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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer diskutiert in Kelheim mit Politikern und Unternehmern

Stippvisite im Hafen

Kelheim
erstellt am 09.10.2018 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 13.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kelheim/Saal (DK) "Wir müssen die Wasserstraße wieder attraktiver machen": Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sich bei seinem Besuch im Hafen Kelheim/Saal zuversichtlich gezeigt, dass es abseits der Straße noch jede Menge Potenzial für den Gütertransport gibt. Vor allem aber müssen dazu aus seiner Sicht die Transportwege auf Schiene und Wasser besser vernetzt werden.
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Die Transportwege auf Wasser und Schiene müssen besser vernetzt werden: Diese Ansicht vertrat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (links) bei seinem Besuch im Hafen Kelheim/Saal. Neben Kelheims Landrat Martin Neumeyer (rechts) beteiligten sich Unternehmer und Kommunalpolitiker an der Gesprächsrunde mit dem CSU-Politiker.
Die Transportwege auf Wasser und Schiene müssen besser vernetzt werden: Diese Ansicht vertrat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (links) bei seinem Besuch im Hafen Kelheim/Saal. Neben Kelheims Landrat Martin Neumeyer (rechts) beteiligten sich Unternehmer und Kommunalpolitiker an der Gesprächsrunde mit dem CSU-Politiker.
Bruckmeier
Kelheim
Ein neues Verkehrskonzept mit einem Schwerpunkt auf Schiene und Wasser war auch genau das, was die Vertreter aus der Kommunalpolitik im Landkreis Kelheim und der im Hafen angesiedelten Unternehmen von dem Gast aus Berlin einforderten. Nur so lassen sich nach ihrer Überzeugung die Straßen vom Schwerlastverkehr entlasten. Landrat Martin Neumeyer (CSU), der auch Vorsitzender des Zweckverbandes Häfen im Landkreis Kelheim ist, hatte den zuständigen Ressortchef zu dieser Stippvisite eingeladen. Schon bei seiner Ankunft sah der Minister, wie es derzeit um den Schiffsverkehr auf der Donau steht. Ein einsamer Kahn tuckerte da vor sich hin, ansonsten herrschte gähnende Leere an den Kais. Und das lag nicht allein daran, dass der Besuchstermin auf einen Sonntag fiel.

Sechs Wochen Dauerfrost im vergangenen Jahr und dann das Niedrigwasser der Donau in diesem Sommer haben für einen eklatanten Rückgang der Umschlagszahlen gesorgt. Belief sich der Güterumschlag im Hafen Kelheim/Saal und an der Güterlände Riedenburg 2016 auf 404200 Tonnen, so brach dieser im vergangenen Jahr um 21000 Tonnen ein. Wegen der niedrigen Pegelstände aufgrund der langanhaltenden Trockenheit wird sich die Talfahrt dieses Jahr wohl fortsetzen. Zwar steht auch ein Minister den Launen der Natur machtlos gegenüber, doch es gibt auch hausgemachte Probleme in der Verkehrsinfrastruktur, die in dieser Runde angesprochen wurden. Und da liegt vieles im Argen, wie in dem rund einstündigen Gespräch deutlich wurde.

"Wir müssen alle Verkehrswege für den Gütertransport nutzen", betonte Wolfgang Hinterberger. Der Geschäftsführende Gesellschafter der TKB Spedition GmbH sieht vor allem auf dem Wasser das Potenzial, um möglichst viel Druck von der Straße zu nehmen. "Wir müssen den Kombiverkehr auf multimodalen Verkehr ausdehnen." Im Klartext: Die Transportkette unterschiedlicher Verkehrsträger muss stärker vernetzt werden.

Aber genau da stoßen die Spediteure immer wieder an Grenzen. Für Alexander Zoppa, Prokurist der Unternehmensgruppe Fichtl, ist das Alltag. "Wir brauchen nachhaltige Konzepte. Es fehlen Ideen", so sein Eindruck. Hauptproblem mit der Bahn sei die mangelnde Zuverlässigkeit der Zugverkehre.

Aber kann der Minister daran etwas ändern, und das vielleicht sogar kurzfristig? Andreas Scheuer will es nach eigener Aussage wenigstens versuchen und nahm die Anregungen aus der Unternehmerrunde mit. Den vor einem Vierteljahrhundert eröffneten Main-Donau-Kanal hält er nach wie vor für ein Erfolgsmodell, auch wenn er sich noch mehr Gütertransport auf der Wasserstraße wünschen würde. "Der Transport ist leider nach wie vor zu straßenlastig", bedauert der zuständige Ressortchef.

Mit welchen Problemen man am Hafen Kelheim/Saal immer wieder zu kämpfen hat, hörte der Gast aus Berlin von Görgen Brockbalz von der Firma BLG Logistics, die hier Tausende von Kraftfahrzeugen in einem Terminal zwischenlagert und dann an Händler bundesweit verteilt. Die Fahrzeuge kommen meist per Binnenschiff aus Ungarn, per Lkw aus süddeutschen Automobil-Werken oder per Bahn aus der Slowakei beziehungsweise der Tschechischen Republik. Wenn sie denn kommen, denn vor allem die Pünktlichkeit der Bahn lässt nach den Erfahrungen des Managers oft zu wünschen übrig.

In die gleiche Kerbe stieß Jürgen Zimmermann von der Firma Osterhuber, die am Hafen Kelheim/Saal Güter aller Art umschlägt. Aus seiner Sicht wäre es fatal, das transeuropäische Jahrhundertwerk Main-Donau-Kanal wegen einer mangelhaften Anbindung an andere Verkehre untergehen zu lassen. Gerade angesichts der Konkurrenz vor allem durch Spediteure aus Osteuropa sollte man seiner Meinung nach alles nur erdenklich Mögliche umsetzen, um die Verkehre auf Schiene, Straße und Wasser miteinander zu kombinieren. "Denn die Ware sucht sich bekanntlich den billigsten Weg", so Zimmermann.

"Mich brauchen Sie nicht von der Attraktivität des Hafens hier zu überzeugen", sagte Minister Scheuer. "Wir müssen alle erdenklichen Verkehrswege auch tatsächlich nutzen." Dazu gehörten auch die Flüsse, die nicht nur der Ausflugsschifffahrt, sondern auch dem Güterverkehr dienen müssen. Der Minister versprach den Unternehmern, ihre Ideen, insbesondere eine bessere Anbindung des Hafens Kelheim/Saal an die Schiene, mitzunehmen und in seinem Haus nach Lösungswegen zu suchen.

Das Gleiche galt im Übrigen auch für die Anregungen aus den Reihen der Kommunalpolitiker, die an der Gesprächsrunde teilnahmen. So sprachen sich Landrat Martin Neumeyer und die Bürgermeister aus Saal und Kelheim, Christian Nerb und Horst Hartmann, für einen durchgehenden zweigleisigen Ausbau der Bahnlinie zwischen Ingolstadt und Regensburg mit sechs Bahnhöfen entlang der Strecke durch den Landkreis Kelheim aus.

Um im Gespräch zu bleiben, regte Minister Scheuer einen regelmäßigen Gedankenaustausch zwischen seinem Ministerium in Berlin und den Vertretern aus Politik und Wirtschaft im Landkreis Kelheim an. Möglicherweise geht es dann auch um eine Idee von Landrat Martin Neumeyer, ein Pilotprojekt für ein Testgelände zum Einsatz von Drohnentransportern in den Kelheimer Hafen zu holen. Zuständig dafür ist freilich nicht das Haus von Verkehrsminister Andreas Scheuer, sondern das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).
 
Harry Bruckmeier
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