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497 Menschen beteiligen sich am Hoffnungslauf für das am RETT-Syndrom leidende Mädchen

Unzählige Schritte für Miriam

Riedenburg
erstellt am 11.09.2017 um 14:27 Uhr
aktualisiert am 20.10.2017 um 10:12 Uhr | x gelesen
Riedenburg (DK) Am Hoffnungslauf für die zwei Jahre alte Miriam Fackler haben sich am Sonntagvormittag 497 Läufer und Nordic-Walker beteiligt. Sämtliche Einnahmen und Spenden aus der Aktion der Laufabteilung des TV Riedenburg fließen in die RETT-Forschung.
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Hoffnungslauf für die am Rett-Syndrom erkrankte Miriam Fackler am 10. September 2017 in Riedenburg
Patzelt, Anton, Beilngries
Riedenburg

Empfänger des Erlöses ist der Verein RETT-Syndrom Deutschland, der die Heilung dieser tückischen Krankheit mit finanziellen Mitteln vorantreibt. Die jüngste Tochter der Familie Fackler entwickelte sich in ihrem ersten Lebensjahr ganz normal. „Sie war so, wie andere Kinder in ihrem Alter. Schlagartig verlernte sie fast alles, was sie sich schon angeeignet hatte. Miriam konnte nicht mehr greifen, sprechen und selbstständig essen“, erzählt Mutter Margit Fackler. Ausgelöst durch einen Gendefekt hatte das RETT-Syndrom zugeschlagen. Weltweit sind mindestens 350000 Mädchen und Frauen davon betroffen. „Allerdings könnte es innerhalb weniger Jahre eine Therapie geben. Jedoch ist die Forschung zu 100 Prozent auf Spenden angewiesen – sie steht und fällt mit dem Geld“, sagt Vater Christian Fackler.

Hoffnungslauf für die am Rett-Syndrom erkrankte Miriam Fackler am 10. September 2017 in Riedenburg
Patzelt, Anton, Beilngries
Riedenburg
Hoffnungslauf für die am Rett-Syndrom erkrankte Miriam Fackler am 10. September 2017 in Riedenburg
Patzelt, Anton, Beilngries
Riedenburg
Hoffnungslauf für die am Rett-Syndrom erkrankte Miriam Fackler am 10. September 2017 in Riedenburg
Patzelt, Anton, Beilngries
Riedenburg

Um zumindest einen kleinen Beitrag zu leisten, hatte die Laufabteilung des TV Riedenburg zum Hoffnungslauf aufgerufen. Lauftreffchefin und Organisatorin Evelyne Konvalinka freute sich, insgesamt 497 Teilnehmer begrüßen zu dürfen. „Auf die drei Personen kommt es auch nicht mehr an – für mich sind das gefühlte 500. Und somit haben wir unser Ziel erreicht“, fügte Konvalinkas Stellvertreterin Bianca Pelzer an. Im Teilnehmerfeld befand sich auch Wolfgang Scholz, der Europameister im Nordic-Walking. Ein besonderer Gruß galt Kelheims Landrat Martin Neumeyer und Riedenburgs Bürgermeister Siegfried Lösch (beide CSU).

Einen wahren Hingucker bildeten zwölf Frauen und Männer, die unter dem Namen Streetbunny-Crew auf Motorrädern in rosafarbenen Häschenkostümen angereist waren. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, vor allem Projekte aus dem Bereich der Kinder- und Jugendarbeit zu unterstützen und so auch das Image des Motorradfahrers zu verändern“, erläuterte Wiebke Lehmbecker, Bunnyguard aus Regensburg. Sektionen der Hasentruppe gibt es in Nürnberg, Würzburg, Ingolstadt, München, Hamburg, Berlin und Stuttgart. „Das Kostüm ist unsere Arbeitskleidung. Dadurch fallen wir auf und werden wahrgenommen“, so Lehmbecker.

Knapp 50 Frauen und Männer hatten ihre Laufschuhe im Auftrag der Kreissparkasse Kelheim geschnürt. Mit 19 Teilnehmern stellte die Riedenburger Feuerwehr eine weitere starke Truppe. Sebastian Weber und Michael Kreutzer schnallten sich sogar ihre 18 Kilogramm schwere Atemschutzausrüstung auf den Rücken. Cornelia Weigert aus Painten beteiligte sich an der Veranstaltung mit einigen Mitgliedern der Selbsthilfegruppe „Gegenwind“ für Eltern behinderter Kinder. Teilnehmerstarke Teams stellten auch die Spielvereinigung Wolfsbuch/Zell, der Sportverein Karlskron sowie „die Gleislhofer“. Und kurzfristig meldeten sich noch die jungen Philharmoniker Ostbayern an.

Bevor Neumeyer und Lösch das Startzeichen gaben, richteten sie noch ein paar Worte an die Teilnehmer. „Wenn man am Sonntagvormittag soviel Leute auf die Füße bekommt, ist das eine Sensation. Die Solidarität für Miriam ist einfach fantastisch. Das spricht auch für Riedenburg“, freute sich der Landrat. „Ich bin stolz, hier Bürgermeister zu sein. Ich finde es toll, was man hier auf die Beine gestellt hat, um diesem Mädchen zu helfen. Jetzt hoffe ich, dass der Forschung der Durchbruch gelingt“, betonte Lösch. Er überreichte als Spende der Stadt Riedenburg 200 Euro für das Hilfsprojekt und den Mitgliedern des Organisationsteams Duschtücher.

Ein eindrucksvolles Bild hinterließen danach die knapp 500 Teilnehmer, die sich am Rande des Main-Donau-Kanals in Startposition begaben. Beim Start wurden die Sportlerinnen und Sportler auch von der Oberin des Klosters St. Anna, Schwester Beatrix, durch Klatschen angefeuert. Mit seiner fahrbaren Musikbox stellte Erich Kirch die Vorhut. „Ich spiele die aktuellen Charts, aber auch dröhnenden Beat, damit ordentlich gelaufen wird“, äußerte sich Kirch mit einem Schmunzeln. Die fünf Kilometer lange Strecke führte parallel zur Austraße am Kanal entlang, rund um den Stadtweiher und auf der anderen Kanalseite parallel zur Staatsstraße 2230 wieder zurück. Die Königsdistanz über elf Kilometer verlief am Kanalufer entlang bis nach Einthal, wo die Seite gewechselt wurde. Parallel zum Main-Donau-Kanal ging es an Prunn vorbei wieder zurück zum Ausgangspunkt in der Dreiburgenstadt.

Auch die Kinder kamen nicht zu kurz. Für sie hatte das Organisationsteam auf dem angrenzenden Sportplatz des TV Riedenburg einen Parcours mit mehreren Stationen aufgebaut. Die Mädchen und Buben konnten hier ihre Geschicklichkeit beim Gummipferderennen, Fußballhockey durch Slalomstangen, Tellerdrehen auf einem Stab, Sackhüpfen, Kegelwerfen oder Fahren auf Doppelskis unter Beweis stellen.

Durch den Verkauf von selbst gebackenen Kuchen und Torten sowie den Erlös aus dem Getränke- und Speisenverkauf konnte das Spendenkonto weiter in die Höhe geschraubt werden. Und die zweijährige Miriam bedankte sich mit einem kleinen Lächeln, bevor sie im Kreise ihrer Familie in ihrem Buggy einschlief.

Hoffnungslauf für die am Rett-Syndrom erkrankte Miriam Fackler am 10. September 2017 in Riedenburg
Patzelt, Anton, Beilngries
Riedenburg
Hoffnungslauf für die am Rett-Syndrom erkrankte Miriam Fackler am 10. September 2017 in Riedenburg
Patzelt, Anton, Beilngries
Riedenburg
Hoffnungslauf für die am Rett-Syndrom erkrankte Miriam Fackler am 10. September 2017 in Riedenburg
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Hoffnungslauf für die am Rett-Syndrom erkrankte Miriam Fackler am 10. September 2017 in Riedenburg
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Hoffnungslauf für die am Rett-Syndrom erkrankte Miriam Fackler am 10. September 2017 in Riedenburg
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Hoffnungslauf für die am Rett-Syndrom erkrankte Miriam Fackler am 10. September 2017 in Riedenburg
Patzelt, Anton, Beilngries
Riedenburg

„Es ist eine Selbstverständlichkeit, hier mitzulaufen“

Sechs von ihnen beschreiben im Gespräch mit unserer Zeitung, was sie zur Teilnahme motiviert hat.

 

 

Andreas Liepold (80) aus Hepberg: „Durch einen Kollegen aus unserer Läufertruppe habe ich von diesem Spendenlauf erfahren. Wir sind auch bei den Sport-IN-Läufen stets dabei und ich laufe heute noch Halbmarathon. 2007 wurde ich als Bayerns bester Halbmarathonläufer ausgezeichnet. Ich habe zwei Kinder, die ebenfalls begeisterte Läufer sind, und zwei Enkelkinder. Heute nehme ich selbstverständlich die elf Kilometer – alles andere wäre mir etwas kurz.“

 

Carolin Vergnon (34) aus Dietfurt: „Über Facebook und einen Freund wurde ich auf den Hoffnungslauf aufmerksam. Die kleine Miriam kenne ich nicht persönlich. Nachdem ich ja nur ums Eck wohne, ist es selbstverständlich, dass ich bei dem Lauf mitmache. Wir haben selbst ein krankes Kind mit einem seltenen Gendefekt und können uns ganz gut in die Lage der Eltern hineinversetzen. Ich möchte heute walken, denn so fit bin ich nun auch wieder nicht.“

 

Franco Kämpf (39) aus Ingolstadt: „Als ich wieder mal bei Facebook stöberte, ist mir dieser Lauf in Riedenburg sofort aufgefallen. Ich habe gleich gedacht, das ist für einen guten Zweck – da musst du mitmachen. Ich schwimme auch viel für wohltätige Zwecke und nehme an 24-Stunden-Schwimmveranstaltungen in ganz Bayern und Baden-Württemberg teil. Ende Mai war ich unter anderem auch beim Zwölf-Stunden-Schwimmen im Wonnemar aktiv.“

 

Katrin Häckl (41) aus Jachenhausen: „Ich bin hier in Riedenburg beim Organisationsteam dabei. Wir haben uns im Vorfeld der Veranstaltung des Öfteren bei der Familie Fackler getroffen. Dabei habe ich auch die kleine Miriam kennengelernt. Da war mir klar, dass man dieses Mädchen, ganz egal in welcher Form, einfach unterstützen muss. Ich bin selbst Mutter von drei Buben. Nachdem ich beim Lauftreff des TV Riedenburg aktiv bin, wage ich mich heute auf die längere Distanz.“

 

Mohamed Ibrahem (14) aus Syrien: „Ich wohne seit fünf Jahren in Riedenburg. Zusammen mit meinem Vater, meiner Mutter und meinen vier Geschwistern musste ich aus Syrien fliehen. Es tobte ein fürchterlicher Krieg und so haben wir gemeinsam in der Familie beschlossen, die Strapazen einer Flucht aus uns zu nehmen. Ich spiele beim TV Riedenburg Fußball. Nachdem ich selbst schon einiges mitgemacht habe, ist es eine Selbstverständlichkeit, hier mitzulaufen.“

 

Sibylle Leichtl (36) aus Regensburg: „Miriam Fackler ist die Nichte eines guten Kollegen. So wurde ich auf den Spendenlauf in Riedenburg aufmerksam. Mein Kollege hat mir so einiges über diese Krankheit erzählt. Und da ich selbst regelmäßig ein bischen Sport mache, laufe ich heute auch mit und versuche, die fünf Kilometer zu bewältigen. In Regensburg habe ich bereits ehrenamtlich bei einer Leukämieveranstaltung mitgeholfen.“

Anton Patzelt
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