Dienstag, 25. September 2018
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Beim Besuch aus Schwetzingen wurde unter anderem der Schwetzinger Platz eingeweiht

Städtepartnerschaft zwischen Schrobenhausen und Schwetzingen endgültig in trockenen Tüchern

Schrobenhausen
erstellt am 16.09.2018 um 11:52 Uhr
aktualisiert am 20.09.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Doppelt gemoppelt: Mit der Gegenunterzeichnung des Vertrages ist die Partnerschaft zwischen Schwetzingen und Schrobenhausen endgültig besiegelt. Seit dem Besuch einer Delegation aus Schwetzingen am Samstag finden sich nun auch deutliche Spuren der neuen Verbindung in Schrobenhausen.
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Ein regelrechter Enthüllungs-Marathon liegt hinter Renè Pöltl, Oberbürgermeister Schwetzingens, und seinem Schrobenhausener Amtskollegen, Bürgermeister Karlheinz Stephan: Da wäre der nagelneue Schwetzinger Platz, beziehungsweise das Schild, das den die Pöttmeser Straße und die Rainerau verbindenden Kreisverkehr ab sofort als solchen ausweist.
 
Die Chemie stimmt: Das wurde auch bei der Gegenunterzeichnung der Städtepartnerschaft durch René Pöltl (l.) und Karlheinz Stephan deutlich.
Die Chemie stimmt: Das wurde auch bei der Gegenunterzeichnung der Städtepartnerschaft durch René Pöltl (l.) und Karlheinz Stephan deutlich.
De Pascale
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Dann das von Max Biller kreierte Gemälde eines Spargelackers beim Festakt in der Maria-Ward-Realschule - ein Geschenk an die Schwetzinger, "gedacht als Samen für ein Museum", so Stephan. Und schließlich die von Karl-Heinz Torge geschaffene Spargelstele, die es in der südlichen Altstadt vom sie verhüllenden Tuch zu befreien gilt.

SCHWETZINGER PLATZ


Fotostrecke: Schrobenhausen-Schwetzingen
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Als "Ehre" empfindet es Renè Pöltl, dass nun ein Platz in Schrobenhausen nach Schwetzingen benannt ist.Ausgesprochen herzlich sei sie, die Beziehung zwischen den Schwetzingern und den Schrobenhausen - das war im Vorfeld immer wieder zu vernehmen. Dass das keine leeren Worte sind, wurde am Samstag ein ums andere Mal deutlich. Man begegnet sich freundschaftlich, allen voran die beiden Stadtoberhäupter oder Schrobenhausens Hauptamtsleiter Christoph Gläßel und sein Schwetzinger Kollege Roland Strieker. Und man lacht viel miteinander: Für den Verkehr gesperrt ist der Kreisverkehr während der nur wenige Augenblicke dauernden Zeremonie nicht. Als Karlheinz Stephan seinen Amtskollegen zur Enthüllung in die Mitte des Kreisels - und damit über die Fahrbahn - bittet, scherzt der in Richtung seiner Delegation: "War schön mit euch!"
 
 

ALTSTADTSPAZIERGANG


 
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Ähnlich geht es danach weiter: Zwar informativ, aber auch mit dem einen oder anderen Augenzwinkern führt Thomas Zaum von der städtischen Kämmerei die Gäste durch die Stadt, erzählt von einem der "großen Streitobjekte", dem Rathaus, oder "von den Herren Brand- und Denkmalschutz", von den Stadttürmen oder vom Zeiselmairhaus. Weshalb er die Besucher beim Schlendern durch den Pflegschlossgarten Richtung Lenbachhaus derart eindringlich auf die - freilich durchaus sehenswerten - Werke des Fotoclubs zur Linken aufmerksam macht, gesteht Zaum ihnen dann doch: "Damit Sie von dem Brandschutzanbau rechts abgelenkt sind".

Ein paar Schritte weiter präsentiert Peter Holzmayr den Gästen den von den Frommen Rotten bezogenen Bürgerturm. Die neuen Gullydeckel mit Schrobenhausens Wappen fallen ins Auge - und werden prompt geknipst. Auch der Stadtwall kommt bei den Schwetzingern prima an. So unerwartet grün sei Schrobenhausen, schwärmen gleich mehrere der Gäste. Auch der Hebammenturm wird kommentiert: "Der isch goldisch!"



Als Thomas Zaum davon erzählt, dass Strafen in vergangenen Zeiten ja der Bürgermeister ausgesprochen habe, zeigt sich einmal mehr, wie sehr es zwischen Schwetzingen und Schrobenhausen auch humortechnisch klappt: Schelmisch grinsend meint Renè Pöltl zu seinem Amtskollegen: "Das war noch schön, oder?"

Auch im Kunsthof von Kulturreferent Klaus Englert wird Halt gemacht. Englert verweist unter anderem auf das Foto eines Schrobenhausener Musikers, der den Gästen wenige Augenblicke später leibhaftig gegenübersitzt.

FESTAKT

 
 
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Gemeinsam mit Kurt Schwarzbauer bestreitet nämlich Peter Maklar mit gewohnt sensiblen wie auch mitreißend flotten Gitarrentönen den musikalischen Teil der Urkundenunterzeichnung im Konzertsaal der Maria-Ward-Realschule. Auch da wieder: die Atmosphäre alles andere als steif. Und mit einer Prise Humor - wie nicht anders zu erwarten, wenn das Schrobenhausener Original Kurt Schwarzbauer mitmischt. Der singt vom Sommer: "Warum soi i fuatfahren? Mir gfoits ja dahoam scho net." Oder schmettert inbrünstig einen Spargelsong: "Nur die allergrößten Banausen speisen nicht in Schrobenhausen", fügt dann aber - frei nach dem Motto: "Reim dich oder ich friss dich" - hinzu: "Auch davon will ich singen: vom guten Spargel in Schwetzingen." Bei Renè Pöltl kommt das alles prima an: "spitzenklasse", kommentiert er den Auftritt von Maklar und Schwarzbauer.

So fluffig-ungezwungen dieser von der Ersten Schützenkompanie der Königlich Privilegierten Feuerschützengesellschaft zuvor mit donnernden Salutschüssen eingeleitete Festakt auch daherkommen mag - ganz ohne offizielle Ansprachen geht es freilich nicht. Doch auch die geraten kurzweilig. Karlheinz Stephan nimmt Bezug darauf, wie gut sich das Jahr 2018 für die Besiegelung dieser Partnerschaft aufgrund der Jubiläen "350 Jahre Spargelanbau in Schwetzingen" und "100 Jahre Freistaat Bayern" eigne. Was so eine Partnerschaft bringe? "Vieles", findet Stephan. Und zwar weit über das verbindende Element Spargel hinaus.
 


Ähnlich wie in Schrobenhausen sei geplant, in Schwetzingen in einem Spargelmuseum das Alte und das Neue zu verbinden, blickt dann Renè Pöltl in die Zukunft. Die Querelen um den Rettungsweg am Schrobenhausener Museum hat er mitbekommen, sagt: "Ich ahne, dass wir den auch brauchen." Dass Schrobenhausen derzeit "kräftig am Investieren" sei, findet Pöltl richtig. Schließlich motiviere das auch Privatleute, es der Stadt gleichzutun.

Was ihn an dieser Partnerschaft mit am meisten begeistere, so Pöltl: "dass sich junge Menschen austauschen". Überhaupt gehe es zu allererst darum, dass Menschen sich begegnen. Beim Blick auf die auf eine Leinwand projizierten Wappen der beiden Städte stellt Pöltl Gemeinsamkeiten fest: "Die sich anhechelnden Löwen, die Farben ..." - was ihn zu der Schlussfolgerung führt: "Dass wir zusammengehören, sieht man doch!" Zuvor hatte Karlheinz Stephan auf die erste Urkundenunterzeichnung am 21. April in Schwetzingen zurückgeblickt: "Was wir erleben durften, war einfach nur begeisternd. Ein Feuerwerk an Events und Unterhaltung". Auch die Kulinarik habe nicht gefehlt.

Das tut sie natürlich auch heute nicht. Fernsehkoch Chrissi Sauer verwöhnt seine Gäste mit knusprigem Schweinebauch, Kürbiscremesuppe, Spinatknödeln mit Sommertrüffel oder Zwetschgenstrudel. Über den Tag verteilt lassen sich bei dieser Begegnung mit den Schwetzingern übrigens weit mehr als die Hälfte aller Schrobenhausener Stadträte blicken - so viele wie selten. Einen Wermutstropfen bemängelt Stadtrat Günther Schalk: Auch wenn ja zu den Programmpunkten unter freiem Himmel Publikum durchaus dazustoßen kann, findet er schade, dass beispielsweise an der Beurkundung der Städtepartnerschaft lediglich "ein erlauchter Kreis" habe teilnehmen können.
 
 
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SPARGELSTELE


Ein paar Zaungäste gibt es dann allerdings, als die von Künstler Karl-Heinz Torge geschaffene Spargelstele - Enthüllung Numero drei! - in der südlichen Altstadt über die Bühne geht. Die Kommentare, die es etwa in Facebook zu seinem Kunstwerk gegeben hat, greift Torge auf, indem er Figürchen mitbringt, mit denen er verdeutlicht, welche Intention der Gestaltung seiner Stele zugrundeliegt: Die sei nämlich eine Hommage an prähistorische Venus-Figuren.

Kunst müsse nicht gefällig sein, sagt Renè Pöltl und lobt, "dass sich der Künstler mit der Kulturgeschichte von uns allen beschäftigt hat". Die bildhauerische Arbeit finde er "derart gut, dass ich nur gratulieren kann!" Und zum Thema Phallussymbol meint Pöltl launig: "Jeder sieht das, was er grade im Kopf hat!" Ein "unglaublich herzlicher Empfang" sei das hier in Schrobenhausen gewesen, blickt Pöltl auf die vergangenen Stunden zurück. "Es passt einfach! Inhaltlich wie menschlich." Und er ist der Überzeugung: "Wir nehmen uns nichts, wir ergänzen uns und lernen voneinander."
 
Ute De Pascale
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