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Das Stück "Adelbert von Chamisso" aus der Feder von Gerhilde Winbeck wird am 20. Juli uraufgeführt

Von Suchen und Finden und Glück

Schambach
erstellt am 28.06.2018 um 17:46 Uhr
aktualisiert am 02.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schambach (DK) Es geht etwas vor, im Pfarrhof zu Schambach. Seit Tagen, Wochen, Monaten probt ein illustrer Kreis um Gerhilde Winbeck ein besonderes Stück. "Adelbert von Chamisso - der lange Weg zu einem geglückten Dasein" heißt es. Am Freitag, 20. Juli, wird es uraufgeführt.
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 Fenster und Nischen und der gesamte Innenhof des Pfarrhofs in Schambach werden in die Inszenierung des Stücks "Adelbert von Chamisso - der lange Weg zu einem geglückten Dasein" aus der Feder von Gerhilde Winbeck einbezogen.
Fotos: Schmied
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"Wer will sie kaufen - die Siebenmeilenstiefel?" Mit fester Stimme ruft der Junge diese Frage über das Jahrmarktgelände und deutet mit einer ausladender Geste auf schmuckes schwarzes Fußgewand auf einem kleinen Tischchen neben sich. Auf einem Schemel steht eine Frau, deren Hände die Schnüre einer Marionette bedienen. Merlin hängt an den Fäden. Er habe die Stiefel verzaubert und jenem, der sie trägt, sei es ein Leichtes, in nur sieben Schritten die Welt zu umrunden. Ein ungläubiger, aber sehnsuchtsvoller Blick liegt auf dem Gesicht von Peter Schlemihl. Er zückt die geforderten Gulden, ersteht die Stiefel, schlüpft hinein - und bricht auf, den langen Weg zu einem geglückten Dasein entlang.
 
Fotos: Schmied
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Ein Traumspiel über Integration. Diesen Untertitel trägt das Werk aus der Feder Gerhilde Winbecks. Ist es ein Drama? Oder Prosa? Ein Gedicht? Musik? Theater im klassischen Sinne ist es auf jeden Fall nicht, was die Darsteller derzeit im Schambacher Pfarrhof proben. Traumspiel, das trifft es letztlich gut. Szenen durchzogen von Gesang und gegliedert durch Erzählpassagen sollen die Zuschauer und Zuhörer in die Lebensgeschichte des Adelbert von Chamisso, deutscher Naturforscher und Dichter französischer Herkunft, geleiten. Episodenhaft, mit Sprüngen zwischen realer Biographie, der dramatischen Verarbeitung der Novelle "Peter Schlemihl" von 1814 und Reflexionen über eine zeitgemäße Art der Rezeption all dessen wirken ein Gesamtbild, das als Beispiel geglückter Integration gesehen werden kann - so die Intention der Schöpferin.
 
Fotos: Schmied
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"Mir ist das Thema der Integration im Leben Chamissos als vorbildlich gelöst erschienen", sagt Gerhilde Winbeck. Dieser wurde 1781 auf Schloss Boncourt bei Ante in Frankreich geboren und starb 1838 in Berlin. Die Französische Revolution 1790 bedeutete für die adelige Familie Chamissos die Flucht. Es ging nach Preußen, wo der junge Adelbert erst als Page bei Luise Friederike von Preußen diente, dann in der Armee. Er umsegelte die Welt, feierte in seiner zweiten Lebenshälfte Erfolge als Botaniker, Naturwissenschaftler und Dichter. "Den elementaren Schwierigkeiten der Flucht ist er mit starkem Mut, Durchhaltevermögen und Humor begegnet und hat sein Leben gemeistert." Vorbildhaft, findet Winbeck. Ein Grund dafür, warum sie die Geschichte künstlerisch aufbereiten wollte.
Fenster und Nischen und der gesamte Innenhof des Pfarrhofs in Schambach werden in die Inszenierung des Stücks ?Adelbert von Chamisso ? der lange Weg zu einem geglückten Dasein? aus der Feder von Gerhilde Winbeck einbezogen. Bei einer der vielen Proben stellten sich Bürgermeister Siegfried Lösch (von links), Rita Weininger, Georgina Demmer, Gerhilde Winbeck, Alexander Wolf, Julius Keil, Jasmin Girtner und Engelbert Huber zum Gruppenfoto auf.
Bei einer der vielen Proben stellten sich Bürgermeister Siegfried Lösch (von links), Rita Weininger, Georgina Demmer, Gerhilde Winbeck, Alexander Wolf, Julius Keil, Jasmin Girtner und Engelbert Huber zum Gruppenfoto auf.
Fotos: Schmied
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Es ist nicht der einzige. Die Geschichte Peter Schlemihls, der dem Teufel seinen Schatten verkauft und ihm letztlich doch ein Schnippchen schlägt, als es um seine Seele geht, sehe sie als Variante von Goethes Faust. Der Sprung vom "West-östlichen Divan", den Winbeck mit der beinahe identischen Schauspielertruppe vor zwei Jahren auf die Bühne brachte, ist da gar nicht mehr weit. Und auch der Gesamtaufbau des neuen Stücks zeige eine gewisse Kontinuität dazu: lyrisch-epische Rahmenhandlung, dramatischer Kern. Und auch eine Kindheitserinnerung ist es, die Gerhilde Winbeck mit Chamisso verbindet. "Als Kinder in Österreich haben wir sein Gedicht ,Das Riesenspielzeug' auswendig gelernt." Die Zeilen sind ebenfalls in dem unkonventionellen, vor kreativen Ideen strotzenden Werk verwoben. Daneben Vertonungen von Chamissos Werken von Robert Schumann sowie Kurztexte zu den Leitmotiven Heimat, Glück, Integration.

Bespielt wird der gesamte Innenhof. Da gibt es Gespräche von Fenster zu Fenster. Da trifft sich in einer Nische ein Liebespaar. Da flattert ein Schmetterling von oben auf die Hand von Königin Luise. Gemeinsam mit Winbeck proben Alexander Wolf, Jasmin Girtner, Friedel Helmich, Engelbert Huber, Rita Weininger, Georgina Demmer und Julius Keil seit November daran, den auf Papier geborenen Ideen Leben einzuhauchen. "Es wird das letzte Mal sein, dass wir den Innenhof bespielen", sagt Gerhilde Winbeck. So recht glaubt die Theatercrew daran aber nicht. Beim "Divan" hätte sie das auch gesagt, ist bei der Durchlaufprobe, bei der auch Riedenburgs Bürgermeister Siegfried Lösch zugegen ist, zu erfahren. Ihr Feuereifer für Chamisso ist der Beweis: Bis zur Uraufführung wird Gerhilde Winbeck mit ihrem Team an der Perfektion feilen - mit Herzblut und Mut.

Die Uraufführung von "Adelbert von Chamisso - der lange Weg zu einem geglückten Dasein" findet am Freitag, 20. Juli, um 19 Uhr statt. Eine weitere Aufführung gibt es am Samstag, 21. Juli, um 17 Uhr. Davor gibt es Kaffee und Kuchen im Außenhof. Bei Regen kann in die Große Stube ausgewichen werden. Veranstalterin ist die Stadt Riedenburg. Der Eintritt ist frei.
Kathrin Schmied
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