Dienstag, 18. September 2018
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Die Teilnehmer des Meisterkurses für Sologesang begeistern rund 60 Zuhörer mit ihrem Abschlusskonzert in Sandersdorf

Stimmungsvolle Atmosphäre im Schlosshof

Sandersdorf
erstellt am 09.09.2018 um 19:03 Uhr
aktualisiert am 13.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Sandersdorf (DK) Vergangene Woche haben sieben Sängerinnen und Sänger einen von der Internationalen Simon-Mayr-Gesellschaft organisierten Meisterkurs für Sologesang auf Schloss Sandersdorf absolviert. Am Freitagabend präsentierten die Teilnehmer unter Leitung von Andreas Pascal Heinzmann, Marcus Everding und Amy Brinkman-Davis das Ergebnis ihrer Arbeit in einem Abschlusskonzert.
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Rund 60 Zuhörer folgten im Schlosshof dem eigens auf die Sänger zugeschnittenen Pasticcio aus ausgewählten Arien und Ensembles von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Simon Mayr und Gaetano Donizetti. Während die Generalprobe am Nachmittag noch bei Regen stattfand, wurde die Premiere am frühen Abend mit strahlendem Sonnenschein belohnt.

Das in den Schlosshof einfallende Sonnenlicht tauchte das mittelalterliche Gemäuer in ein warmes Gelb und sorgte damit für eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre. Beinahe wirkte es, als läge das Schloss in freudiger Erwartung auf das musikalische Gedenken an seinen einstigen Musiklehrer Johann Simon Mayr, der Ende des 18. Jahrhunderts dort unter dem Regiment des Freiherrn Thomas von Bassus zahlreiche Schüler unterrichtet hatte.

Bereits an der Abendkasse zeigte sich, dass der Abend einige Überraschungen bereithielt. Die Konzertbesucher erhielten zwar ein Informationsblatt zu den Teilnehmern des Meisterkurses, doch ein Programmheft, das die Zuhörer üblicherweise durch den Abend führt, blieb aus. Sogar der Präsident der Internationalen Simon-Mayr-Gesellschaft, Professor Joachim Genosko, zeigte sich völlig unwissend über den Ablauf des Abends. "Alle sollen überrascht werden, nicht einmal die Vorstandschaft weiß, was sie erwartet." Spezielle Erwartungen an den Abend hatte er keine, er wollte einfach sehen, ob sich der Kurs für die Sänger gelohnt habe. Abhängig davon - und von den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln - würde über eine Wiederholung dieses Pilotprojekts entschieden werden.
 
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Bei seiner Begrüßung betonte Genosko, wie sehr es ihm am Herzen liege, die Musik von Johann Simon Mayr auf allen möglichen Kanälen in der Region und darüber hinaus darbieten zu können. Über die Möglichkeit, Schloss Sandersdorf, das historisch eng mit dem berühmten Komponisten verbunden ist, nutzen zu können, sei er sehr dankbar. Und dass er die beiden hoch geschätzten Maestri Andreas Pascal Heinzmann und Marcus Everding zusammen mit der wunderbaren Korrepetitorin Amy Brinkman-Davis für dieses Projekt gewinnen konnte, begeisterte ihn nach wie vor.

"Ich heiße Hitomi Kawai. Ich komme aus Japan. Ich bin Sängerin. Ich werde Ihnen heute etwas von mir zeigen", stellte sich die erste Protagonistin vor. Vervollständigt wurde diese Vorstellung durch ein im Chor gerufenes "wir" der übrigen Sänger. In dieser Art und Weise stellte sich einer nach dem anderen vor und der Zuhörer bekam ein Gefühl dafür, wie stark die Gruppe in der zurückliegenden Woche zusammengewachsen war.

Das Programm beinhaltete von den Dozenten vorgegebene Pflichtstücke und Wunschstücke der Teilnehmer. Zunächst bekamen die Zuhörer ein Ensemble aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Le nozze di Figaro" als Sextett präsentiert. "Präsentiert, nicht inszeniert", betonte Dirigent Andreas Pascal Heinzmann, denn die Inszenierung käme erst später. Heinzmann und Everding führten das Publikum mit beschwingten und erheiternden Erläuterungen zu den jeweiligen Darbietungen durch den Abend.
Auch schauspielerisches Talent (Stichwort Musiktheater) wurde bewiesen. Heike Haberl von der Gesellschaft verteilt Rosen an die sieben Schüler und drei Dozenten.
Auch schauspielerisches Talent (Stichwort Musiktheater) wurde bewiesen. Heike Haberl von der Gesellschaft verteilt Rosen an die sieben Schüler und drei Dozenten.
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Auf klassische Bühnenbilder wurde bewusst verzichtet - diese Aufgabe übernahmen bei den Arien mindestens zwei sogenannte Paten. Folglich stand der Solist nicht alleine auf der Bühne, er wurde von seinen Kollegen schauspielerisch begleitet. So hörte das Publikum nicht nur, es konnte die Handlung auch sehen und begreifen. Das Besondere daran war, dass weder Heinzmann noch Everding im Vorfeld wussten, was die Paten machen würden, und auch die Solisten wurden vom lebenden Bühnenbild überrascht. Denn geprobt wurden die jeweiligen Kombinationen nicht. Als Hitomi Kawai eine Arie aus Donizettis Oper "La favorite" anstimmte, waren Andreas Agler und Alessia Broch das lebende Bühnenbild: Sie bewegten sich vorsichtig um die Solistin herum, näherten sich ihr, wandten sich wieder ab, legten ihr die Hände auf die Schultern und hielten ihre Hand. Der Schmerz, den Leonora gefühlt haben muss, als sie für ihren Geliebten sang, den sie nicht haben durfte, wurde für die Zuschauer nahezu greifbar.

Wie eingehend versprochen, bekamen die Besucher Mozarts "Figaro" auch inszeniert dargeboten und konnten sich selbst ein Bild davon machen, wie unterschiedlich ein und dasselbe Stück als Präsentation und als Inszenierung wahrgenommen wird. Die Inszenierung riss das Publikum mit - ganz ohne professionelles Bühnenbild und aufwendige Kostüme.

Natürlich wurden auch Stücke von Johann Simon Mayr präsentiert. Denn was wäre eine Veranstaltung der Simon-Mayr-Gesellschaft auf Schloss Sandersdorf, ohne dem hiesigen Komponisten die ihm gebührende Ehre zu erweisen?

Der Regisseur Marcus Everding bedankte sich nach der etwa eineinhalbstündigen Vorstellung bei der Simon-Mayr-Gesellschaft, dass sie auf die Idee für ein so großartiges Projekt gekommen war. "Wenn Kunst nicht aus uns selbst kommt, wie sollen wir sie dann vermitteln?", fragte er sich selbst und die Zuhörer.

Die Besucher belohnten die Künstler und deren Lehrmeister mit minutenlangem Applaus. Die Altmannsteiner Vizebürgermeisterin Hannelore Eichenseher bedauerte, dass nicht mehr Besucher den Weg zum Sandersdorfer Schloss gefunden hatten, denn sie war begeistert, was die Meisterschüler alles innerhalb von einer Woche auf die Beine gestellt haben. "Das Konzert war erfrischend schön", schwärmte sie weiter und auch für Joachim Genosko war die erste Meisterschule dieser Art ein voller Erfolg.
Katrin Trattner
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