Dienstag, 18. Dezember 2018
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Heimweg im Taxi endet vor Gericht: Freispruch für Fahrer

Die Angst fährt mit

Aichach
erstellt am 06.12.2018 um 17:38 Uhr
aktualisiert am 10.12.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Aichach (SZ) Mit einem Freispruch kam am Mittwoch ein 43-jähriger Taxifahrer aus Augsburg davon.
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Ein Taxifahrer musste sich jetzt vor Gericht rechtfertigen, weil er einem Fahrgast Pfefferspray ins Gesicht sprühte.
Ein Taxifahrer musste sich jetzt vor Gericht rechtfertigen, weil er einem Fahrgast Pfefferspray ins Gesicht sprühte.
Daniel Bockwoldt/dpa
Aichach
Er war angeklagt, weil er im November des vergangenen Jahres Pfefferspray gegen einen Fahrgast eingesetzt hatte. War das nun Notwehr oder nicht? Richter Walter Hell sah den Pfefferspray-Einsatz gerade noch im Rahmen der Straffreiheit, hatte doch eine Videosequenz aus der Überwachungskamera im Taxi gezeigt, dass die Situation aufgeladen war, die Bezahlung nicht reibungslos über die Bühne ging und der Fahrer zudem von einem Fahrgast am Arm gepackt wurde.

Das im Sitzungssaal des Aichacher Amtsgerichts gezeigte Video stimmte nicht mit den Schilderungen der Zeugen, der Insassen des Taxis, überein. Die vier jungen Leuten waren in der betreffenden Novembernacht bis fünf Uhr morgens in einer Augsburger Disco gewesen; sie waren, das gaben sie zu, alkoholisiert.

Dies nahmen Staatsanwältin Franziska Deisenhofer und Hell auch als Entschuldigung dafür, warum die Schilderungen der Zeugen sich nicht mit dem deckten, was im Video zu sehen war. Der Reihe nach: Die vier Freunde, drei junge Männer und eine Frau, stiegen in Augsburg in das Taxi, um sich nach Kissing und Harthausen chauffieren zu lassen. Einem der Vieren wurde während der Fahrt schlecht. Das Taxi hielt an, zwei der Burschen stiegen aus.

Nachdem derjenige, dem es übel war, im feuchten Gras ausgerutscht war und daher seine Hose nass und dreckig wurde, wollte der Taxifahrer ihn nicht mehr mitnehmen. Er ließ ihn tatsächlich, auch nach einer Diskussion mit seinen anderen Fahrgästen, die sich für ihren Freund einsetzten, auf freiem Feld vor Kissing betrunken in einer kalten Novembernacht an der Straße stehen. Dies sei schon grenzwertig, wertete Hell.

In Harthausen angekommen, zögerte sich die Bezahlung etwas hinaus. Jeder der verbliebenen drei Fahrgäste musste erst seinen Anteil rauskramen, einer sammelte das Geld ein. . . Dem Taxifahrer dauerte das alles zu lange. Er stieg aufs Gas, fuhr mit offener Tür "rasant" (Hell) los. Sein Ziel: Die Sache bei der Polizei klären.

Die noch auf der Rückbank sitzenden zwei jungen Leute, die Frau und einer der Burschen, waren nicht angeschnallt und haben nach eigener Aussage "echt Angst" gehabt. Von hinten griff nun, das ist im Video zu sehen, der junge Mann nach vorne, Richtung Handbremse, und packte dann den Taxifahrer grob an der Jacke. Der fühlte sich angegriffen und nahm sein Pfefferspray zur Hand.

Der Mann von der Rückbank schilderte vor Gericht, er habe nichts mehr gesehen und Schmerzen im ganzen Gesicht verspürt. Nach dem Freispruch richtete Hell noch ermahnende Worte an den Taxifahrer. Er sei sicherlich manchmal gefordert, doch Reaktionen müssten verhältnismäßig sein. "Meines Erachtens haben Sie überreagiert", sagte er.
Ines Speck
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