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"Fair spielen, nicht tricksen"

Tettenwang
erstellt am 01.09.2010 um 18:48 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 23:16 Uhr | x gelesen
Tettenwang (DK) Wenn der König zum Volk spricht, steht er erhaben und mit großem Gestus vor ihm. Es wartet demütig auf seine Befehle und führt sie selbstverständlich sofort aus. Er braucht dafür kein prunkvolles Schloss, Haltung und Mimik unterstreichen seine majestätische Ansprache.
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Tettenwang: "Fair spielen, nicht tricksen"
Spiegelbild: Den anderen genau zu beobachten und nachzuahmen gehört beim Improvisationstheater mit Angelika Weigl dazu. Der Ferienkurs in Tettenwang begeisterte die Kinder. - Foto: Beringer
Tettenwang
Das will Angelika Weigl den sieben Kindern zeigen, die sich gestern im alten Schulhaus von Tettenwang um sie geschart haben.
Im Rahmen des Altmannsteiner Ferienprogramms hatte sie zum Improvisationstheater für Kinder eingeladen. Spielerisch sollen die Kinder an bestimmte Facetten herangeführt werden, die auch im Improtheater für Erwachsene von Bedeutung sind. "Das ist eine Mannschaftsdisziplin, bei der es vor allem darum geht, auf den anderen zu achten", erläutert Weigl. "Wo muss ich mich zurücknehmen, wo einspringen? Braucht der andere Hilfe, wo ist er am Zug, wo ich" Das sind nur einige der Regeln, die von allen Teilnehmern gleichermaßen beachtet werden müssen. "Wir können nur miteinander gewinnen", so die Theatertrainerin.
 
Der Gruppe gegenüber stets aufmerksam zu sein ist dabei gar nicht immer so leicht, wie sich schnell zeigt. In verschiedenen Spielen fördert Angelika Weigl die Interaktion und Koordination der Kinder. "Schaut auf den anderen, bezieht eure Nachbarn mit ein", erklärt sie den Kindern. Die sind begeistert. Schon während der Aufwärmrunde kommt ordentlich Bewegung in die Truppe, die Gesichter strahlen. Das pädagogische Konzept hinter dem gemeinsamen Ballspiel zielt auf das achtsame Miteinander. "Fair spielen, nicht tricksen und immer aufpassen, wer den Ball hat, ihr könntet schon der nächste sein", weist sie die fröhliche Runde an. Das erweist sich noch als relativ einfach. Dem anderen als Spiegel zu dienen und seine Gesten und Bewegungen exakt zu kopieren, gestaltet sich dann schon etwas schwieriger. Auch das Zeitlupenraufen erfordert große Konzentration bei den Kindern. Der Faustschlag in den Magen bleibt jedoch gewissermaßen in der Luft hängen. "Den anderen nicht berühren. Wir schlagen uns nicht", erklärt Weigl. Symbolisch geht der Angegriffene trotzdem zu Boden.
 
Weigl freut sich über die Gruppe, die bald ihre eigene Dynamik entwickelt. "Es ist toll – und jedes Mal anders." Das ist überhaupt der Clou beim Improvisationstheater. Ohne Requisiten und vorgegebene Rollen kann jede Vorgabe beliebig interpretiert werden – und entsprechend unterschiedlich ausfallen. Ob putzen, flehen oder singen, die Kinder rollen über den Boden und haben sichtlich Spaß dabei. Das ist Angelika Weigl besonders wichtig. "Das soll ja hier kein Unterricht sein. Ich ziehe das ganz bewusst auf eine andere Ebene." Spielerisch sollen die Kinder damit vertraut gemacht werden, dass mit Haltung und Mimik sehr viel Ausdruck erreicht werden kann. "Alles, was ich am eigenen Leib erlebt und gespürt habe, merk’ ich mir." Vielleicht macht es ja manchen soviel Spaß, dass sie einmal zum Theaterspiel zurückkehren. Und was hat den Kindern am besten gefallen? Sie sind sich schnell einig: "Alles!"

Von Irene Beringer
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