Mittwoch, 19. Dezember 2018
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Altmannsteiner Marktrat bringt auf Nachbarschaftshilfe basierenden Fahrdienst auf den Weg

Mehr Mobilität für Bürger aus Dörfern

Altmannstein
erstellt am 06.12.2018 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 10.12.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Altmannstein (rat) Die Marktgemeinde Altmannstein soll einen auf Nachbarschaftshilfe basierenden Fahrdienst bekommen. Die erste Stufe des Konzepts wurde bei der Sitzung des Marktrates am Dienstagabend ohne Gegenstimme gebilligt.
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Für Bürger aus Altmannsteins Ortsteilen, wie hier das Dorf Sollern, soll es durch einen ehrenamtlichen Fahrdienst einfacher werden, den Kernort zu erreichen.
Für Bürger aus Altmannsteins Ortsteilen, wie hier das Dorf Sollern, soll es durch einen ehrenamtlichen Fahrdienst einfacher werden, den Kernort zu erreichen.
Ehrlich
Altmannstein
Im Gremium vorgestellt wurde das Projekt von Marktrat Bernhard Arbesmeier von der CSU/PW-Fraktion. Er ist auch der Vorsitzende von Würde im Alter. Der Verein will den Fahrdienst in enger Zusammenarbeit mit der Kommune organisieren.

Wegen der demographischen und strukturellen Veränderungen gewinnen wohnortnahe und alltagspraktische Unterstützungsangebote für ältere Menschen generell zunehmend an Bedeutung. "Bürgerschaftlich engagierte Nachbarschaftshilfe kann wesentlich zum Verbleib in der eigenen Häuslichkeit und zum Erhalt von Sozialkontakten beitragen", erklärte Arbesmeier. Im Vordergrund stehe dabei das bürgerschaftliche Engagement.

Zum Thema Mobilität in der Marktgemeinde Altmannstein war zuvor eine Haushaltsbefragung erfolgt. Deren Ergebnisse stellte Arbesmeier vor. Dabei wurde der konkrete Bedarf für die Gemeindebürger, insbesondere in den Altmannsteiner Ortsteilen, festgestellt. Gedacht ist an einen Einkaufsservice und Anfahrten zur Apotheke. Außerdem geht es um Bring- und Fahrdienste, zum Beispiel zum Arzt, zu Einkäufen oder zu anderen Dienstleistern. Auch die Unterstützung bei Behördenangelegenheiten ist ein Thema.

Insgesamt wurden Fragebögen von 243 Haushalten ausgewertet. Daraus ergab sich, dass ein Bürger-Seniorenbus vor allem für Einkäufe (106 Nennungen), Arztbesuche (111) sowie für Fahrten zur Bank, Post oder Apotheke (48) benötigt würde. Die Einsender des Fragebogens sind zu mehr als 50 Prozent 61Jahre und älter. Erstaunlich ist, dass von den insgesamt 243 befragten Haushalten nur 16 über kein eigenes Auto verfügen. 108 beziehungsweise 86 Haushalte verfügen entweder über ein oder sogar zwei Fahrzeuge. Immerhin drei Autos sind in 23 der befragten Haushalte vorhanden.

Dennoch haben nach Arbesmeiers Erkenntnissen viele Altmannsteiner Bürger ein Mobilitätsproblem, zum Beispiel, weil ein Familienmitglied mit dem vorhandenen Auto in der Arbeit ist. Deshalb wurde bei der Haushaltsbefragung auch recherchiert, ob sich Bürger grundsätzlich als Fahrer zur Verfügung stellen würden. Aktuell hätten sich ein Koordinator für die Fahrten und 14 Fahrer gemeldet, berichtete Arbesmeier. Er forderte Mitbürger, die zum Beispiel ein- oder zweimal pro Woche zum Einkaufen oder zum Arzt fahren, auf, sich als mögliche Fahrer zur Verfügung zu stellen. Jede Person, die andere Mitbürger mitnehmen könne, sei bei dem Projekt willkommen. Die Fahrer und die Passagiere würden rasch ein Vertrauensverhältnis zueinander entwickeln, erklärte der Marktrat.

Arbesmeier hofft jedoch, dass das Mobilitätsprojekt in den kommenden zwei Jahren in einer zweiten Stufe eine höhere Dynamik gewinnt. Ihm schwebt die Anschaffung eines modernen und behindertengerecht ausgestatteten Bürger-Seniorenbusses vor. Mit dessen Hilfe würden die Ortsteile an den Kernort angeschlossen. So seien dann auch die weiterführenden Buslinien für die Menschen aus den Dörfern besser erreichbar. Die Fahrmöglichkeiten sollten an mindestens zwei festen Werktagen angeboten werden. So könnte ein attraktives und preiswertes Fahrplanangebot für die Senioren geschaffen werden. Am Steuer säßen dabei ehrenamtlich tätige Bürger.

Für Steuer und Versicherung des Fahrzeugs soll die Kommune aufkommen. Arbesmeier schließt nicht aus, dass auch Werbeeinnahmen generiert werden könnten, die ersten Sponsoren habe man bereits gewonnen. Teurer wird dagegen die Anschaffung des Fahrzeugs. Hier geht Arbesmeier von Kosten in Höhe von 20000 bis 30000 Euro aus. Ein Antrag für einen Zuschuss über 10000 Euro sei bereits an das Zentrum Bayern Familie und Soziales gestellt worden. Dabei erhalte man Unterstützung vom Verein Altmühl-Jura.

Für die Koordination des Fahrdienstes sind nach Arbesmeiers Worten zwei ehrenamtlich tätige Bürger erforderlich. Sie nehmen die Anfragen entgegen, organisieren die sinnvolle Zusammenlegung der Fahrten und teilen die ehrenamtlichen Fahrer ein. Die Koordinatoren könnten parallel auch als Fahrer einspringen. Die Fahrdienstanträge könnten zweimal pro Woche - montags von 17.30 bis 19.30 Uhr und mittwochs von 16 bis 18 Uhr - telefonisch angefragt werden. Für diesen Service sollte die Gemeinde Altmannstein eine Telefonnummer mit Rufumleitung auf den jeweils zuständigen Koordinator einrichten. Letztere würden die Fahrten für statistische Zwecke auch melden.

Über den Versicherungsschutz während der Fahrten hat sich Arbesmeier ebenfalls schon Gedanken gemacht. Die Vereinshaftpflichtversicherung von Würde im Alter könne die Schadensersatzansprüche Dritter gegenüber dem Verein abdecken. Zudem würde sie unberechtigte Forderungen abwehren. Zudem könne man die Bayerische Ehrenamtsversicherung mit in die Pflicht nehmen. Deren Kosten trage der Freistaat Bayern. So würden auch die ehrenamtlich tätigen Personen einen Versicherungsschutz genießen.

Bürgermeister Norbert Hummel (CSU) begrüßte das Konzept. Er betonte aber, dass vor dem Inkrafttreten der zweiten Stufe, also dem Kauf des Seniorenbusses, ein Grundsatzbeschluss des Marktrates nötig sei. Denn die genauen Kosten für das Auto und die Versicherungen seien noch unbekannt. Der Bürgermeister forderte Arbesmeier auf, die Kosten genau zu analysieren. Sicher werde eine Anschubfinanzierung durch die Kommune nötig sein. "Auch der Betrieb wird nicht kostendeckend sein", vermutete Hummel. Es gelte nun abzuwarten, ob das Angebot von den Bürgern angenommen wird. In einem an alle Haushalte verteilten Faltblatt sollte das Projekt vorgestellt werden. Generell wolle man den vorgeschlagenen Weg aber weiterhin verfolgen. In einem halben Jahr sollte man eine Zwischenbilanz ziehen.

Der SPD/FW-Fraktionssprecher Wolfgang Eberl signalisierte ebenfalls grundsätzliche Zustimmung zu dem Konzept. Unklarheiten sah Eberl aber bei dessen Finanzierung. Es müsse geklärt werden, ob dauerhaft Zuschüsse der Gemeinde erforderlich sind. Eberl wies darauf hin, dass eventuell eine Förderung seitens der Aktion Mensch möglich sein könnte.

Arbesmeier erwiderte, dass die erste Stufe des Konzeptes ausschließlich auf einer rein privaten Initiative beruhe. Aber auch die zweite Stufe werde für die Marktgemeinde "keine riesigen Kosten" bringen.

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