Dienstag, 19. Juni 2018
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Rund 60 Aktivisten gegen Rüstungsexporte spazierten am Pfingstmontag in Richtung Hagenauer Forst

"Lasst es uns mal mit Frieden versuchen"

Schrobenhausen
erstellt am 21.05.2018 um 22:15 Uhr
aktualisiert am 26.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Unter dem Motto „Frieden geht“ spazierten gestern rund 60 Menschen für Frieden und gegen Rüstungsexporte. Ihre Tour führte sie vom Schrobenhausener Bahnhof zu den Werkstoren von MBDA im Hagenauer Forst und wieder zurück in die Stadt, zur Abschlusskundgebung auf dem Lenbachplatz.
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"Frieden geht" in Schrobenhausen

Die Stimmung zu Beginn der Aktion ist freundschaftlich, viele der Teilnehmer aus München, Augsburg, Eichstätt, Ingolstadt, Neuburg oder Regensburg scheinen sich nicht zum ersten Mal über den Weg zu laufen. Auch einige Ortsansässige sind dabei. So etwa Künstler Richard Gruber und Regisseur Hans Kriss, die an diesem Tag mit bissig-satirischen Liedern wie dem „Raketen-Spargel-Blues„ demonstrieren, dass sie absolut nicht daran denken, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Einen „Bekehrungsversuch“ nennt Richard Gruber die Veranstaltung, „statt Waffen könnten so viele nützliche Sachen hergestellt werden, die der Welt helfen. Jede Breze, die gebacken wird, hat mehr Wert als jede saudumme Rakete“ – wofür es viel Applaus gibt.

Plakate, um ihre Meinung deutlich kundzutun, hatten viele der Pfingstspaziergänger mit nach Schrobenhausen gebracht.
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Auch die Plakate, die die Teilnehmer des von der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft und Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen) organisierten Spaziergangs mitgebracht haben, sprechen eine deutliche Sprache: „Bomben, Minen und Geschosse sind der Profit der Rüstungsbosse“, „Noch mehr Rüstung, noch mehr Waffen werden keinen Frieden schaffen“, steht darauf zu lesen. Oder „Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt“. Gemeinsam mit Traudel Haury leitet Roland Keller die Veranstaltung, hinter der knapp zwei Dutzend Organisationen der Region stehen, darunter Amnesty International oder die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Ingolstadt. Nicht „marschieren“, sondern vielmehr „gehen“ wolle man die vier Kilometer raus zur MBDA, das die DFG-VK als „weltweit umsatzstärksten Lieferanten für Lenkflugkörpersysteme“ ausmacht. Dem an diesem Tag beginnenden Staffellauf gegen Rüstungsexporte in Baden-Württemberg, der am 2. Juni in Berlin in eine große Abschlussdemo mündet, wolle man mit dieser Aktion Solidarität zollen, erzählt Roland Keller.

Pro Frieden: Irmgard Scheitler und Eva Bulling-Schröter
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Wie viele an diesem Tag distanziert sich auch Edgar Munz aus Reichertshofen davon, diejenigen anzugreifen, die bei MBDA ihr täglich Brot verdienen, ihm gehe es vielmehr um die Rüstungskonzerne, so Munz. Und er ist überzeugt, mit Aktionen wie diesen etwas zu bewirken: „Nicht in der Politik, aber in der Bevölkerung.“

Es sind flammende Appelle, und jede Menge detaillierter Infos zu Themen wie Außenpolitik, den Profiten, die im Bereich von Rüstung erzielt werden oder der Situation der Opfer von Kriegen und Konflikten – explizit auch Frauen – sowie zum Unternehmen MBDA, mit denen sich die Redner des Tages, darunter Irmgard Hofer von der Friedensbewegung oder Eva Bulling-Schröter, Landtags-Spitzenkandidatin der Linken, an die Friedensspaziergänger wenden. Nicht nur einmal taucht an diesem Tag ein Gedanke auf, den Bulling-Schröter so formuliert: „Was könnte man mit dem für Rüstung ausgegebenen Geld alles machen . . . Investitionen in Krankenhäuser, Altenheime oder gute Erziehung“. „Lasst uns nicht müde werden, gegen diesen Wahnsinn anzutreten!“, appelliert auch Irmgard Scheitler von PAX Christi an die Friedensspaziergänger. Nicht zuletzt widerspreche Aufrüstung der christlichen Ethik.

Unter die Haut geht schließlich eine Performance bei der Abschlusskundgebung auf dem Lenbachplatz: Bedeckt mit weißen Tüchern stellen Aktivisten Leichen dar. „Kein Krieg ist heilig, kein Krieg gerecht, im Teufelskreis der Waffen wird gestorben und gerächt!“, heißt es auf Plakaten. „Wir sind für Frieden, Abrüstung und ein ziviles Europa“, erklärt Thomas Rödl von der deutschen Friedensgesellschaft in München. Und er sagt: „Was haben denn der Nicht-Pazifismus, was der Militarismus in der Vergangenheit erreicht? Lasst es und doch mal mit Frieden versuchen!“

MBDA nimmt Stellung

Schrobenhausen (udp) MBDA Deutschland sei „in erster Linie Ausrüster der Bundeswehr und zu einem signifikant kleineren Teil Auftragnehmer verbündeter Streitkräfte“, so Roland Kuntze, Head of Communication bei MBDA. Bundessicherheitsrat und weitere Institutionen erteilten Genehmigungen nur, „wenn die umfassenden Exportrichtlinien und Gesetze der Bundesrepublik erfüllt sind“; im Zentrum stünden Interessen der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Zur Frage, weshalb bei der seit Langem angekündigten Aktion niemand aus dem Unternehmen den Aktivisten vor Ort Rede und Antwort stand, äußert sich Kuntze wie folgt: Für Gespräche stehe man gern zur Verfügung, an Feiertagen sei die Pressestelle erreichbar.

Ute De Pascale
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