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Beim Urnengang am Sonntag geht es auch um die Zusammensetzung des niederbayerischen Bezirkstags

Wahl des obersten kommunalen Gremiums

Kelheim
erstellt am 12.10.2018 um 18:16 Uhr
aktualisiert am 17.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kelheim (DK) Immer ein wenig im Schatten der Landtagswahl stehen die Wahlen zum Bezirkstag, über dessen Zusammensetzung ebenfalls am Sonntag abgestimmt wird. Dabei sind auf der obersten kommunalen Ebene eine Reihe hochinteressanter Themen angesiedelt. Das Haushaltsvolumen des Bezirks Niederbayern beläuft sich 2018 auf rund 773,3 Millionen Euro, wobei der Löwenanteil in den Bereich Soziales fließt.
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Die beiden Stimmzettel für die Bezirkswahl haben eine blaue Farbe. Ähnlich wie beim Landtag (weiß) vergibt der Wähler hier eine Erststimme auf dem kleinen Wahlschein, mit der er den Direktkandidaten im Landkreis Kelheim wählt. Auf dem handtuchgroßen Blatt für die Zweitstimme, die über die Zusammensetzung des Regionalparlaments entscheidet, kann der Wähler ebenfalls einen Kandidaten ankreuzen. Anders als beim Landtag gibt es bei der Bezirkswahl keine Fünf-Prozent-Hürde. Die CSU hat in dem 18-köpfigen Gremium neun, die SPD drei, die Freien Wähler haben zwei, Grüne, ÖDP, FDP und Bayernpartei je einen Sitz. Präsident des Bezirkstags ist seit 2013 der 39-jährige Olaf Heinrich (CSU), Bürgermeister der Stadt Freyung.

Die Bezirke verstehen sich als Eckpfeiler des Sozialstaates. Der Bezirk Niederbayern unterstützt vor allem seine alten und pflegebedürftigen Mitbürger, seelisch, geistig und körperlich behinderte Menschen sowie Kriegsbeschädigte und deren Angehörige (Witwen und Waisen). Als überörtlicher Sozialhilfeträger garantiert der Bezirk auch Beziehern geringer Einkünfte einen Altenheim- oder Pflegeplatz und fördert Werkstätten und Heime für Menschen mit Behinderung.

Die Ausgaben für Soziales beanspruchen mit knapp 90 Prozent den Löwenanteil des Verwaltungshaushalts, wobei die Aufwendungen für Leistungen im Rahmen der "Eingliederungshilfe für behinderte Menschen" sowie die Aufwendungen für die "Hilfe zur Pflege" an erster Stelle stehen. Als wichtigste gesundheitspolitische Aufgabe sieht der Bezirk Niederbayern neben seinen fünf Bädern - mit Gögging und Abbach zwei davon im Landkreis Kelheim - seit jeher die zeitgemäße psychiatrische und teils neurologische Versorgung seiner Bevölkerung an. Dabei stellt der Abbau von Vorurteilen beziehungsweise die Gleichstellung psychisch kranker mit somatisch kranken Menschen weiterhin die größte Herausforderung dar. Mit dem Bezirksklinikum Mainkofen betreibt der Bezirk eine moderne Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik mit angegliederten Kliniken für Forensik, Neurologie und Neurologischer Frührehabilitation. Im Pflegeheim Mainkofen, das ebenfalls unter der Trägerschaft des Bezirks Niederbayern steht, werden Menschen mit einer chronisch psychiatrischen Grunderkrankung betreut. Im Jahr 1993 ging das Bezirkskrankenhaus Landshut mit der Fachklinik für Erwachsenenpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sowie der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Betrieb.

Kultur- und Heimatpflege haben beim Bezirk Niederbayern Tradition. Dazu werden regelmäßig immer wieder Initiativen und Projekte gestartet. Bekannt ist etwa das Kulturmobil, eine rollende Theaterbühne mit professionellen Schauspielern, die seit 1998 in den Sommermonaten auf Tournee geht und schon mehr als 300000 Besucher erreicht hat.

Neben der Bildungs- und Jugendarbeit reichen die Kontakte weit über das eigene Gäu hinaus. Seit 25 Jahren pflegt Niederbayern eine Regionalpartnerschaft mit dem nordfranzösischen Département Oise.

Die Kandidaten im Überblick

  • CSU: Hannelore Langwieser will ihren Sitz im Bezirkstag verteidigen.Die Mainburger Vizebürgermeisterin und stellvertretende Landrätin hat das Mandat seit 2003. Die 64-jährige dreifache Mutter und dreifache Großmutter ist auch Behindertenbeauftragte des Bezirks Niederbayern. Auf der CSU-Liste tritt der 46-jährige Stadt- und Kreisrat Werner Reichl aus Neustadt an.
 
  • SPD: Vom bayerischen Landtag in den Bezirkstag wechseln möchte Johanna Werner-Muggendorfer (SPD) - und damit ihre politische Erfahrung auf dieser Ebene einbringen. Sie ist 68 Jahre alt und kommt aus Neustadt. Platz 16 auf der SPD-Liste zum Bezirkstag gehört der Erzieherin Kirsten Reiter aus Langquaid.
 
  • Freie Wähler: Seit 2014 ist der frühere Polizeibeamte Christian Nerb Rathauschef in Saal. Mit seiner Kandidatur zum Bezirkstag strebt der 57-Jährige nun eine neue politische Aufgabe an. Auf Platz 13 der FW-Liste steht der 63-jährige frühere Siemensmanager Ludwig Birkl aus Kelheim.
 
  • Grüne: Als Direktkandidat seiner Partei tritt der Schreinermeister und Kelheimer Stadtrat Christian Rank an. Auf Platz 15 der Liste findet sich die Meisterin im Garten- und Landschaftsbau, Dagmar Günther aus Rohr.
 
  • FDP: Zwei Mediziner gehen für die Liberalen ins Rennen. Da ist zum einen der Direktkandidat Michael Schöll, Zahnarzt und Stadtrat aus Mainburg, und zum anderen auf Platz zwölf der Liste der Allgemeinarzt Heinz Kroiss aus Abensberg, der dem Stadtrat seiner Heimatstadt und dem Kreistag angehört.
 
  • Die Linke: Der Chemikant Johannes Martin aus Abensberg als Direktkandidat ist der einzige Bewerber seiner Partei aus der Region zwischen Altmühltal und Hallertau, auf der Liste erscheint kein Kandidat aus dem Landkreis.
 
  • Bayernpartei: Dafür kommen bei den weiß-blauen Patrioten gleich drei Kandidaten aus dem Kreis Kelheim. Der Direktbewerber ist der Bäcker Florian Geisenfelder (Bayernpartei) aus Rohr. Platz 16 und 17 auf der Liste belegen der Pensionist Martin Schmidmeier aus Bad Abbach und der Lehrer Karl Johann Geisenfelder aus Rohr.
 
  • ÖDP: Der Maschinenbau-Ingenieur, Stadt- und Kreisrat Konrad Pöppel aus Mainburg kämpft um das Direktmandat, der Diplom-Kaufmann Ferdinand Hackelsperger aus Bad Abbach, der in dem Kurort Zweiter Bürgermeister und auch Kreisrat ist, steht auf Platz 13 der Liste.
 
  • AfD: Peter A. Gebhardt tritt als einziger Bewerber seiner Partei aus dem Kreis Kelheim bei der Bezirkswahl an. Der Unternehmensberater im Ruhestand absolviert mit dem Landtag damit eine Doppelkandidatur.
 
  • Bei der Piratenpartei und der Tierschutzpartei gibt es weder einen Direktkandidaten noch einen Listenkandidat aus dem Landkreis Kelheim. 

Harry Bruckmeier
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