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FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner spricht in Neumarkt in brechend vollem Saal

Parforceritt durch die politische Landschaft

Neumarkt
erstellt am 24.07.2017 um 19:28 Uhr
aktualisiert am 28.07.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neumarkt (DK) Einen solchen Andrang hat die Neumarkter FDP in ihrer Geschichte noch nie erlebt. Der Besuch des Bundesvorsitzenden Christian Lindner wirkte wie ein Magnet und der große Saal des Neumarkter Johanneszentrums war nicht nur bis zum letzten Platz besetzt.
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Neumarkt: Parforceritt durch die politische Landschaft
In einem brechend vollen Saal hat Christian Lindner am Wochenende in Neumarkt gesprochen. - Foto: Meyer
Neumarkt

Stühle mussten herangeschleppt werden und viele Zuhörer mit einem Stehplatz vorliebnehmen. Der 38-Jährige ist schließlich der Hoffnungsträger der Liberalen, er hat seine Partei auf Vordermann gebracht. Die FDP ist wieder in den Landtagen von Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein vertreten und beinahe schon auf der Zielgeraden vor dem Wiedereinzug in den Bundestag im Herbst.

Der FDP-Kreisvorsitzende Enrico Pomsel sowie die Ortsvorsitzende Helga Hoerkens und Ulrich Lichte als FDP-Spitzenkandidat in der Oberpfalz bei den Bundestagswahlen begrüßten ihren Parteifreund. Unter die Zuhörer mischten sich auch Oberbürgermeister Thomas Thumann (FW) und sein Herausforderer Richard Graf (CSU) bei den Oberbürgermeisterwahlen im September.

"Das letzte Mal war ich beim Schwammerlsuchen in der Oberpfalz, habe aber mit meiner Frau nichts gefunden. Jetzt habe ich Sie gefunden", eröffnete Lindner humorvoll seine gut halbstündige Rede. Damit stellte er schnell einen Draht zu den Menschen im Saal her. Lindner sprach nicht vor einem Pult, sondern er mischte sich im dampfigen Saal mit schickem Anzug mit dem Mikrofon in der Hand ins Publikum und redete frei - ohne ein Blatt Papier. Lindner machte einen Parforceritt von der Türkeipolitik über Flüchtlinge und den G 20-Gipfel bis zu erneuerbaren Energien und den hohen Preisen für Immobilien. "Eigentum zu erwerben, darf kein Luxus sein. Es muss auch für den Facharbeiter erreichbar sein", so Lindner. Deshalb müsse es einen Freibetrag bei der Grundsteuer bis zu einem Immobilienwert von 250 000 Euro geben. Der Soli müsse nach 2019 auslaufen und die Stromsteuer nach den Vorstellungen der FDP abgeschafft werden. "Mit Wohneigentum wird der Altersarmut entgegengewirkt", betonte der Chef der Liberalen. Der Bund müsse seine Reste an der Post und Telekom verkaufen und die Gelder für einen Masterplan für die digitale Infrastruktur reservieren. Lindner begrüßte die Richtungsänderung der Bundesregierung in der Türkeipolitik. "Erdogan die Grenzen aufzuzeigen, ist auch eine Stütze für die Opposition in der Türkei", sagte Lindner.

Nur verhaltenen Beifall erhielt Lindner bei seiner Forderung, dass Flüchtlinge wieder in ihre alte Heimat zurück sollten, um dort das Land aufzubauen. In der Außenpolitik dürfe man US-Präsident Trump nicht isolieren. "Das wäre derselbe Fehler wie vorher bei Putin", verglich Lindner. Nicht zuletzt aufgrund der Krawalle beim G 20-Gipfel in Hamburg kam Lindner zu der Erkenntnis, dass in Deutschland der Linksextremismus verharmlost werde. Für die Zukunft müsse man lernen, neu zu denken. "Es stellen sich die Fragen, wovon wir in den nächsten Jahrzehnten leben wollen. Die Wirtschaft wird in guten Zeiten ruiniert", konstatierte er.

Um für spätere Jahrzehnte fit zu sein, müsste Deutschland bis zum Jahr 2025 bei den Bildungsinvestitionen an der Weltspitze sein und das digitale Netz müsste im ländlichen Raum ausgebaut sein.

Koalitionsaussagen werde die FDP, so Lindner, nicht machen. "Wir lassen nach den Wahlen unsere Mitglieder darüber entscheiden, was sie wollen", zeigte er den Weg auf und ermunterte gleich die noch nicht FDP-Mitglieder, der Partei beizutreten, um dadurch mehr mitbestimmen zu können. Beitrittsformulare lagen auf jedem Tisch.

Nach seiner Rede stellte sich Lindner etlichen Fragen aus dem Publikum. Lindner warnte vor einer Überakademisierung und einem "Abitur für alle". Er befürwortet die erneuerbaren Energien, möchte aber, dass trotzdem weiter Braunkohle gefördert wird, um den Energiebedarf zu sichern. "Weil es an Trassen und Speicherkapazitäten fehlt." Eine finstere Miene machte Johann Bögl vom gleichnamigen Bauunternehmen, als Lindner Windkrafttürme mitten im Wald ablehnte. "Bei der Windkraft muss Rücksicht auf die Umwelt und die Landschaft genommen werden", betonte er.

Im anschließenden Pressegespräch meinte Lindner, dass ihn der vierte Platz auf der Skala der Beliebtheit beim Politbarometer des ZDF motiviere. Er hält eine Wiederauflage der Großen Koalition für wahrscheinlich. "Wir streben aber die Opposition nicht an", blickte Lindner auf den Herbst. Kreisvorsitzender Enrico Pomsel verabschiedete Lindner mit einem Geschenk aus einer Neumarkter Produktion, nämlich einem edlen Schreibgerät.

Von Franz Xaver Meyer
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