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Die Feuerwehren der Großgemeinde Riedenburg proben bei einer gemeindeweiten Übung den Ernstfall

Weil jede Sekunde zählt

Riedenburg
erstellt am 09.10.2018 um 11:07 Uhr
aktualisiert am 13.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Riedenburg (DK) Zwei Schwerverletzte, ein Leichtverletzter, hoher Schaden und rund 140 Feuerwehrleute im Einsatz: Ein Schreckensszenario, wenn es sich nicht um eine Großübung der Feuerwehren der Großgemeinde Riedenburg gehandelt hätte.
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Rund 140 Einsatzkräfte beteiligen sich an der gemeindeweiten Großübung in Riedenburg. Johann Bühler, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Riedenburg, zieht nach dem angenommenen Brand samt Rettung zweier vermisster Personen aus den Flammen ein positives Fazit. ?Für den Ernstfall sind wir bestens gerüstet, auch wenn wir natürlich hoffen, dass dieser nicht eintritt?, sagte er.
Rund 140 Einsatzkräfte beteiligen sich an der gemeindeweiten Großübung in Riedenburg. Johann Bühler, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Riedenburg, zieht nach dem angenommenen Brand samt Rettung zweier vermisster Personen aus den Flammen ein positives Fazit. "Für den Ernstfall sind wir bestens gerüstet, auch wenn wir natürlich hoffen, dass dieser nicht eintritt", sagte er.
Trattner
Riedenburg
Die Ausgangslage des Übungsszenarios klingt besorgniserregend: Um 18.30 Uhr geht bei der Integrierten Leitstelle Landshut ein Notruf ein. Mitarbeiter des Gutta Rohplattenwerks - der sogenannten Pappenfabrik in Riedenburg - melden einen Brand in der Produktionshalle, zwei Kollegen werden vermisst. Kurz darauf trifft der Einsatzleitwagen der Feuerwehr Riedenburg ein. Kommandant und Einsatzleiter Johann Bühler macht sich ein erstes Bild vom Geschehen. Nachdem er feststellt, dass es sich um einen ausgedehnten Brand handelt, fordert er Unterstützung bei den umliegenden Ortswehren an.

Vier Einsatzfahrzeuge stehen auf der Kanalseite und speisen Wasser vom Main-Donau-Kanal ein, zusätzlich wird Wasser standardmäßig aus dem Hydrantennetz gespeist. Auf der Rückseite des Gebäudes wird das Feuer unter anderem von einem Drehleiterwagen aus bekämpft, im Innenhof bereiten sich die Feuerwehrleute mit schwerem Atemschutzgerät auf die Suche nach den Vermissten vor. Mit kompletter Ausrüstung gehen sie in die Produktionshalle, wo sich der Brandherd befindet. Nach etwa zehn Minuten wird der erste Vermisste gefunden und von der Unterstützungsgruppe Rettungsdienst Riedenburg erstversorgt.
Das Löschwasser wird aus dem Main-Donau-Kanal und standardmäßig aus dem Hydrantennetz gespeist.
Das Löschwasser wird aus dem Main-Donau-Kanal und standardmäßig aus dem Hydrantennetz gespeist.
Trattner
Riedenburg



Die Suche nach dem zweiten Vermissten läuft weiter auf Hochtouren. Mit Wärmebildkameras durchsucht der zweite Atemschutzträgertrupp weiterhin jeden Winkel der Produktionshalle und wird bald fündig: Der Vermisste wurde eingeklemmt und erlitt schwere Verbrennungen. Schnell fordert der Trupp bei den Kollegen auf dem Hof ein Hebekissen zur Personenbefreiung an und rettet den Verletzten. Auch dieser wird auf dem Hof medizinisch versorgt.

Im Rahmen dieser Großübung erproben die Einsatzkräfte auch das neue Atemschutznotfallkonzept: Bei der Brandbekämpfung simuliert ein Atemschutzträger den Bewusstseinsverlust. Der Kollege wird vom Sicherungstrupp gerettet und anschließend medizinisch versorgt. Währenddessen halten die Feuerwehren weiterhin den Brand unter Kontrolle. Gegen 19.30 Uhr ist das Feuer endgültig gelöscht.
Mit der Drehleiter bekämpfen die Feuerwehrleute von der Rückseite aus den angenommenen Brand in der Riedenburger Pappenfabrik.
Mit der Drehleiter bekämpfen die Feuerwehrleute von der Rückseite aus den angenommenen Brand in der Riedenburger Pappenfabrik.
Trattner
Riedenburg



"Ich bin sehr stolz auf unsere Feuerwehrmänner und -frauen, wir sind top aufgestellt und zusammen sind wir eine wirklich schlagkräftige Gesamtfeuerwehr", lobt Riedenburgs Bürgermeister Siegfried Lösch (CSU) die Einsatzkräfte. Dass sich so viele Feuerwehrleute Zeit für die Übung genommen haben, freue ihn besonders, denn schließlich könnten sie auch den Abend daheim mit ihren Familien verbringen. "Das ist nicht selbstverständlich", betont er.

Besonderes Lob spricht der Bürgermeister Kommandant Johann Bühler aus: "Seine erste gemeindeweite Großübung als Kommandant hat Johann Bühler perfekt gemeistert." Stolz mache ihn auch die Tatsache, dass die Großgemeinde Riedenburg bei der Zahl der Aktiven die zweitgrößte Feuerwehr im Landkreis ist. "Das bedeutet natürlich eine klare Herausforderung in Sachen Fahrzeuge und Ausrüstung, doch die nehmen wir gerne an." Für Lösch sind die damit einhergehenden Kosten eine "wichtige Investition in die Sicherheit der Bürger".

"Die Jugendförderung liegt mir besonders am Herzen", ergänzt der Rathauschef. Die Gründung einer Kinderfeuerwehr würde er sehr begrüßen, doch bisher fehle es an Freiwilligen, die sich dahingehend ehrenamtlich engagieren wollen. "Wenn jemand Interesse hat, kann er sich gerne bei mir im Rathaus melden", fordert er seine Bürgerinnen und Bürger auf.

"Wir sind bestens gerüstet"

Für Johann Bühler, den Kommandanten der Feuerwehr Riedenburg, war die diesjährige Großübung eine regelrechte Feuertaufe: Auch wenn er seit seiner Wahl vor über drei Jahren schon viele Feuerwehrübungen abgehalten hat, war das Training auf dem Gelände der Pappenfabrik die erste gemeindeweite Großübung, die er als Kommandant betreut hat.

Herr Bühler, welchen Nutzen hat eine Großübung dieser Art? 
Johann Bühler: Wir bereiten uns auf die Zusammenarbeit mit den Ortsfeuerwehren im Ernstfall vor.

Warum fiel die Wahl des Übungsgeländes auf die Pappenfabrik? 
Bühler: Im Hinblick auf den vorbeugenden Brandschutz ist die Pappenfabrik ein vorbildliches Unternehmen. Kürzlich wurde beispielsweise in eine moderne Brandmeldeanlage investiert. Außerdem brauchen wir für eine Großübung ein entsprechend großes Objekt, um die Übung einsatzreell abzuhalten. Und genau das ist hier gegeben. Dass wir auf dem Gelände eines ansässigen Unternehmens üben dürfen, ist nicht alltäglich, und darüber bin ich sehr dankbar.

Was sind die Herausforderungen beim Übungsszenario? 
Bühler: Das Schwierigste an einer Großübung ist, das große Aufkommen an Einsatzkräften zu koordinieren. Schließlich war die Stützpunktfeuerwehr Riedenburg mit zehn Ortsfeuerwehren im Einsatz. Dadurch waren rund 140 Feuerwehrleute und 15 Fahrzeuge vor Ort.

Welche Aufgaben darf die Jugendfeuerwehr bei dieser Großübung übernehmen? 
Bühler: Jugendliche ab 16 Jahren dürfen im Übungsbereich teilnehmen, jedoch lediglich außerhalb des Gefahrenbereichs. Jugendliche unter 16 Jahren können zuschauen und werden vom Jugendwart über die Abläufe informiert.

Wie oft finden solche gemeindeweiten Großübungen in Riedenburg statt? 
Bühler: Jährlich finden etwa vier "normale" Großübungen statt. Übungen, bei denen alle Ortsfeuerwehren beteiligt sind, haben bisher nur alle paar Jahre stattgefunden. Allerdings habe ich vor, jährliche gemeindeweite Großübungen einzuführen.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Großübung? 
Bühler: Das Zusammenspiel der Ortsfeuerwehren hat hervorragend geklappt, es war eine tadellose Übung. Für den Ernstfall sind wir bestens gerüstet, auch wenn wir natürlich hoffen, dass dieser nicht eintritt.

Das Gespräch führte

Katrin Trattner.
Katrin Trattner
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