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Am Samstag und Sonntag werden im Pflegschloss drei neue Ausstellungen eröffnet

Ein Wochenende im Zeichen der Kunst

Schrobenhausen
erstellt am 12.09.2018 um 18:19 Uhr
aktualisiert am 16.09.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Das kommende Wochenende hat es in sich, nicht nur weil eine Delegation aus der neuen Partnerstadt Schwetzingen zu Gast sein wird. Auch künstlerisch ist einiges geboten. So werden im Pflegschloss gleich drei neue Ausstellungen - zwei am Samstag und eine am Sonntag - eröffnet.
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Horst Hamanns Werke hängen zum Beispiel in Galerien in New York aus, Marie Preauds ebenfalls. Die Doppelausstellung des Künstlerpaares zu Schwetzingen ist ab Samstag in Schrobenhausen zu sehen. Eine, die Schrobenhausen kennt und liebt, ist Angelika Böhm-Silberhorn (oben). Ihre Ausstellung, eine Hommage an ihre Heimatstadt, wird am Sonntag eröffnet.
Horst Hamanns Werke hängen zum Beispiel in Galerien in New York aus, Marie Preauds ebenfalls. Die Doppelausstellung des Künstlerpaares zu Schwetzingen ist ab Samstag in Schrobenhausen zu sehen. Eine, die Schrobenhausen kennt und liebt, ist Angelika Böhm-Silberhorn (oben). Ihre Ausstellung, eine Hommage an ihre Heimatstadt, wird am Sonntag eröffnet.
Hamann, privat
Schrobenhausen
Freilich ist der Termin der Eröffnung der Doppelausstellung von Horst Hamann und Marie Preaud am Samstag nicht ganz zufällig so gewählt, dass sie mit dem Besuch der Schwetzinger zusammenfällt. Vielmehr ist die Gegenzeichnung der Partnerschaftsurkunde eine schöne Gelegenheit, zwei Ausstellungen, die bereits in Schwetzingen sehr erfolgreich waren, nun auch in Schrobenhausen zu zeigen. Und die Themen passen ja allemal: Horst Hamann wird unter dem Titel "Schwetzingen" Fotografien der jüngsten Schrobenhausener Partnerstadt ausstellen, seine Frau Marie Preaud zeigt mit "Labour of love" spannende Fotocollagen zum Thema Spargel.

Horst Hamann, in Mannheim geboren und aufgewachsen, hat in zahlreichen Fotografien die Magie und Mystik des Schwetzinger Schlossgartens erfasst. Architekturen und Skulpturen werden facettenreich zu jeder Tages- und Jahreszeit präsentieren. Motive der Stadt runden das Bild ab. Bekannte und verborgene Motive haben durch die Sicht des Fotografen eine neue Dimension erhalten. Eine beträchtliche Zahl von Fotografien lassen mit ihren tiefen Horizonten, den Mauerdurchblicken oder der Wiedergabe der allmächtigen Natur mittels dramatischer Himmelskonstellationen eine romantisch geprägte Sichtweise erkennen.

Am Beginn des Schwetzinger Projektes war Horst Hamann davon überzeugt, dass sich in der Fotoreihe ein horizontales Format durchsetzen wird. Das Erstaunen war groß, dass ihn der Weg wieder zu seinem charakteristischen Bildformat der Vertikale führte. Fast unmerklich und vor allem rein intuitiv schlich sich der Formatwechsel im Laufe der Arbeit ein und übernahm letztendlich wieder die dominante Position. Unwillkürlich hat sich jener legendäre Prozess wiederholt, der sich 1991 in New York ereignete, als er urplötzlich seine Kamera um 90 Grad drehte. Dies war die Geburtsstunde seiner "Verticals", die Horst Hamann zu internationaler Bekanntheit führten und ihm die Bezeichnung des Erfinders der vertikalen Fotografie einbrachten. Der vollkommene Blick für die perfekte Komposition, Ausgewogenheit und edle Proportionen resultieren in atemberaubenden Fotografien.

Marie Preaud ist auf dem Gebiet der food photography und Porträtfotografie eine Expertin. Die Herausforderung, das Thema "Spargel" in den Bereich der Fotokunst zu lenken, gelang ihr dementsprechend meisterlich. Die Fotografin fokussierte sich auf eine Mischung aus traditionellen und modernen fotografischen Mitteln und näherte sich dem Thema ohne Nostalgie, Verklärung und Bemühung von Klischees. Im Blickpunkt steht die Bewunderung für eine mühselige, mit langem Atem, hingebungsvoll, effektiv und mit Liebe und Leidenschaft verrichtete Arbeit der Erntehelfer, die bis in heutige Zeit unverändert und ohne Zuhilfenahme von Maschinen getätigt wird: Labor of love. Die fotografische Collage mag im Werk der Französin neu sein, die Dominanz der Hände ist dagegen ein Charakteristikum ihrer Porträts, das sie gerade hier, als zentrales Werkzeug jener "Labor of love", bildbestimmend einsetzte.
 
Hamann, privat
Schrobenhausen



Eine weitere Besonderheit ihrer Collagen und zugleich irritierend ist ein Riss, der jedes der Bilder durchzieht. Hierbei lag kein Akt der Zerstörung zugrunde, sondern ein anekdotischer Hintergrund war Ermunterung für ihr Tun. Der so genannte Spargel-Riss, der das Hervorbrechen des Spargels aus dem Sandhügel ankündigt und den Bauern zum raschen Ernten zwingt, inspirierte Marie Preaud zu dieser Vorgehensweise, denn sobald der Spargel das Sonnenlicht erreicht, ist er nahezu wertlos. Das Zerreißen, Wieder-Zusammenfügen und Auffüllen des Risses mit Sand vollendete und veredelte ihre Fotografien "wie ein wertvoller Diamant". Die Doppelausstellung von Hamann und Preaud wird am Samstag um 15.30 Uhr im Pflegschloss eröffnet. Sowohl der Schrobenhausener Bürgermeister Karlheinz Stephan als auch der Schwetzinger OB René Pöltl werden Grußworte sprechen. Musik kommt vom Duo Kaala und Peter Maklar.

Der Sonntag gehört dann ihr: Angelika Böhm-Silberhorn. Ihre Ausstellung "40 Jahre immer wieder Schrobenhausen" ist eine Hommage an den Ort Ihrer Kindheit. Vor 40 Jahren begann Angelika Böhm, sich intensiv mit der Landschaft und dem Ort, an dem sie mit ihrer Familie lebte, auseinanderzusetzen. Immer wieder - auch als sie schon lange nicht mehr hier wohnte - wählte sie für Ihre Bilder Motive aus Schrobenhausen und der unmittelbaren Umgebung. Begonnen hat Angelika Böhm ihre Freilichtmalerei zunächst in Aquarelltechnik und als Zeichnung, mit 15 Jahren entdeckte sie dann die Ölmalerei für sich.

In der Anfangszeit entstanden kleine ruhige Landschaftsbilder ohne spektakuläre Naturereignisse; Stimmungsbilder mit Bäumen, Sträuchern, Wegen und Himmel - Menschen und Tiere fügte sie erst später hinzu.
Müsste man Angelika Böhm-Silberhorn einem "-ismus" zuordnen, würde man sie sofort in die Reihe der Impressionisten stellen. Sie malt nicht nur unter freiem Himmel, sie nutzt auch die impressionistische Malweise, um ihren Motiven - sei es im Freien oder in den letzten Jahren vermehrt auch in Innenräumen - Dynamik, Farbeintensität und ein besonderes Licht zu verleihen. Ihre Kunst aber unterscheidet sich von den Impressionisten insofern, dass ihre Motive nicht mit absoluter Genauigkeit einem definierten Orten zuzurechnen sind. Ihre Bilder geben Stimmungen und Lichtverhältnisse wieder ohne an der Oberfläche haften zu bleiben, ohne eine konkrete Zeitbestimmung.
Immer liegt ein Leuchten in der Luft.

Die Bilder aus Schrobenhausen, die in diesen 40 Jahren entstanden sind, sind nicht als Dokumentation einer Ortsentwicklung zu verstehen. Die Künstlerin möchte auch nicht den Verfall einzelner Häuser zeigen, vielmehr sind ihre Bilder Sinnbild einer Veränderung, eines ständigen Wandels von Zeit, Mensch und Umgebung. Böhm-Silberhorns Ausstellung wird am Sonntag um 11 Uhr eröffnet.
 

Das Wochenende auf einen Blick

Doppelausstellung „Schwetzingen“  von Horst Hamann und „Labour of love“ von Marie Preaud: 
  • Eröffnung: Samstag, 15. September, 15.30 Uhr im Pflegschloss
  • Programm: Grußworte von Karlheinz Stephan und René Pöltl, Einführung von Barbara Gilsdorf (Kulturreferentin Schwetzingen)
  • Ausstellungsdauer: 15. Septmeber bis 21. Oktober
  • Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag, Sonntag, 14 bis 16 Uhr, für Gruppen auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten nach Vereinbarung unter der Telefonnummer (08252) 9 02 37 oder  9 02 14

„40 Jahre immer wieder Schrobenhausen“  von Angelika Böhm-Silberhorn:
  • Eröffnung: Sonntag, 16. September, 11 Uhr im Pflegschloss
  • Programm: Die Künstlerin wird anwesend sein und Fragen beantworten
  • Ausstellungsdauer: 16. September bis 28. Oktober
  • Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag, Sonntag, 14 bis 16 Uhr, für Gruppen auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten nach Vereinbarung unter Telefon (08252) 9 02 37 oder  9 02 14SZ
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