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Der Ex-Bundesligaschiedsrichter und Ex-Faschingsprinz Winfried Buchhart kann heute einen runden Geburtstag feiern

60 Jahre - und ein bisschen leiser

Schrobenhausen
erstellt am 14.05.2018 um 18:13 Uhr
aktualisiert am 18.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Es ist ruhiger um ihn geworden in den letzten Jahren, weil er es selbst so will: Winfried "Winni" Buchhart.
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Nach seiner Pfeife tanzte nicht nur Stefan Effenberg: Winfried Buchhart, Bundesligaschiedsrichter und Showtyp. Heute wird er 60.
Nach seiner Pfeife tanzte nicht nur Stefan Effenberg: Winfried Buchhart, Bundesligaschiedsrichter und Showtyp. Heute wird er 60.
Fotos: Archiv
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Einer der prominentesten Schrobenhausener. Einer, an dem man sich immer reiben konnte. Einer, den es über Jahrzehnte hinaus in die Öffentlichkeit drängte - und er bekam, was er wollte. Heute wird er 60.

Es gab Phasen in seinem turbulenten Leben, da hätte man nicht unbedingt drauf wetten wollen, dass er es bis hierhin schafft. Immer unter Strom, immer Vollgas, immer auf der Überholspur, immer alles im Übermaß. Er kann Bühne, aber Prominenz muss man auch aushalten können. Schlagzeilen in der Bild-Zeitung zu bekommen, mögen manche als erstrebenswert empfinden. Wenn man dann erst einmal drinsteht, sieht die Welt womöglich ganz anders aus.

Winni Buchhart weiß, wie das ist. Er war Bundesliga-Schiedsrichter, in einer Zeit als die Spieler und die Interviews noch nicht so weichgespült waren wie heute. Da durfte man noch was sagen, und das passierte auch. Mit den Schimpfwörtern, die Fußballfans nach manchem Erstligaeinsatz auf dem Anrufbeantworte hinterließen, könnte man wahrscheinlich locker ein sechsbändiges Wörterbuch der verrohten Sprache füllen.
 
Fotos: Archiv
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Dagegen stehen natürlich unvergessliche Erlebnisse auf und neben dem Platz. Winfried Buchhart hat es bis ganz nach oben geschafft. Von August 1990 bis Dezember 1999 hatte er insgesamt 109 Einsätze in der ersten (60) und zweiten (49) Fußball-Bundesliga. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn war Buchhart 15 Jahre als Schiedsrichtercoach in den Erst- und Zweitligastadien unterwegs.

Mit dem Heimspiel des TSV 1860 München gegen den 1. FC Nürnberg endete im Mai 2015 vor knapp 70000 Zuschauern in der Allianz-Arena, in der er 2005 übrigens auch das Eröffnungsspiel leitete, seine mehr als 30 Jahre lange Karriere beim DFB. Was er in diesen 30 Jahren erlebt hat, wird er nie vergessen. Zum Beispiel ein DFB-Pokalspiel, bei dem er 1997 kurzfristig für einen Kollegen einspringen musste und vom Schrobenhausener Sportgelände aus mit dem original Herzblatthubschrauber nach Zwickau geflogen wurde.

Seiner Heimatstadt war er immer verwurzelt, er ist es bis heute. Als Unternehmer und Arbeitgeber sowieso, zeitweise auch mal als Barbetreiber, vor allem aber als Ehrenamtlicher. Als der, oder besser: als sein FC Schrobenhausen vor dem wirtschaftlichen Aus stand, übernahm er den hochverschuldeten Verein und sanierte ihn Stück für Stück. Vom gut sechsstelligen Loch auf dem FC-Konto bei seinem Amtsantritt sind heute nur noch ein paar Tausender über. Und zwischenzeitlich war er auch noch ganz kurz davor, den Verein bis in die Landesliga zu führen. Viel fehlte nicht; am Ende war es nicht viel mehr als das berühmte Quäntchen Glück.
 
Fotos: Archiv
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Oder die Schromlachia. Vor 40 Jahren war er der erste Faschingsprinz der Schrobenhausener Gesellschaft für Frohsinn und Heiterkeit, später ihr Präsident und Moderator legendärer Bälle. Am Mikrofon hat er was von Johannes B. Kerner, meist verbindlich, manchmal aber auch ganz schön frech. Vor allem aber niemals langweilig.

Jetzt wird er also 60. Ein paar Jährchen noch, dann ist er Rentner und wird zum Seniorennachmittag der Stadt ins Bierzelt auf ein paar Wiener eingeladen. Schwer vorstellbar bei einem wie ihm, dessen Stimme noch genauso jung wie vor 40 Jahren klingt. Und der im Grunde genommen auch immer noch genauso jung ist. Nur eben ein bisschen leiser. Und vielleicht auch schon ein bisschen weiser.
 
Mathias Petry, Matthias Vogt, Roland Kaufmann
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