Sonntag, 18. November 2018
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In Riedenburg soll eine Bushaltestelle eine digitale Anzeigetafel bekommen - Expresslinie gekippt

Fahrgastinformationen in Echtzeit

Riedenburg
erstellt am 09.11.2018 um 17:33 Uhr
aktualisiert am 14.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Riedenburg/Kelheim (DK) Über die Einrichtung einer Express linie zwischen Riedenburg und Ingolstadt sollte der Verkehrsausschuss des Kelheimer Kreistags in seiner Sitzung am Donnerstag diskutieren - eigentlich. Die Prüfung dieses Projekts im Vorfeld hatte allerdings ergeben, dass sich eine Umsetzung wohl nicht rentiert. Das Thema wurde daher fallen gelassen.
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Dies teilte Stefan Grüttner, Stabsstellenleiter ÖPNV am Kelheimer Landratsamt, dem Gremium mit. "Die Prüfung hat ergeben, dass es bereits eine Linie gibt - diese ist nur nicht so schnell, wie die geplante Expresslinie gewesen wäre", sagte er. Auf Initiative des Landkreises Eichstätt sollte im Rahmen der Fortschreibung des Nahverkehrsplans eine Linie von Riedenburg nach Ingolstadt eingerichtet werden, der Fahrplan hätte sich an den Betriebszeiten des Ingolstädter Automobilherstellers Audi orientiert. Fahrgastpotenzial wäre also durchaus vorhanden gewesen. Durch die neue Verbindung hätten auch Anbindungen an den Zugverkehr sowie an Buslinien in Ingolstadt entstehen können. Die Fahrt wäre mehrmals täglich erfolgt und hätte Haltestellen im Streckenabschnitt Altmannstein, Mindelstetten, Oberdolling, Großmehring und Ingolstadt bedient, Riedenburg wäre Anfangs- und Endpunkt gewesen. Grüttner verwies auf die bereits bestehende Linie, die weitgehend denselben Zweck erfüllt. Und: "Audi stellt den Verkehr von Prunn aus ein, weil hier nur wenige Menschen mitfahren."

Die Frage nach der Rentabilität trieb die Verantwortlichen schon vor der Sitzung des Ausschusses für Fragen des öffentlichen Personennahverkehrs und kommunale Verkehrsplanung um. Denn die Finanzierung der Expresslinie hätte teilweise seitens des Landkreises und der Stadt Riedenburg gestemmt werden müssen. Der Landkreis Eichstätt hatte ein Förderprogramm für fünf Jahre beantragt, das mit rund 50 Prozent bezuschusst worden wäre. Durch die Anbindung von Riedenburg wären im Kreis Kelheim anteilsmäßig Jahreskosten zwischen 20000 und 25000 Euro angefallen. Riedenburg hätte sich wohl, sofern der Stadtrat zugestimmt hätte, für die Dauer von zwei Jahren mit jeweils 50 Prozent dieser Jahreskosten beteiligt, den Rest hätte der Kreis Kelheim - ebenfalls für zwei Jahre - bezahlt. "Man muss sich schon die Frage stellen, ob wir diese Investition vornehmen, wenn Audi eine Linie wegen zu wenig Nutzung einstellt hat und es bereits eine andere gibt", betonte Grüttner. In den Vorgesprächen war man zu dem Ergebnis gekommen, dass man die Expresslinie also wohl nicht braucht - und sich das Thema damit erledigt hat.

Die Landkreisbewohner können sich dennoch über eine Angebotsverbesserung in Sachen Buslinien freuen, wie Mike Süß, der Leiter des Sachgebiets Straßenverkehrswesen, dem Gremium mitteilte. So wird auf der Linie VLK 1, die zwischen Dietfurt, Riedenburg, Kelheim und Saal verkehrt, eine neue Fahrt um 7.50 Uhr in den Fahrplan aufgenommen, welche die Anschlussanbindung an den Zug um 7.45 Uhr in Saal gewährleistet. Die bislang um 17.55 Uhr erfolgte Fahrt wird auf 18.15 Uhr verlegt. Sö könne man eine "Leerfahrt" als Zwischenfahrt zwischen 17.53 und 19.55 Uhr nutzen, so Süß. "Die Pause findet in Riedenburg statt, von dort aus geht es dann weiter nach Regensburg", erklärte er. Ebenso konnte man die Anschlusssicherung zur Zugverbindung nach Ingolstadt - die Agilis fährt um 19.08 Uhr ab - sicherstellen. Die Fahrt um 6.45 Uhr wird künftig auch die Haltestelle am Landratsamt/Donaupark anfahren. Die Änderungen erfolgen kostenneutral, so Süß. Bei den Änderungen habe man Anregungen aus der Bevölkerung berücksichtigt. Sie gelten seit der Fahrplanumstellung zum 11. September.

Thema war auch die Linie 9221 zwischen Riedenburg und Ingolstadt, die derzeit ausgesetzt ist. Bislang wurde sie von der Regionalbus Augsburg GmbH (RBA) betrieben, nun geht es um eine neue Ausschreibung und Abwicklung des Verkehrs. Nur wenige Kilometer der Linie befänden sich im Landkreis Kelheim, so Stefan Grüttner. Das Gros der Strecke verläuft durch den Landkreis Eichstätt, mit diesem sollte daher eine Delegationsvereinbarung getroffen werden, um die dort Verantwortlichen zu ermächtigen, die Verhandlungen zu führen. "Kosten sind für uns nicht zu erwarten. Es geht grundsätzlich um die Aufrechterhaltung des bisherigen Verkehrs und um die Gewährleistung der Schulanbindungen", erläuterte der Experte. Die Konzession soll für zehn Jahre beantragt werden. Das Gremium nickte den Vorschlag ab.

Riedenburg könnte eine von insgesamt acht Anzeigetafeln für dynamische Fahrgastinformationen im Landkreis Kelheim bekommen. Darauf wird in Echtzeit angezeigt, wann welcher Bus abfährt. In Städten wie Regensburg gibt es dieses System bereits. Auch im Landkreis Kelheim gibt es die entsprechende Datenbank, diese werde laut Grüttner nur noch nicht genutzt. Um das zu ändern, sollen nun zunächst neben Riedenburg auch Bad Abbach, Saal, Abensberg, Neustadt und Mainburg jeweils eine Anzeigetafeln an einer Schlüsselhaltestelle bekommen, in Kelheim selbst sollen zwei Tafeln aufgestellt werden. Die betroffenen Kommunen müssen laut Grüttner die Fundamente, den Stromanschluss und die Hardware zur Verfügung stellen.

Die Kosten für die entsprechende Schnittstelle belaufen sich einmalig auf rund 123350 Euro, pro Halstestelle fallen weitere 12100 Euro an, die laufenden Kosten liegen bei jährlich 4600 Euro. Ohne Zuschüsse würde der Landkreis also knapp 220150 Euro investieren. Ob man sich um eine Förderung bemüht oder die Finanzierung über Werbeeinnahmen laufen lässt, müsse man nun eruieren. Denn das Gremium stimmt zwar für die Umsetzung des Vorhabens, allerdings mit sieben zu vier Stimmen. Während Landrat Martin Neumeyer (CSU) dafür plädierte, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den ÖPNV im Kreis so attraktiv wie möglich zu gestalten, zweifelten einige Kreisräte an der Sinnhaftigkeit digitaler Anzeigetafeln. Edgar Fellner (SPD) etwa meinte, man könne auch einfach die Fahrpläne kundenfreundlicher gestalten. Andreas Fischer (SLU) bezeichnete die Tafeln als "nice to have", angesichts des Haushalts habe er aber Bedenken, ob die Maßnahme wirklich nötig sei.
Kathrin Schmied
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