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''Wir verticken weder Drogen noch Waffen''

Man
erstellt am 10.03.2017 um 19:01 Uhr
aktualisiert am 18.03.2017 um 03:34 Uhr | x gelesen
Man kennt ihre Namen aus den Medien: Hells Angels, Bandidos und andere Motorradclubs. Stets sind es negative Schlagzeilen, die mit organisierten Bikern in Verbindung gebracht werden. Zu Unrecht, sagen Jürgen Betz und Frank Lanz, die Vorsitzenden der Wolfmen in Altmannstein. Doch auch sie haben mit Vorurteilen zu kämpfen.
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Man: "Wir verticken weder  Drogen noch Waffen"
Gemütlich haben es die Wolfmen Eichstätt mit ihren Vorsitzenden Jürgen Betz (v. l.) und Frank Lanz in ihrem Vereinsheim in Altmannstein. An den getäfelten Wänden findet sich neben einem geschnitzten Wolfskopf eine Galerie gestorbener Bikerkollegen. - Foto: Ammer
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Die Wolfmen Eichstätt sind seit acht Jahren mit ihrem Vereinsheim in Altmannstein. Fühlen Sie sich dort wohl?

Frank Lanz: Wohlgefühlt haben wir uns von Anfang an. Wir schon.

 

Die Altmannsteiner mit euch eher weniger?

Frank Lanz: Am Anfang haben wir gesagt, wir machen eine schöne Einweihungsfeier für die Dorfbewohner. Wir sind herumgelaufen und haben sie zum Kennenlernen eingeladen. Gekommen sind aber nur die Wirte, weil sie gedacht haben, die Jungs hier unten könnten ihnen das Geschäft wegnehmen. Sie wollten also die Konkurrenz auschecken - was ja eigentlich überhaupt keine Frage ist. Wir sind ja keine Gaststätte. Die Anderen sind nicht so gekommen, inzwischen ist das aber viel besser geworden. Heute sind wir mit dem Dorf zusammengewachsen.

 

Was hat sich geändert?

Jürgen Betz: Wir haben mittlerweile einen sehr guten Draht zu den Ortsvereinen, wie zum Beispiel der Feuerwehr. Der hat sich über die Zeit hinweg aufgebaut, die Jungen von der Feuerwehr schauen heute auch bei uns auf ein Bier vorbei. So hat sich im positiven Sinn durch Mundpropaganda herumgesprochen, was wir hier so treiben. Die Leute sind allgemein lockerer geworden. Wenn sie wissen, dass wir aufhaben, kommen sie inzwischen auch bei uns vorbei. Sehr positiv war auch unser Zehnjähriges letztes Jahr. Da haben wir die Leute persönlich eingeladen - und wir hatten sehr großen Zulauf von der Dorfbevölkerung. Jung und Alt war da, die Leute haben gesehen, dass sich die Biker alle korrekt verhalten.

 

Das Fest zum Zehnjährigen war ja mitten im Dorf. Wie kam es dazu?

Lanz: Der ausschlaggebende Punkt dafür war der super Bürgermeister Norbert Hummel. Er hat uns das angetragen - vor dem Mann ziehe ich heute noch den Hut, da hat er sich nämlich ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt gegenüber seinem Dorf. Und ich glaube nicht, dass wir ihn enttäuscht haben. So jemanden braucht man.

Betz: Die Unterstützung war insgesamt sehr gut, aufgeschlossen und positiv. Der Bürgermeister hatte immer ein offenes Ohr. Auch die Feuerwehr und die ansässigen Betriebe haben uns sehr unterstützt.

 

Haben Biker es sonst oft mit Vorurteilen zu tun?

Lanz: Es gibt Vorurteile, doch man kann den Leuten deswegen nicht böse sein. Die Altmannsteiner haben aber gemerkt, dass wir versuchen, auf sie zuzugehen. Wenn da oben ein Feuerwehrfest war, sind wir hingegangen. Dann haben sie gesehen, dass wir ganz normale Leute sind. Wir gehen ja nicht hoch und pöbeln Leute an. Warum auch? Wir wollen unseren Spaß wie jeder andere auch. Wir haben wirklich ein gutes Dorf erwischt, auch wenn am Anfang Vorurteile da waren.

Betz: Damit muss man einfach leben. In den letzten Jahren wird alles mit Rockern in den Medien direkt hochgepuscht. Die Leute lesen das und sagen: Um Gottes Willen, wenn das so ist... Wenn uns jemand offen fragt, geben wir aber gerne offen Auskunft, wie das bei uns läuft. Jeder von uns hat seinen normalen Job, wir verticken weder Drogen noch Waffen noch sonst irgendwas. Wir müssen alle unser Geld verdienen, damit wir uns das Hobby leisten können. Wenn du irgendwo asozial rumhängen würdest, könntest du nicht mitmachen.

 

Wie sieht es mit Nachwuchs bei den Wolfmen aus?

Betz: Momentan sehr gut. Es war lange Zeit schwierig, Junge zu kriegen, weil sie heute ihr Privatleben anders gestalten als wir, und weil viele Ältere im Chapter sind. Dann traut sich der Junge entweder nicht her oder fragt sich: Worüber soll ich mich mit denen unterhalten? Das hat sich aber gedreht. Es sind mehrere Jüngere auf einen Schlag gekommen. Wir sind jetzt auf einem guten Level zwischen Alt und Jung.

 

Wird die Leidenschaft für das Motorrad vererbt?

Lanz: Mein Vater hat natürlich ein Motorrad gehabt, das war einfach eine billige Alternative zum Auto. Ich habe auch erst ein Motorrad gehabt und dann ein Auto, das war einfach so. Bei meinem Bub ist es anders, der fährt zwar Motorrad, hatte aber zuerst ein Auto. Wenn ich heute ein Fahrzeug brauche, überlege ich mir dreimal, ob ich mir ein Motorrad kaufe, bei dem ich ständig nass und dreckig werde. Da kauft man sich leichter einen Golf - und da hat man auch schon einen Haufen Geld ausgegeben.

Betz: Das wird teilweise schon vom Vater vererbt. Es sind aber auch Mitglieder dabei, die von selbst mit dem Fahren angefangen haben. Es ist aber wirklich eine finanzielle Geschichte. Das Motorradfahren ist wesentlich teurer geworden, als es früher war.

 

Was ist es für Sie? Hobby? Leidenschaft?

Lanz: Es ist ein Ausgleich zum Beruf, es ist aber auch eine Lebenseinstellung.

Betz: Es ist wie Fußballspielen, nur wesentlich geldintensiver. (lacht)

Wie würdet ihr diese Lebenseinstellung beschreiben?

Lanz: Ich war nie ein richtiger Vereinsmensch. Ich bin relativ spät in den Klub gekommen, so mit 24. Aber die Leute, die ich kennengelernt habe, haben mir getaugt. Ich habe es auch bei den Pfadfindern probiert - da hat man 14 Tage lang ein Holzkreuz gemacht und dann hat es mir gereicht. Eine Art von Ausbrechen hat auch eine Rolle gespielt. Und so eine Gemeinschaft schweißt zusammen. Ich habe sonst fast keine anderen Freunde mehr. Ich bin seit 34 Jahren in dem Klub, das ist über mein halbes Leben. Das prägt.

Betz: Du gehörst einfach einer anderen Klientel an, so wie wir rumlaufen. Die Leute schauen von Haus aus. Das hat mir, wie ich jung war und zu den Wolfmen gegangen bin, einfach gefallen. Ich habe anders ausgesehen als alle anderen. Wo die anderen in Popperhosen rumgelaufen sind, hattest du halt zerrissene Jeans und Cowboyboots an. Du hattest ein ganz anderes Auftreten als die anderen. Als junger Kerl ist das cool.

 

Und wie ist das heute?

Betz: Wir zwei sind älter und ein bisschen ruhiger geworden. Ist ja auch richtig und wichtig so. In einem Verein brauchst du auch ein paar Ruhepole und Leute mit Erfahrung, damit du die Jungen mit reinwachsen lassen und ihnen den Weg zeigen kannst. Es ist wichtig, dass Leute da sind, die das nicht erst seit einem oder zwei Jahren machen.

Lanz: Wir lassen es nicht mehr so oft krachen wie früher, weil dann haben wir drei Tage lang ein Problem. (lacht)

 

Gibt es auch Frauen bei den Wolfmen?

Lanz: Klubzugehörig mit Insignien nicht. Die Frauen tragen keine Kutte. Das war nur ganz am Anfang anders, da haben die motorradfahrenden Frauen auch Kutten getragen. Aber nicht lange. Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun. Es gibt Frauen, die regelmäßig vorbeikommen. Und zu Hause: Ich habe zwei Kinder, ich kann nicht mehr behaupten, dass der Klub ganz vorne steht. Aber die Frau muss trotzdem geduldig sein.

Betz: Es ist ja auch gewollt, dass Frauen mit vorbeikommen. Es ist wichtig, dass die Möglichkeit besteht, den Partner weitestgehend mit einzubinden. Sonst wird es schwierig, das Hobby über Jahre hinweg zu betreiben.

 

Wie zeitaufwendig ist dieses Hobby denn?

Lanz: Das kommt auf die Jahreszeit an. Wenn man Motorrad fahren kann, ist man öfter mal unterwegs. Aber auch jetzt treffen wir uns jedes zweite Wochenende. Das hängt natürlich bei jedem auch von der beruflichen Einspannung ab. Die Arbeit geht vor. Wir haben da ein gutes Maß.

Betz: Wir bekommen auch oft Einladungen von anderen Motorradclubs. Da schaust du halt, dass du Leute zusammenbringst und hinfährst. Einmal im Monat haben wir Versammlung, da ist das Klubhaus auch für die Öffentlichkeit offen. Außerdem haben wir immer eine Saisonanfangsparts und eine Vatertagstour mit Weißwurstfrühstück und Grillparty. Da haben wir großen Zulauf, letztes Jahr waren es 70 Mitfahrer, den Leuten gefällt das, mal im großen Pulk zu fahren. Über die Hälfte davon gehört zu keinem Klub. Wir haben außerdem eine Saisonendparty und im Oktober eine Ein-Euro-Party. Das hat sich auch gut rumgesprochen. Heuer kommt die Feier zu 40 Jahre Donauwörth dazu, das ist unser Motherchapter.

 

Sie gehören zum Chapter Eichstätt. Kommen die Mitglieder aus dem ganzen Landkreis?

Betz: Wir kommen aus dem Landkreis Eichstätt, aus Ingolstadt und Neuburg. Unser weitest entfernter Kollege kommt sogar aus Donauwörth.

 

Aber Neuburg hätte doch zum Beispiel selbst ein Chapter, oder?

Lanz: Da kommen wir auch her. Ich komme ursprünglich aus dem Motherchapter Donauwörth. Mit meiner Frau bin ich nach Neuburg gezogen und habe gesagt: Wo ich wohne, gründen wir ein Chapter. Das habe ich mit Jürgen und noch einem Kollegen aufgezogen. So nach zehn, 15 Jahren haben wir uns gespalten und das Eichstätter Chapter aufgemacht. Dieses Chapter ist schon recht zusammengewürfelt.

 

Wieso gerade in Altmannstein?

Betz: Das war Zufall. Ein Bekannter von uns aus dem Altmannsteiner Bereich hat uns zugetragen, dass ein Lokal leer steht und es eventuell zu vermieten wäre. So ist das gekommen.

Lanz: Mittlerweile haben wir auch Mitglieder aus Altmannstein: Vater und Sohn. Es entwickelt sich.

Betz: Sie sind dazugekommen, als wir schon hier waren.

 

Wie schwierig ist es, Mitglied bei den Wolfmen zu werden?

Betz: Das ist ganz einfach: kommen, vorstellen, fragen ob man mitmachen darf. Dann beginnt eine Probezeit. Du musst die Leute kennenlernen und sie dich, darum gibt es diese Zeit. Nach einigen Monaten sieht man erst, wie derjenige zur Mannschaft passt. Danach wird er Vollmember und bekommt einen Kopf auf den Rücken.

Lanz: Voraussetzung sind natürlich Führerschein und ein Motorrad mit Minimum 500 Kubik.

 

Also keine wilden Aufnahmerituale?

Lanz: Da sind wir drüber weg. (lacht)

Betz: Früher haben wir uns mehr in den Dreck gehauen, weil es dazugehört hat. So was machen wir heute nicht mehr.

Lanz: Das sind aber nie irgendwelche Mutproben gewesen, dass ich sage: Geh da vor zu dem Supermarkt und räum die Kasse aus, dann bist du ein guter Mann. Das sowieso nicht. Es waren eher ein bisschen derbe Scherze. Aber ich muss ja niemanden zum Idioten machen und nachher soll er mein Freund sein.

 

Ist das bei anderen Motorradclubs anders?

Betz: Das ist alles eine Geschichte der internen Regelung des jeweiligen Motorradclubs. Da hast du als Außenstehender gar keinen Einblick, wie sie das handhaben - auch wir nicht.

 

Wie sieht es insgesamt mit der Mitgliederentwicklung aus?

Betz: Wir haben wieder mehr Zulauf als früher, die Leute haben mehr Interesse an uns. Jahrelang war es in der Szene ziemlich tot, da hat man immer nur die gleichen Leute getroffen, egal wo man hingefahren ist, weil es keine neuen gegeben hat. Das wird jetzt besser.

 

Gibt es die Wolfmen auch außerhalb Deutschlands?

Betz: Seit ein paar Jahren sind wir auch im Ausland vertreten. Wir haben ein Chapter in Australien, sieben in Thailand und eines in Spanien. Der Klub wächst. Unser weitest entferntes Chapter in Deutschland ist in Baden-Baden.

Lanz: Wir haben also nicht alles verkehrt gemacht. (lacht)

 

Das Gespräch führte

Isabel Ammer.

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