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Die Einsatzzentrale der Riedenburger Wehr soll auf den aktuellen technischen Stand gebracht werden

Schluss mit der Notlösung

Riedenburg
erstellt am 11.01.2018 um 19:03 Uhr
aktualisiert am 15.01.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Riedenburg (DK) Um für die Zukunft gewappnet zu sein, soll die Einsatzzentrale der Stützpunktfeuerwehr Riedenburg technisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Wie die Arbeit mit der Einsatzsoftware Lumis funktioniert, hat sich der Riedenburger Bauausschuss nun in Langquaid angeschaut.
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Riedenburg: Schluss mit der Notlösung
Wie eine zeitgemäße Einsatzzentrale aussehen kann, haben sich die Mitglieder des Riedenburger Bauausschusses bei der Feuerwehr Langquaid angeschaut (oben). In Riedenburg arbeitet man noch weitgehend analog, wie Kommandant Johann Bühler erklärte (unten, links). Mittels einer neuen Schnittstelle könnten die Koordinaten künftig mit einem Knopfdruck an die Einsatzkräfte weitergeleitet werden. - Fotos: Schmied
Riedenburg

Bei der geplanten Umrüstung geht es in erster Linie um die Einführung eines neuen EDV-Programms. "Die Kosten dafür bewegen sich zwischen 60 000 und 80 000 Euro", erklärte Bürgermeister Siegfried Lösch den Mitgliedern des Ausschusses für Bauangelegenheiten, Verkehr und Umwelt bei der Besichtigung der Einsatzzentrale im Riedenburger Feuerwehrhaus. Die Umbaumaßnahme sei nötig, da die Stützpunktfeuerwehr Riedenburg neben einigen weiteren Wehren im Landkreis Kelheim künftig als Dreh- und Angelpunkt für die Koordination von Großeinsätzen fungieren soll. "Etwa bei einer Vermisstensuche oder bei Unwetterlagen", erläuterte Kommandant Johann Bühler. Hintergrund sei, dass diese Aufgabe seit etwa eineinhalb Jahren von der Integrierten Leitstelle in Landshut bei Bedarf zunächst auf Kreisebene und dann weiter zu einigen Stützpunktfeuerwehren delegiert wird. "Gerade bei Unwettern, wenn viele Notrufe in kurzer Zeit eingehen, können das die sechs Disponenten, die in Landshut für drei Landkreise zuständig sind, unmöglich alleine stemmen", so Bühler.

Für diese Aufgabenteilung sei die Einsatzsteuerungssoftware namens Lumis unabdingbar, so der Riedenburger Kommandant. In weiten Teilen des Landkreises Kelheim komme sie bereits zur Anwendung. "Wir sind eine der letzten Wehren, die umrüstet." Die Steuerung eines Einsatzes kann damit erheblich erleichtert werden - und die Hilfe schneller ankommen. Bereits bei der Integrierten Leitstelle werden bei Großschadenslagen die Notrufe in zwei Kategorien eingeteilt. "Landshut ist weiterhin für die Alarmierung des Rettungsdiensts zuständig. Wenn es um einen Vorfall in Riedenburg geht, kommt dieser dagegen direkt bei uns an", erläuterte Bühler. In der neuen Steuerungssoftware kann dabei bereits in Landshut ein neuer Einsatz angelegt werden, in dem die Riedenburger nahtlos weiterarbeiten können - eben weil man hier wie dort dasselbe Programm verwendet. Minuziös wird dabei zudem dokumentiert, wer wann angerufen hat oder welches Feuerwehrfahrzeug wohin gefahren ist. "Dieses Protokoll ist auch meine Grundlage für die Abrechnung des Einsatzes", sagte Sabrina Gaul, im Riedenburger Rathaus zuständig für die Feuerwehren in der Großgemeinde.

Was nach einer enormen Erleichterung klingt, muss in Riedenburg allerdings erst eingerichtet werden. "Im Moment arbeiten wir hier in der Einsatzzentrale noch völlig analog", meinte Bühler. Trotz der Einführung des Digitalfunks sei man quasi von der Außenwelt abgeschnitten, wenn man in dem kleinen Zimmer im Gerätehaus sitzt. Als Notlösung, so formuliert es der Kommandant, steht ein Feuerwehrauto im Hof, um die Funkverbindung zu den Kollegen am Einsatzort zu halten. "Wir arbeiten sozusagen mit Zettel und Stift. Das ist nicht gut."

Wie es anders geht, schauten sich die Mitglieder des Bauausschusses in der Einsatzzentrale der Stützpunktfeuerwehr Langquaid an. Dort standen Kommandant Rainer Wochenslander und Vize-Vorsitzender Hannes Gottswinter Rede und Antwort. Vor zwei Jahren habe man Lumis angeschafft, sagte Wochenslander. Während in der Zentrale in Riedenburg das Telefon noch an der Schnur hängt, reihen sich in Langquaid fünf Bildschirme aneinander. Vier davon stehen für Lumis bereit. "Drei sind ein Muss, der Vierte ist ein Zuckerl - aber ein sinnvolles", berichtete Wochenslander aus seiner Erfahrung mit der Software. In der Regel flimmert über einen Bildschirm bei Großeinsätzen das Einsatzprogramm, auf einem weiteren der Lageplan, auf dem dritten das E-Mail-Programm, über das ebenfalls neue Einsätze von Landshut nach Langquaid wandern. "Auf dem großen Bildschirm ist eine Karte zu sehen - für die Übersicht", erklärte Wochenslander. Neben drei Feuerwehrmännern ist auch ein Verantwortlicher der Feuerwehrführung anwesend. "Nur er ist bemächtigt, Entscheidungen zu treffen. Etwa, ob man nachalarmieren muss", sagte Gottswinter.

Bei der Koordination der verschiedenen Kanäle - also der Funkverbindungen und der Einsatzsoftware - kommt die Schnittstelle namens Lardis ins Spiel. Auch sie soll in Riedenburg Einzug halten. "Bislang haben wir einen Kanal. Der ist bei Großschadenslagen immer belegt. Mit Lardis kann man unzählig viele Gruppen verwalten", erklärte Bühler. Wenn ein Einsatz in der Zentrale ankommt, könne er mit einem Knopfdruck etwa die Koordinaten des Einsatzortes an das Navigationsgerät des Feuerwehrautos weiterleiten, das dorthin fahren soll. "Der Zugführer drückt dann einfach auf los und weiß, wo er hin muss", berichtete Wochenslander.

Bis die Riedenburger Feuerwehrmänner mit der neuen Software vertraut sind, werde es zwar einige Zeit dauern. "Das Personal dafür haben wir. Zehn bis 15 Personen werden den Umgang mit Lumis und Lardis erlernen", kündigte Bühler an. Die Mitglieder des Bauausschusses waren sich einig, dass die Anschaffung, wenn auch kostspielig, so doch unumgänglich ist. Die Entscheidung trifft nun der Stadtrat.

Von Kathrin Schmied
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