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Empörung über Reformpläne des BR: TV-Magazin "Quer" dreht bei der Schambachtaler Blaskapelle

"Volksmusik ist Kult"

Steinsdorf
erstellt am 10.02.2016 um 19:34 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 07:22 Uhr | x gelesen
Steinsdorf (rat) Dem Bayerischen Rundfunk schlägt eine Welle der Empörung entgegen, weil im Programm Bayern 1 die Volksmusik ganz gestrichen werden soll. Das TV-Magazin "Quer" griff dieses Thema nun auf und drehte am Dienstagabend bei der Schambachtaler Blaskapelle in Steinsdorf.

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Eigentlich hätte die Kapelle an diesem Abend gar nicht geprobt, aber für das Fernsehteam ließen sich die Musikanten um den Dirigenten Johann Kuffer natürlich in Windeseile mobilisieren. Die Schambachtaler waren erst vor einem Jahr in der Sendung von Kultmoderator Christoph Süß zu sehen, und wurden für ihre hervorragende Jugendarbeit gelobt. Nun waren die "Quer"-Reporterin Bärbel Bielek und ihr Kameramann Rodolfo Fernandez-Link erneut ins Dorfgemeinschaftshaus in Steinsdorf gekommen.

Das kritische Polit- und Satiremagazin "Quer" läuft bereits seit 18 Jahren im Bayerischen Fernsehen. Im vergangenen Jahr habe man erneut einen Rekord bei den Einschaltquoten geschafft, berichtete Bärbel Bielek. Die Redakteurin arbeitet seit dem Jahr 2002 für "Quer". Die Dreharbeiten in Steinsdorf standen etwas unter Zeitdruck, denn der Beitrag soll bereits heute um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden. Bielek gibt unumwunden zu, dass Volksmusik bislang nicht zu ihren Leidenschaften zählte. "Aber ich habe mich in den vergangenen Tagen eingehört und bin nun sehr begeistert." So wunderte auch sie sich, dass der Bayerische Rundfunk die Blas- und Volksmusik ab dem 15. Mai in den Digitalkanal BR Heimat verbannen will. Bislang hatte Bayern 1 täglich von 19 bis 20 Uhr und an jedem Sonntag von 11 bis 12 Uhr volkstümliche Klänge gesendet.

Dass damit bald Schluss sein soll, erbost nicht nur Ludwig Maier, den Vorsitzenden der Schambachtaler Blaskapelle. "Wenn abends Volksmusik losgeht, dann ist Feierabend." Das seien fest etablierte Sendeplätze wie der "Tatort" oder "Heute im Stadion". Maier ist sicher, dass die breite Masse den Reformplänen des Senders ablehnend gegenübersteht. Auch er spricht sich gegen die Verschiebung des weiß-blauen Musikstils, der für die bayerische Tradition und das hiesige Lebensgefühl stehe, in den digitalen Spartenkanal aus. "BR Heimat ist doch zweite Liga", ereiferte sich Maier. Er prophezeite, dass die Volksmusik auf diesem Sender viel weniger Menschen erreichen werde. Noch dazu brauche man ein spezielles Empfangsgerät und im gewöhnlichen Autoradio sei BR Heimat ebenfalls nicht abrufbar. "Ich spiele aus Überzeugung Blasmusik", betonte der Vereinsvorsitzende. Umso schlimmer findet er, dass der für die Traditionspflege zuständige Musikbund den Plänen des Senders sogar zugestimmt hat.

Er sei über die Entscheidung ebenfalls enttäuscht, meinte Johann Kuffer. Bayern 1 habe eine viel höhere Reichweite als BR Heimat. "Außerdem reden die Moderatoren bei Bayern 1 so wie wir - und nicht ein aufgesetztes, gekünsteltes Großstadt-Bayrisch." Für den Altmannsteiner CSU-Marktrat ist Volksmusik einfach Kult. "Als Nächstes wird dann noch das Zwölfuhrläuten abgeschafft", befürchtete Kuffer.

Der jüngste in der Runde, die vor die Kamera von "Quer" trat, war Andreas Winkler. Auch er wunderte sich über die Entscheidung des BR, denn derzeit laufe dank Künstlern wie LaBrassBanda oder dem Keller Steff eine "bayerische Welle" durch das Land. "Mehr von dieser Musik wäre für den Sender ein Alleinstellungsmerkmal." Denn die Konkurrenz im Äther sei auf diesen Trend noch nicht aufgesprungen. "Aber der BR ist eben immer hinten dran." Sogar er als junger Mensch möge nicht mehr den ganzen Tag lang Gute-Laune-Musik und Verkehrsmeldungen im Radio hören, sagte Winkler.

Von Harald Rast
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