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Festakt zur Fertigstellung der Baumaßnahmen an der Befreiungshalle: Söder betont Bedeutung für Bayern und Deutschland

Symbolische Zeichen von Kelheim nach Europa

Kelheim
erstellt am 13.06.2018 um 17:38 Uhr
aktualisiert am 17.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kelheim (DK) Die Fertigstellung der Sanierung der Befreiungshalle in Kelheim ist bei einem Festakt mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gefeiert worden. Söder würdigte das Bauwerk als Denkmal, das zum Frieden in Europa mahnt.
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Eigentlich feierte man, dass die notwendige Instandsetzung eines Bauwerks abgeschlossen wurde. Die harten Fakten: Ab dem Jahr 2011 wurde zwei Jahre lang das Dach saniert, seit 2015 folgten Sockelzone und eine Fassadenfläche von rund 5000 Quadratmetern. Kostenpunkt: 7,1 Millionen Euro für den Freistaat Bayern, genauer gesagt für das Staatsministerium für Finanzen, dass auch für die staatlichen Schlösser zuständig ist.

Aber was zählen harte Fakten, wenn es weniger um ein Gebäude als viel mehr ein Symbol für nationale Identität geht? Mit nackten Zahlen hielt sich bei der Feierstunde zur Fertigstellung der Baumaßnahmen an der Befreiungshalle in Kelheim auch niemand großartig auf. Im Fokus stand die Symbolik.

Das erste Wort hatte Hans Reichhart. Der Staatssekretär im Finanzministerium schlug direkt den Bogen in die heutige Zeit. Die Befreiungshalle, ein Andenken an die gewonnenen Schlachten gegen Napoleon, "mahne in Zeiten, in denen vieles in Frage gestellt wird, für Frieden einzustehen". Man müsse für den Frieden arbeiten, am europäischen Haus weiterbauen und in dieses Fundament Zeit investieren. "In diesem Bauwerk ist viel Symbolik", sagte Reichhart. Damit stieg er bezüglich des Bedeutungsrahmens gleich auf der obersten Ebene, der europäischen, ein.

Dann kam Markus Söder und es ging erstmal um König Ludwig I. Denn passenderweise wurde in der Befreiungshalle auch das 150. Todesjahr des Königs gefeiert, der den Bau des Kelheimer Monuments in Auftrag gegeben hatte. "Ludwig I. war ein bauwütiger Monarch", sagte Söder. "Ohne diese Bauwerke hätte Bayern die Bedeutung als Kulturland nicht." Von Europa also erstmal zurück nach Bayern.

Dort hätten Bauwerke wie die Befreiungshalle, die Walhalla oder die Ruhmeshalle historische Tiefe, Kultur und Bildung nach Bayern gebracht, wie Architekturhistoriker Winfried Nerdinger in seinem Vortrag erklärte. "Die Befreiungshalle ist ein völlig einzigartiges Bauwerk und passte bei seiner Erbauung nicht in die Zeit." Der Grund: Friedrich von Gärtner begann die Planung, nach seinem Tod vollendete der verfeindete Kollege Leo von Klenze das Monument für den König. "Bei keiner anderen Berufsgruppe ist Neid so ausgeprägt wie bei Architekten", sagte Nerdinger. Kurzer Blick zu Söder in der ersten Reihe. "Wie das bei Politikern ist, weiß ich nicht." Aus der Spannung der Architekten sei so ein nationales Denkmal entstanden.

So sah es auch der Ministerpräsident. Er lobte die Sanierung, für die er ja als ehemaliger Finanzminister verantwortlich war. Der Innenraum sei beeindruckend, genau wie Größe und hohe Lage des Denkmals. Dann ging es wieder ums Symbolische. "Ideengeschichtlich steht die Befreiungshalle für die geistige Geburtsstunde eines deutschen Bewusstseins", sagte Söder. Dafür gebe man als Finanzminister gerne Geld aus. Im Übrigen sei die Bayerische Schlösserverwaltung die größte und beste Museumsverwaltung in Deutschland. Die neue Farbgestaltung, dezenter und heller als zuvor, erfolgte in Absprache mit der Kelheimer Bevölkerung. Mit demselben Tempo, mit dem die Feierstunde von der europäischen auf die regionale Ebene hinabstieg, ging es auch wieder hoch.

Denn diese größte und in seinen Augen beste Museumsverwaltung des Landes hat laut Söder eine gute Nachricht für das restliche Deutschland: "Wir setzen in diesem Land ein Signal für Tradition und Kultur." Die Stärke des Landes sei es, Mut zu haben und die Zukunft anzunehmen, erklärte Söder. Die Befreiungshalle lehre Demut. "Dieses Land braucht Demut statt Wut. Es braucht Engagement und Integration, statt darauf zu warten, dass andere etwas tun." Ganz ohne Wahlkampf ging es dann doch nicht, auch wenn er in homöopathischen Dosen verabreicht wurde.

Die Befreiungshalle ist nicht nur ein einzigartiges Bauwerk an einer einzigartig exponierten Stelle, sondern archtiekturhistorisch laut Nerdinger eines der ganz seltenen Projekte, in dem die Kosten geringer ausfielen als ursprünglich geplant. Auf die Sanierung dieses Denkmals trifft das nicht zu, wie Söder den Reportern vor der Befreiungshalle verriet: "Es ist ein bisschen teurer geworden, aber bei Kunst und Kultur dürfen wir keine Probleme beim Finanzieren haben." Schließlich sei es ein sichtbares Bauwerk bayerischer und nationaler Identität. Abgesprochen mit der Kelheimer Bevölkerung und mit Signalwirkung für Bayern, Deutschland und Europa - diese Feierstunde wäre wohl ganz im Sinne von König Ludwig I. gewesen.
Christian Missy
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