Mittwoch, 21. November 2018
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Projekt im Marktrat vorgestellt: Trasse führt quer durch die Gemeinde Altmannstein

Neue "Höchstspannungsleitung" geplant

Altmannstein
erstellt am 12.07.2018 um 19:16 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Altmannstein (rat) Die durch die Gemeinde Altmannstein führende Hochspannungsleitung soll auf 380 Kilovolt aufgerüstet werden. Dazu ist ein Ersatzneubau mit bis zu 70 Meter hohen und zweistöckigen Masten nötig. Über die Pläne der Firma Tennet, die ab dem Jahr 2026 umgesetzt werden sollen, informierte Bürgermeister Norbert Hummel am Dienstagabend den Marktrat.
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Die bestehende Trasse  mit der 110- und der 220-Kilovolt-Leitung führt auch durch das Gemeindegebiet Altmannstein. Die Wohnbereiche sind mit farbigen Kreisen gekennzeichnet.
Die bestehende Trasse mit der 110- und der 220-Kilovolt-Leitung führt auch durch das Gemeindegebiet Altmannstein. Die Wohnbereiche sind mit farbigen Kreisen gekennzeichnet.
Foto: Tennet
Altmannstein
Hummel sprach von einer "Höchstspannungsleitung", die von Hienheim kommend das Gemeindegebiet erreichen wird. Sie führe dann nordöstlich an Altmannstein vorbei, überquere das Schambachtal und verlasse dann in Richtung des Riedenburger Ortsteils Thann den Zuständigkeitsbereich der Großgemeinde. "Die vorhandene Leitung bleibt stehen, bis die neue in Betrieb ist", erläuterte der CSU-Kommunalpolitiker. Tennet müsse aber zuvor festlegen, auf welcher Seite der bestehenden Trasse die neuen Masten aufgestellt würden. Querungen der bestehenden Hochspannungsleitung seien nicht möglich. Hummel vermutete, dass der parallel verlaufende Neubau südwestlich der in Betrieb befindlichen Hochspannungsleitung erfolgen könnte.

Die 380-Kilovolt-Leitung soll von Raitersaich nach Altheim führen und hat eine Länge von 159 Kilometern. Ziel ist es laut Hummel, den Großraum Nürnberg mit Strom aus dem Kernkraftwerk Isar II und aus Österreich zu versorgen. Konkret werde mit dem Projekt das Bundesbedarfsplangesetz aus dem Jahr 2015 umgesetzt.

Hummel betonte, dass die Abstände zwischen der Höchstspannungsleitung und den Orten zwingend eingehalten werden müssten. "Entscheidend ist, dass die Orte möglichst weit weg sind." Zwar sei die Inbetriebnahme erst für das Jahr 2026 geplant, aber das erforderliche Raumordnungsverfahren beginne jetzt. Ihm sei bewusst, dass die betroffenen Grundstücksbesitzer unbedingt erfahren wollten, ob der Trassenverlauf ihr Eigentum berühre, meinte das Gemeindeoberhaupt. Es sei aber möglich, die Masten in größeren Abständen zueinander zu errichten: "Sie dürfen nicht direkt vor Ortschaften stehen."

Der Marktrat fällte bezüglich der Thematik keine Entscheidung. Es sei nur darum gegangen, so Hummel weiter, das Gremium frühzeitig zu informieren. Ob dem Projekt möglicherweise Widerstand von Bürgerinitiativen droht, konnte Hummel nicht sagen.

Das Projekt läuft bei dem in Bayreuth ansässigen Unternehmen Tennet unter dem Namen Juraleitung. Wie Lea Gülich, die bei der Firma als Referentin für Bürgerbeteiligung tätig ist, auf Anfrage des DONAUKURIER mitteilte, kostet jeder Kilometer der neuen Verbindung 1,5 bis zwei Millionen Euro. Derzeit gibt es in der vorgesehenen Trasse bereits zwei Leitungen: eine mit 220 Kilovolt, die bereits in den 1940-er Jahren errichtet wurde, und eine jüngere mit 110 Kilovolt, die Tennet gehört. Sobald die neue 380-Kilovolt-Leitung funktioniert, soll nach den Worten von Lea Gülich die 110-Kilovolt-Leitung auf alle Fälle abgebaut werden. Die rund 80 Jahre alte Hochspannungsleitung mit 220 Kilovolt sei Eigentum der Bayernwerk AG, einer hundertprozentigen Tochter des Eon-Konzerns. Derzeit werde überlegt, ob diese Leitungen eventuell ebenfalls auf das neue Gestänge montiert werden könnten. "Wir prüfen die technische und organisatorische Machbarkeit", erläuterte Lea Gülich.

Die künftige Juraleitung werde ab dem Jahr 2026 eine "wichtige Funktion für den Stromtransport" haben. Durch die hohen Spannungen würden die Verluste bei der Übertragung von elektrischer Energie über große Distanzen minimiert. Die bestehenden Masten seien wegen ihres Alters und ihrer Statik nicht für die Spannungserhöhung auf 380 Kilovolt geeignet, heißt es in einer Mitteilung von Tennet. Eine Erdverkabelung sei rechtlich nicht möglich. Tennet habe vom Gesetzgeber keine Handlungsgrundlage erhalten, die Juraleitung als Erdkabelprojekt zu verwirklichen.

Um die Bewohner einer betroffenen Region frühzeitig über das Projekt zu informieren, sind Tennet-Mitarbeiter mit einem mobilen Bürgerbüro unterwegs. Beilngries wurde von dem Bus bereits angesteuert, in Altmannstein war man bislang nicht.
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