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Mörtel, Kelle, Wasserwaage: Diese drei Dinge gehören zum Handwerkszeug eines Maurers. Technische Neuerungen haben den einstigen Knochenjob in die Jetztzeit geholt. Und auch das Ausbildungsprofil hat sich starkt gewandelt, wie Tim Gebhart im ersten Teil unserer Serie "Junges Handwerk" erklärt. Von Lorenz Erl

"Selbst die Steine sind leichter geworden"

erstellt am 29.05.2018 um 18:01 Uhr
aktualisiert am 02.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Mörtel, Kelle, Wasserwaage: Diese drei Dinge gehören zum Handwerkszeug eines Maurers. Technische Neuerungen haben den einstigen Knochenjob in die Jetztzeit geholt. Und auch das Ausbildungsprofil hat sich starkt gewandelt, wie Tim Gebhart im ersten Teil unserer Serie "Junges Handwerk" erklärt.
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Mehr als Steine stapeln: Tim Gebhart hat sich bewusst dafür entschieden, das Maurerhandwerk zu erlernen. ?Nach der Gesellenprüfung möchte ich ein duales Studium zum Bauingeneur beginnen ? und fachlich Bescheid wissen?, begründet er.
Mehr als Steine stapeln: Tim Gebhart hat sich bewusst dafür entschieden, das Maurerhandwerk zu erlernen. "Nach der Gesellenprüfung möchte ich ein duales Studium zum Bauingeneur beginnen ? und fachlich Bescheid wissen", begründet er.
Foto: Erl
Obereggersberg (DK) Die Maurerkelle liegt Tim Gebhart gut in der Hand. Geschickt füllt der 19-Jährige den Mörtel in die Zwischenräume der Ziegel und misst bisweilen mit der Wasserwaage, damit die Mauer für das spätere Eigenheim einer jungen Familie auch lotrecht steht. Noch vor einem Jahr hatte Tim Gebhart zumeist Kugelschreiber in der Hand und eine PC-Tastatur unter den Fingern, saß auf der Schulbank und schrieb sein Fachabitur. Die Entscheidung, warum er nach seinem Schulabschluss eine Maurerlehre begann, hat für ihn ganz praktische Gründe. "Nach der Gesellenprüfung möchte ich ein duales Studium zum Bauingenieur beginnen. Ich will ja fachlich Bescheid wissen, wenn ich später mal für eine Baustelle die Verantwortung habe", erklärt er zielbewusst.

Maurer - das weiß er schon längst - ist kein Job, den man einfach mal so lernt. Das muss eine bewusste Entscheidung sein, denn es ist ein so anspruchsvoller wie anstrengender Beruf. Nicht nur deshalb, weil man zumeist bei Sonne und Regen draußen ist. Vor allem aber ist es ein Beruf, der täglich neue Herausforderungen bringt und bei dem man weder monoton die gleichen Handgriffe ausführt noch sich einer Maschinentaktung unterordnen muss. "Man sieht beim Feierabend, was man tagsüber gemacht hat. Am Anfang der Arbeiten ist nur ein leerer Platz, zum Schluss steht dort ein Haus", beschreibt Tim Gebhart die Erfolgsmomente seines Berufs.

Anstrengend ist das Maurerhandwerk nach wie vor und vor allem in den Anfangswochen spürte er abends seine Knochen. "Das Fitnessstudio kann ich mir jetzt sparen", schmunzelt er. Doch so ein Knochenjob, wie es die Generationen vor ihm erlebten, ist die Arbeit längst nicht mehr. "Wir haben hydraulische Hebebühnen, damit die Leute immer auf optimaler Arbeitshöhe sein können, und Kräne sind sowieso obligatorisch. Für alles, was zu heben ist, gibt es ein Hilfsmittel", informiert Gebharts Chef Günther Goppold über das zeitgemäße Arbeitsumfeld.

Vieles im Bauwesen hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Durch Systemtechnik werden beispielsweise Geschossdecken präzise extern vorgefertigt und per Kran auf das Mauerwerk gesetzt. Auch Betontreppen kommen oftmals per Schwerlaster angeliefert und werden wie bei einem Lego-System fast ohne menschliche Kraftanstrengung an die gewünschte Stelle gesetzt. "Die körperliche Anstrengung ist weit nicht mehr so hoch wie früher, selbst die Steine sind leichter geworden", weiß Maurermeister Günther Goppold.

Täglicher Arbeitsbeginn ist um 6.30 Uhr am Firmensitz in Baiersdorf. Dort werden die Teams für den Tag gebildet, die Aufgaben verteilt und das Firmenfahrzeug mit den benötigten Materialien beladen. "An das frühe Aufstehen gewöhnt man sich", meint Tim Gebhart. Bereits in den Ferien hatte er bei Baufirmen gejobbt und so ist ihm diese Arbeitswelt nicht fremd. Zudem ist seine Freundin Bauzeichnerin und auch die Familienmitglieder sind alle im Bau- und Liegenschaftsbereich tätig. "Die sind von meinem Weg begeistert und unterstützen mich", weiß der junge Fachabiturient.

Während seiner Ausbildung lernt der 19-Jährige weit mehr, als nur Steine aneinander zu schlichten. Als Maurer muss er die Baupläne des Architekten lesen und verstehen können und dann natürlich in die Realität umsetzen. Baupläne zu lesen lernt man zwar während der Berufsschulzeit, aber die Verbindung zur Praxis gibt es dabei nur ganz real auf der Baustelle. Ziel der Ausbildung ist es, Praxis und Theorie zu verknüpfen und den Maurer zu befähigen, die täglichen Aufgaben bei Neubauten, Sanierungen oder im Innenausbau individuell zu lösen. "Jede Baustelle ist anders, mit immer wieder neuen Herausforderungen und auch die Technik dafür ändert sich laufend. Das macht sicherlich den Reiz des Berufes aus", weiß sein Chef.

Anerkennung für ihre Leistungen bekommen Tim Gebhart und seine Kollegen auch vom Bauherrn, Thomas Bauer. "Es ist schon ein beruhigendes Gefühl, wenn ausgebildete Fachleute mein Haus bauen", versichert er.

Lorenz Erl
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