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Gewitter am Montag fällt den letzten Seitenast des Naturdenkmals – Neues Leben aus den Überresten

Die Bavaria-Buche ist tot

Pondorf
erstellt am 20.08.2013 um 18:41 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 12:25 Uhr | x gelesen
Pondorf (uke) Als Christoph Kolumbus Amerika entdeckte, hat sie wahrscheinlich schon ihre Wurzeln ausgestreckt. Wäre sie ein Mensch, hätte sie erlebt, wie schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg den heutigen Altmannsteiner Ortsteil Pondorf niederbrannten, in dessen Nachbarschaft sie wuchs. Viele Kapitel der bayerischen Geschichte hat die Bavaria-Buche er- und überlebt. Nun ist sie selber Geschichte.
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Pondorf: Die Bavaria-Buche ist tot
Zu jeder Jahreszeit hat die Bavaria-Buche ein prächtiges Bild abgegeben. Dieses Foto vom schönsten Baum Europas - hier in herbstlicher Färbung - hat nur noch Erinnerungswert. Arch - foto: Scharnagl
Pondorf

Ein Gewitter hat dem wohl bekanntesten Baum Deutschlands am Montagnachmittag ein Ende bereitet. Er fällte innerhalb von gerade einmal zwei Minuten den letzten großen Seitenast der Rotbuche, die 500 bis 800 Jahre lang Wind und Wetter getrotzt hatte. Damit ist nur noch ein großer Berg aus Ästen und Strauchwerk übrig geblieben von dem einst mächtigen Laubbaum, dessen Krone zu seinen besten Zeiten eine Fläche von 750 Quadratmetern beschattete.

Einer der Ersten, der den Verlust bemerkte, ist der Marktrat und Ortssprecher Johann Bacherl (CSU/PW). Obwohl allgemein bekannt war, dass der Baum in den vergangenen Jahren todkrank war – ein aggressiver Pilz wütete in seinem Inneren – hat Bacherl diese Entdeckung „bis ins Mark“ getroffen. Er ist mit dem Baum aufgewachsen und kann noch gar nicht fassen, dass es ihn nicht mehr gibt. „Als wir Kinder waren, ist die Buche unser Abenteuerspielplatz gewesen“, erinnert er sich. Zwischen den knorrigen Ästen hätten die Dorfbuben gespielt. Jahrelang habe die Silhouette des markanten Baums die Landschaft geprägt. „Jetzt schaut es hier ganz anders aus“, sagt Bacherl. Auch hieran müsse er sich erst gewöhnen. Selbst wenn zum Schluss „höchstens noch ein Viertel“ der früheren Krone übrig gewesen und das Ende somit absehbar war, tue es ihm weh, die alte Dame so am Boden liegen zu sehen.

Auch Hannelore Eichenseher, die amtierende Bürgermeisterin der Marktgemeinde Altmannstein (CSU), muss sich noch mit dem Verlust abfinden. Erst in der vergangenen Woche hat sie bei der Bavaria-Buche vorbeigeschaut, nicht ahnend, dass es ein Abschiedsbesuch werden würde. Bei den wöchentlichen Gästebegrüßungen, erzählt Eichenseher, habe sie den Urlaubern, die noch die Fotomotive vom prächtigsten Baum Europas zu allen vier Jahreszeiten vor Augen hatten, abgeraten, dort vorbeizuschauen. Allzu jämmerlich sei das Bild gewesen, das sie zuletzt abgab, allzu groß hätte die Enttäuschung der Gäste sein können.
 

 

 

Eine besondere Beziehung zu dem Baum hat auch Johannes Bauch. Der Umweltpädagoge vom Infozentrum des Naturparks Altmühltal war von Anfang an an dem Projekt „Kinder der Bavaria-Buche“ beteiligt, das der Landkreis Eichstätt, der Naturpark und die Bayerische Staatsforstverwaltung vor mehr als 13 Jahren ins Leben riefen, um den Mythos Bavaria-Buche weiterleben zu lassen. Rund 700 Zöglinge sind seitdem gegen eine Spende für Naturschutzzwecke abgegeben worden.

Riedenburg: Bavaria-Buche bei Pondorf ist tot
Nor noch ein Gewirr von Ästen ist von der Bavaria-Buche übrig geblieben.
Kirschner
Pondorf
Bauch hat die Bavaria-Buche regelmäßig besucht und ihr langsames Sterben mit der Kamera dokumentiert. Ihr dennoch schneller Tod kommt für ihn nicht weiter überraschend. „Vor zehn Tagen war ich noch einmal dort“, sagt er. Als er die große Höhle gesehen habe, die der Pilz in den Stamm gefressen hat, sei ihm klar geworden, dass es nicht mehr lange dauern werde. „Da hätte es keinen Herbststurm mehr gebraucht, um ihr den Rest zu geben“, ist er sich sicher. Auch die blasse Färbung des Laubs habe auf ein baldiges Ende hingedeutet. „Die Buche war zuletzt komplett von Pilzfasern durchzogen“, hat der Experte erkannt.

„Alle Rettungsversuche wären umsonst gewesen“, ist sich Bauch sicher, der von Anfang an die Entscheidung des Natur- und Umweltausschusses im Kreis begrüßt hatte, den Baum in Würde sterben zu lassen. „Es war der richtige Weg“, bestätigt auch Eichenseher.

Immer wieder hatten abbrechende Äste das herannahende Ende des Naturdenkmals angekündigt. Da diese eine Gefährdung für die Menschen darstellten, war schon vor einigen Jahren ein Schutzzaun aufgestellt worden.

Das Ende der Bavaria-Buche soll jedoch kein Trauriges sein. Sowohl Johannes Bauch als auch die Menschen in der näheren Umgebung haben längst akzeptiert, dass alles vergänglich ist, und dass auch Bäume sterben müssen. Doch nicht nur in ihren Kindern, die unter anderem vor Schloss Bellevue, vor der Staatskanzlei und der Grundschule Sandersdorf stehen, wird die Buche weiterleben. Auch auf ihren Überresten soll neues Leben wachsen. „Die Äste bleiben liegen“, sagt Bauch. Der vermodernde Stumpf wird als sogenannter Totholz-Lebensraum Insekten und Pilze beherbergen. Und die Kinder der Bavaria-Buche, die dort gesetzt wurden, werden irgendwann einmal gemeinsam einen Buchenhain bilden. Damit sie unbehelligt heranwachsen können, soll der Zaun auf jeden Fall stehen bleiben.

Ob allerdings der Hinweis auf die Bavaria-Buche auf der Verkehrstafel in Pondorf so stehen bleibt, das wird sich noch zeigen. Seit Montag weist er schließlich auf ein Denkmal hin, das es nicht mehr gibt. „Damit werden wir uns im Marktrat auf jeden Fall befassen müssen“, sagt Hannelore Eichenseher.

 

Von Ursula Kirschner
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