Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Zu heißer Sommer: WBV-Geschäftsführer Josef Lohr befürchtet fatale Folgen für heimische Wälder

Sogar die Laubhölzer leiden

Altmannstein
erstellt am 12.10.2018 um 18:01 Uhr
aktualisiert am 17.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Altmannstein/Oberdolling (rat/ DK) Die Wälder um Altmannstein haben extrem unter dem heißen und viel zu trockenen Sommer gelitten. Nicht nur die Fichten, sondern sogar die Laubbaumbestände zeigen nun erstmals Anzeichen einer Schädigung. Das berichtet Josef Lohr, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Altmannstein und Umgebung.
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Dieser Baumbestand nahe Beilngries war so heftig vom Borkenkäfer befallen, dass die Bäume inzwischen gefällt wurden.
Dieser Baumbestand nahe Beilngries war so heftig vom Borkenkäfer befallen, dass die Bäume inzwischen gefällt wurden.
WBV
Altmannstein
Der Bürgermeister von Oberdolling kennt die Lage auf den rund 20000 Hektar großen Waldflächen des Vereinsgebietes der Selbsthilfeeinrichtung genau. "Die Situation ist schwierig", bedauert er im Gespräch mit dem DONAUKURIER. "Denn die Bäume gehen geschwächt in den Winter." Vor allem im südlichen Vereinsgebiet mit dem Köschinger Forst seien erhebliche Schäden zu verzeichnen. Was Lohr besonders beunruhigt: Die Altbestände sind massiv vom Borkenkäfer befallen, aber nach dem Hitzesommer würden erstmals auch junge Bäume von Buchdrucker und Kupferstecher heimgesucht.

Lohr und die regionalen Waldbesitzer hoffen händeringend auf Regen. Davon würden nicht nur die bestehenden Bäume profitieren, sondern auch künftige. Denn die Herbstkultur muss gepflanzt werden, dann könnten die zarten Pflanzen von der Winterfeuchte profitieren. Doch derzeit ist es viel zu trocken. "Es knirscht und knackst nur noch, wenn man durch den Wald geht", sagt Lohr. Dabei sei die Lage schon vor diesem Rekordsommer kritisch gewesen. "Wir hatten in allen Jahren seit 2015 viel zu wenig Niederschläge." Nur Regen im Winter sei nicht ausreichend, denn die Bäume könnten die Flüssigkeit während ihrer Winterruhe nicht aufnehmen.

Deshalb darben nicht nur die Fichtenbestände. "Das Laubholz sieht heuer erstmals schlecht aus, die Buchen haben bereits Anfang August ihre Blätter abgeworfen", stellt Lohr fest. Nicht einmal die robusten Eichen seien von Schädigungen verschont geblieben. Ob diese von Dauer sind, weiß Lohr noch nicht. Das müsse abgewartet werden. Fest steht aber schon, dass die durch den Wassermangel belasteten Laubbäume anfälliger für Schädlinge, Pilze und Krankheiten geworden sind. "Der Eichenprozessionsspinner breitet sich aus." Und der Borkenkäfer gewinnt immer mehr Zeit, zusätzliche Populationen zu zeugen. Sollte der Winter sehr mild werden, dann könne sich der gefürchtete Schädling auch während der kalten Jahreszeit entwickeln und dann umso früher ausschwärmen.

Dabei waren die in der Altmannsteiner Vereinigung zusammengeschlossenen Waldbesitzer mit dem Umbau ihrer Wälder - weg von den Fichten-Monokulturen hin zu einer breiten Artenfülle - schon gut vorangekommen. Aber nun herrscht nach den Worten von Lohr Ratlosigkeit, was der Baum der Zukunft sein könnte.

Gleiches lässt sich über die wirtschaftliche Situation der Waldbesitzer sagen. Die hohen Schadholzmengen nach den Stürmen im vergangenen Jahr, der trockene Sommer und der daraus resultierende rapide Anstieg der Borkenkäferschäden treffen viele Waldbesitzer laut Lohr sehr hart. Zu den rund 18 Millionen Festmetern Sturmholz als Folge eines Januar-sturms kommen in Deutschland mehr als zehn Millionen Festmeter an Schadholz wegen des Borkenkäferbefalls. Eine zusätzliche Hiobsbotschaft erreicht die Waldbesitzer aus Tschechien: Das dortige Forstministerium schätzt den Borkenkäferanfall auf bis zu 20 Millionen Festmeter allein in diesem Jahr. "Der Borkenkäfer hat sich nun zu einem Problem unserer europäischen Nachbarn ausgeweitet", stellt Lohr fest.

Allerdings gebe es dank der florierenden Bauwirtschaft eine hohe Nachfrage nach Nadelschnittholz. Davon profitiere derzeit fast die gesamte Wertschöpfungskette in der Forstwirtschaft, also die Sägewerke und der Schnittholzhandel. "Der einzige, der keinen Nutzen daraus zieht, ist der Waldbesitzer." Grund dafür sei ein hohes Angebot an Nadelrundholz aus der Aufarbeitung der Hölzer aus Sturm- und Borkenkäfergebieten. Zudem gelangten große Mengen an Rundholz aus den Sturmwurfregionen in Mittel- und Norddeutschland sowie Käferholz aus Tschechien auf der Schiene nach Bayern.

Das Förderprogramm der insektizidfreien Borkenkäferbekämpfung wurde von vielen betroffenen Waldbesitzern in Anspruch genommen. Dabei musste das befallene Schadholz auf zugelassenen Lagerplätzen 500 Meter außerhalb des Waldes gelagert werden. Dieses Förderprogramm endet nun am 15.Oktober, betont Lohr.

Er fordert alle Waldbesitzer auf, der "Käfersuche und Aufarbeitung des Kalamitätsholzes in den Herbst- und Wintermonaten" höchste Priorität einzuräumen. Der Einschlag von frischem Fichtenholz sollte dagegen reduziert werden.

Der Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung ist überzeugt, dass der globale Klimawandel der Auslöser der Probleme ist. Wer das noch nicht verstanden habe, der müsse nur durch einen Wald gehen, erklärt Josef Lohr.
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