
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Wer den Ort noch nie besucht hat, sollte dies schleunigst tun - er ist es wert. Durch die weitläufige Bebauung ist viel Platz für Grünflächen und Bäume. Die zum größten Teil sehr gepflegten Anwesen laden zu einem erholsamen Spaziergang ein. Stimmig abgerundet wird alles durch den in Eigenregie bepflanzten Kirchberg nebst der 1983 renovierten Kirche Mariä Heimsuchung und dem angeschlossenen Pfarrhof. Zwar ist Hirschenhausen mit zirka 200 Einwohnern nur halb so groß wie Grimolzhausen, aber nach wie vor besteht hier eine eigene Pfarrei. Der Ort profitiert von der Nähe zum Kloster Scheyern, von dem aus er seelsorgerisch betreut wird. Immer noch wird zweimal die Woche (montags und donnerstags jeweils um 19 Uhr) eine Messe gefeiert, meist von Pater Lukas.

Fotostrecke: Kennen Sie Hirschenhausen

 

"Seit 50 Jahren werden wir nun schon von den Patres betreut. 37 Jahre lang war Pater Dominicus unser Seelsorger. Dankenswerterweise wurde diese Tradition auch im kleinen Hirschenhausen fortgesetzt", erzählt uns Josef Grünwald, der lange Jahre Kirchenpfleger war. Neben den angrenzenden kleinen Gehöften und Weilern gehört übrigens auch Schachach zur Pfarrei - allerdings nur der östliche Bereich des Gerolsbacher Gemeindeteils.
 


Für die Gestaltung ihres Ortes erhielten die Hirschenhausener 2008 und 2009 den verdienten Lohn. Im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" gab es zuerst im Kreisentscheid eine Goldmedaille, im Jahr darauf im Bezirksentscheid dann Silber. Etwas verloren wirkt lediglich das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr (die feierte 2007 ihr 125-jähriges Gründungsfest) am Dorfweiher. Hier sollte zwar schon längst Abhilfe geschaffen werden, nach einem Hochwasser vor drei Jahren meldete das Wasserwirtschaftsamt aber noch Verbesserungsbedarf bezüglich des Hochwasserschutzes an. Erst wenn der geregelt ist, kann an Ort und Stelle ein neues Feuerwehrhaus errichtet werden.

Den schicken Maibaum vor dem Gerätehaus stellt mittlerweile im Zweijahresrhythmus der Verein der Oldtimerfreunde auf. Davor waren seit ihrer Gründung vor mehr als 50 Jahren die Eichenlaub-Schützen Hirschenhausen für das Aufstellen zuständig. Eichenlaub hat seit 1962 auch sportlich das Sagen in der Gemeinde, der Krieger- und Soldatenverein vervollständigt das Vereinsleben.

Neben einem kleinen Weinfest, das zweimal jährlich von einem hiesigen Weinkenner organisiert wird, gibt es am jeweils letzten Sonntag im Juni eine Veranstaltung, die zu einer wahren Invasion von Besuchern in das beschauliche Dorf führt. Dann laden die Oldtimerfreunde zu ihrem alljährlichen Treffen ein. Mehr als 700 Fahrzeuge aller Art gibt es dann zu sehen, über 2000 Interessierte kommen deshalb nach Hirschenhausen. Das Tuckern alter Bulldogveteranen ist am frühen Morgen fast bis nach Pfaffenhofen und Schrobenhausen zu hören. Ob Kramer, Lanz, Hanomag oder auch mal ein Porsche-Schlepper - hier kann man sie sehen. Noch dazu flotte Ami-Schlitten und Zweiräder ohne großen Schnickschnack. Damit es beim "kleinen Frautag", wie die Veranstaltung auch genannt wird, im Dorf kein allzu großes Chaos gibt, regelt die freiwillige Feuerwehr den Verkehr.

Der verwaltungsmäßige Umzug von Schrobenhausen nach Jetzendorf und Pfaffenhofen fiel den Hirschenhausenern übrigens nicht leicht. "Es hat einige Jahre gedauert, bis wir uns auf die neue Gegebenheit auch mental eingestellt haben", erzählt unser Gastgeber. Was sich nicht geändert hat, egal, ob bei Schrobenhausen oder bei Pfaffenhofen: "Einen öffentlichen Nahverkehr gibt es hier leider nicht", sagt Josef Grünwald - dieses Mal der Sohn unseres Dorfführers, der den gleichen Namen hat. "Die ersten meiner Schuljahre gab es hier noch eine Schule mit neun Klassen in einem Klassenzimmer. Danach ging es mit dem Rad nach Jetzendorf." Mittlerweile fährt zwar ein Schulbus, doch da dürfen nur Schüler einsteigen. Gerade ältere Menschen sind so immer auf die Hilfe anderer angewiesen, wenn sie einmal nach Jetzendorf oder in die Stadt müssen.

Woher das Dorf seinen Namen hat, lässt sich nicht genau klären. Der Dorfname hat seit der ersten Nennung 994 aber zahlreiche Wandlungen durchlaufen. Herisuindohusa, Horschenhausen, Herswindhofen, Herswindhovfen, Hersenhausen und letztendlich Hirschenhausen im 15. Jahrhundert.

Hirsche gibt es hier übrigens doch zu sehen. Beim Dorfwirt kann man ein Wildgehege mit Rothirschen bestaunen. Die Produkte werden dort auch im Hofladen zum Kauf oder in der Wirtschaft beim Wildessen angeboten.

 

In der nächsten Folge besuchen wir wieder die Gemeinde Aresing und machen Halt in den Ortschaften, die ihre Namen einem Zufluss der Weilach zu verdanken haben.

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