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Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer zu Besuch in der Mädchenrealschule

"Da müsst ihr noch ran"

Riedenburg
erstellt am 13.03.2018 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 17.03.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Riedenburg (DK) Die Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer hat sich einen Vormittag lang den teils kritischen Fragen junger Frauen gestellt. Der Grund: Anlässlich des Tags der freien Schulen besuchte die SPD-Politikerin die Riedenburger Mädchenrealschule St. Anna.
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Riedenburg: "Da müsst ihr noch ran"
Foto: Kathrin Schmied
Riedenburg

Was sagen Sie zum Absturz der SPD? Was halten Sie von der GroKo? Oder von Bundeskanzlerin Angela Merkel? Und warum werden soziale Berufe eigentlich so schlecht bezahlt? An Gesprächsstoff mangelt es an diesem Montagvormittag wahrlich nicht. Dicht an dicht haben die Realschülerinnen im Klassenzimmer die Stühle gestellt, auf denen sie jetzt sitzen und so einen guten Blick auf den Gast haben, der sie heute beehrt. Die SPD-Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer ist in ihrem "natürlich roten Auto", wie so launig erzählt, nach Riedenburg gekommen, um den jungen Frauen eine Unterrichtsstunde zu schenken. So nämlich lautet das Motto der Aktion anlässlich des Tags der freien Schulen, den der Verband Bayerischer Privatschulen, das Katholische Schulwerk in Bayern und die Evangelische Schulstiftung in Bayern organisieren. Während staatliche Schulen vom Staat finanziert werden, übernehmen die Trägerschaft für freie Schulen andere Verbände, im Fall der Mädchenrealschule ist das die Schulstiftung der Diözese Regensburg.

"Ich freue mich, hier zu sein, und hoffe, eure Fragen beantworten zu können", schickt die Abgeordnete voraus. Mit ihrer Meinung hinterm Berg hält die Neustädterin nicht. Anderes wäre man auch nicht von ihr gewohnt. Betont offen beantwortet sie alles, was die Sozialkundeklassen von Stefan Stiglmaier und Christian Grepmeier wissen wollen. Warum soziale Berufe nicht angemessen bezahlt seien, liege etwa daran, dass es sich um "Frauenberufe" handle. "Diese Tätigkeiten sind nicht hoch genug angesehen, obwohl man Verantwortung ohne Ende trägt", sagt die gelernte Erzieherin. Die landläufige Meinung sei oft, dass man als Kindergärtnerin oder Altenpflegerin keine großartige Ausbildung braucht, weil das ja Tätigkeiten sind, die man als Frau mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen ohnehin ausüben müsse. "Das stimmt aber einfach nicht", stellt Werner-Muggendorfer klar. Aus eigener Erfahrung wisse sie, dass es vor diesem Hintergrund wichtig ist, als Frau den Mund aufzumachen.

Abgesehen davon, dass sie zwar mit der GroKo, allerdings nicht mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin - "Sie hat ihren Zenit überschritten" - einverstanden ist, findet Werner-Muggendorfer es gut, dass eine Frau an der Spitze der Bundesrepublik steht. Gehe es nach ihr, könnte die deutsche Politik noch mehr Weiblichkeit vertragen. "Da müsst ihr noch ran", appellierte sie an die Schülerinnen. "Es müsste euer Anspruch sein, dass man sich auch vom Geschlecht her ordentlich vertreten fühlt, nicht nur von der politischen Ansicht her."

Johanna Werner-Muggendorfer nimmt sich nach der Unterrichtsstunde noch Zeit für ein Videointerview, bei dem Theresa Frommelt die Fragen stellt und Sofia Gehrmann filmt. Von Schulleiter Christian Fackler gibt es dann sogar ein Zeugnis, das er der SPD-Politikerin verbunden mit einem Dankeschön in die Hand drückt. Da viele der teilnehmenden Schülerinnen heuer erstmals wahlberechtigt sind, sei ihm der Besuch der Abgeordneten ein besonderes Anliegen gewesen. Durch den direkten Kontakt können das staatsbürgerliche Interesse der jungen Generation angeregt und die Berührungsängste abgebaut werden, sind sich auch die beiden Sozialkundelehrer sicher.

Von Kathrin Schmied
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