Donnerstag, 21. Juni 2018
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Kelheimer Kreisverband der Landfrauen feiert 70-jähriges Bestehen Hochgesang auf Bäuerinnen

Von der Biederfrau zum Multitalent

Neustadt
erstellt am 13.03.2018 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 17.03.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Neustadt (DK) Wie in ihrem Arbeitsalltag bewiesen die Landfrauen aus dem Landkreis Kelheim auch bei den Vorbereitungen und der Umsetzung der Feier anlässlich des 70. Geburtstags ihrer Organisation Einfallsreichtum und Perfektion. Mit anhaltendem Beifall zollten die Festgäste ihre Anerkennung.
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Neustadt: Von der Biederfrau zum Multitalent
Beim Interview standen auch Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer (Mitte) und Kelheims Landrat Martin Neumeyer (rechts) Vize-Kreisbäuerin Rita Schultes Rede und Antwort. Der Bürgermeister kocht gern selbst, der Landrat schwärmt für Leberspätzlesuppe, war dabei zu erfahren. - Foto: Scholtz
Neustadt

Statt öder Reden zwischen den Gesangseinlagen des Landfrauenchors gab die örtliche Prominenz wie Landrat Martin Neumeyer (CSU), Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer (SPD) und Kreisobmann Thomas Obster sowie Bezirks- und Ehrenkreisbäuerinnen Einblicke in ihre kulinarischen Leidenschaften und das ganz persönliche Heimatgefühl. Statt langweiliger Ehrungen sorgte der fränkische Komödiant Volker Heißmann - das Mariechen im Kult-Witwen-Duo Waltraud und Mariechen - für jede Menge Lacher. Eine unterhaltsame Rückschau auf die 70 Jahre ihres Bestehens gewährte Einblick in die Entwicklung der bäuerlichen Betriebe im Landkreis Kelheim zu modernen Unternehmen mit zielgerichtetem Management durch die Landfrauen, die sich längst weit entfernt haben vom biederen Bauersfrauimage. Die spontane Antwort von Kreisobmann Thomas Obster, als er nach der Bedeutung der Landfrau auf einem modernen Hof gefragt wurde, war daher: "Ohne die Bäuerin ist der Bauer heutzutage aufgeschmissen."

Kreisbäuerin Elli Kreitmeier, selbst daheim in einem Hopfenbetrieb und Lehrerin am Agrarbildungszentrum in Landshut-Schönbrunn, gehört wie ihre Kolleginnen zu der Spezies "Multitalent", zu der die Frau in der Haupt- oder Nebenerwerbslandwirtschaft mittlerweile mutiert ist. Lebensnah zeichnete sie daher das Bild von der Bäuerin, die neben Familie, Haus und Garten noch den Melkroboter kontrolliert, die Kälber füttert oder kurz mal 20 Mittagessen für die Saisonaushilfen zubereitet: "Während andere Frauen ihrem Beruf in Voll- oder Teilzeit nachgehen, führen die Bäuerinnen so nebenbei einen Betrieb."

"So nebenbei" hat Elli Kreitmeier zusammen mit ihrer Stellvertreterin Rita Schultes, dem Vorstandsteam und den Sekretärinnen in der Geschäftsstelle des Bauernverbandes auch das Jubiläum vorbereitet. "Es war viel Arbeit", sagte die Kreisbäuerin. Wie immer wurden alle Aufgaben in der Gemeinschaft perfekt vollendet: die Fertigung der blumigen Tischdekorationen auf den farblich abgestimmten eigens dafür zugeschnittenen Sets, der Schmuck für Bühne und Entrée, wo die Tombola aufgebaut war, ebenfalls bestückt mit selbst gefertigten Preisen oder Köstlichkeiten aus der eigenen Produktion am Hof. Mit Schokomarienkäfern individuell gestaltet waren auch die Tischkärtchen.

Die Damen, von denen sich die meisten zur Feier im Bürgersaal ins Dirndl geworfen hatten, verfügen über Erfahrung und Routine, wenn es ums Organisieren, aber auch um Imagepflege geht. Denn jedes Jahr engagieren sie sich beim Gallimarkt, Gillamoos und Frauenlauf, organisieren Reisen, kulturelle Veranstaltungen, Frühstückstreffen, Landfrauentage, geben Verbrauchern bei Hofbesichtigungen Einblicke in die dortige Arbeit, bieten Erlebnistage für Kinder und vieles mehr.

Volker Heißmann wurde von der amtierenden Kreisbäuerin vor einem Jahr bei einem Auftritt in der evangelischen Kirche in Mainburg ausgemacht. Denn für den Allrounder auf der Bühne gehören Gotteshäuser zur Heimat. Auf seinen Tourneen sucht der geborene Fürther, der seiner Stadt bis heute treu geblieben ist, stets Kirchen auf: "Da ist man daheim und kommt zur Ruhe." Das mag daran liegen, weil der kleine Volker vom Küchenfenster der elterlichen Wohnung aus auf die Fürther Paulskirche schauen konnte. Zudem entdeckte er damals seine Liebe zur Musik im Kirchenchor und die zur Schauspielerei beim Krippenspiel.

Als Elli Kreitmeier ihn nach seinem Gastspiel in der niederbayerischen Hopfenstadt fragte, ob er sich einen Auftritt bei der diesjährigen Feier vorstellen könne, sagte er spontan zu: "Das hab ich zwar noch nicht gemacht, doch wenn Sie es wünschen, dann probieren wir es." Die Premiere gelang vorzüglich, das Publikum schüttete sich aus vor Lachen und konnte noch eine Zugabe herbeiklatschen, bevor sich Heißmann verabschiedete: "Es ist schön, wenn 300 Leute lachen, da spürt man, wie eine Menge Glückshormone frei werden."

Von Gabriele Scholtz
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