Sonntag, 18. November 2018
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Explodierende Kosten in der Jugendhilfe im Kreis Kelheim: Haushaltsansätze für Etat 2019 deutlich nach oben korrigiert

"Längst überfällige Anpassung"

Kelheim
erstellt am 07.11.2018 um 18:14 Uhr
aktualisiert am 11.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kelheim (DK) Der Landkreis Kelheim wird im Haushalt 2019 in der Jugendhilfe einiges draufpacken müssen. Der zuständige Fachausschuss des Kreistages nickte die von Jugendamtsleiter Norbert Birnthaler eingebrachte Vorlage mit rund 9,83 Millionen Euro an ungedeckten Kosten als Beschlussempfehlung an den Kreistag einstimmig ab.
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Weil die Kosten im Jugendhilfebereich nach wie vor aus dem Ruder laufen, hat der zuständige Fachausschuss des Kelheimer Kreistags nun die angepasste Haushaltsvorlage mit 9.83 Millionen Euro an ungedeckten Kosten als Beschlussempfehlung abgenickt.
Weil die Kosten im Jugendhilfebereich nach wie vor aus dem Ruder laufen, hat der zuständige Fachausschuss des Kelheimer Kreistags nun die angepasste Haushaltsvorlage mit 9.83 Millionen Euro an ungedeckten Kosten als Beschlussempfehlung abgenickt.
Kalaene/dpa
Kelheim
Bereits im Kreisausschuss vor zwei Wochen hatte Kämmerer Reinhard Schmidbauer angedeutet, dass die Kosten im Jugendhilfebereich nach wie vor aus dem Ruder laufen und die Ansätze bei weitem überschritten werden (wir berichteten). Der oberste Kassenverwalter des Landkreises rechnet mit bis zu 2,1 Millionen Euro, die auf die angesetzten 7,4 Millionen Euro Reinaufwand oben draufkommen. Zum Glück, und das hatte Schmidbauer ebenfalls bereits vor zwei Wochen im Kreisausschuss vorgerechnet, kann der höhere Aufwand durch Mehreinnahmen in anderen Bereichen des Etats wohl aufgefangen werden.

Aber niemand will hier in Zukunft noch einmal ein Haushaltsloch wachsen sehen, auch wenn gerade im Jugendhilfebereich eine seriöse Kostenplanung immer schwieriger wird. "Wichtig ist, dass wir in den Haushaltsansätzen mit realistischen Zahlen arbeiten und die Kreisräte die Herausforderungen auf dem Gebiet der Jugendhilfe kennen", sagte Landrat Martin Neumeyer (CSU) jetzt im Jugendhilfeausschuss.

Birnthaler räumte vor dem Ausschuss ein, "dass in den Jahren 2017 und 2018 die allgemeinen Kostensteigerungen in der Jugendhilfe bei der Haushaltsplanung nicht ausreichend berücksichtigt wurden". Aber was genau sind die Kostentreiber? Hier nennt der Leiter des Kreisjugendamtes enorme Steigerungen beim Aufwand in der stationären und teilstationären Jugendhilfe. Konkret heißt das, die Tagessätze bei der Heimerziehung stiegen durchschnittlich um sechs bis acht Prozent, in der Einrichtung in Ingolstadt waren es zwölf und in der in Hemau sogar 31 Prozent. Bei den Tagesstätten lagen die Steigerungen bei rund zehn Prozent. In der Sozialpädagogischen Familienhilfe zum Beispiel kommen neun bis 18 Prozent dazu, beim Hauptanbieter für Schulbegleitungen sind es um die 15 Prozent.

Alles in allem erwartet Birnthaler im Jugendhilfebereich für 2019 Kostensteigerungen in einer Größenordnung von rund fünf Prozent. "Die nun folgende Anhebung der Haushaltsansätze für 2019 ist eine notwendige Korrektur und längst überfällige Anpassung an die tatsächliche Entwicklung der allgemeinen Kostenstrukturen in der Jugendhilfe."

Neben den Kostensteigerungen in der Jugendhilfe wollte der Chef des Jugendamtes aber das Bevölkerungswachstum im Landkreis in den vergangenen Jahren nicht unerwähnt lassen. Auch dies zählt er zu den wichtigen Faktoren, warum der Aufwand in seinem Verantwortungsbereich permanent ansteigt. Denn der Anteil der jungen Menschen bis 21 Jahre sei im Landkreis Kelheim mit 21,4 Prozent höher als in Niederbayern und Bayern mit jeweils 19,8 Prozent. Das sind zwar Zahlen aus dem Jahr 2016, verändert hat sich an diesem Verhältnis in den vergangenen knapp drei Jahren allerdings nichts.

Den Ansatz bei der Sozialpädagogischen Familienhilfe hat Birnthaler nach den Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit und angesichts stabil hoher Fallzahlen (aktuell 86, 2017: 93) um 150000 auf im nächsten Haushaltsjahr 850000 Euro nach oben gesetzt. Zwar gingen die Schulbegleitungen um elf auf nunmehr 28 Fälle zurück, die Kosten explodieren allerdings. So muss hier mit monatlichen Summen im Schnitt zwischen 2000 und 4500 Euro pro Fall gerechnet werden. Daher packt der Jugendamtsleiter hier 300000 Euro auf die Summe von einer halben Million im laufenden Etat drauf. Mit 17 Betroffenen sind die Fallzahlen bei der Hilfe für junge Volljährige nach wie vor hoch. 400000 Euro wie bisher reichen deshalb nicht mehr aus. Hier lautet der entsprechende Titel nun auf 900000 Euro.

Von 47 auf 20 fast halbiert haben sich die Zahlen der unbegleiteten Flüchtlinge beziehungsweise Ausländer. Hier stehen 2,5 Millionen Euro im Plan, 200000 Euro mehr als in diesem Jahr. Trotz rückläufiger Fallzahlen sei hier eine konkrete Planung für 2019 schwierig, so Birnthaler. Angesichts der aktuell betreuten Fälle rechnet man im Jugendamt mit einer erhöhten Zuweisung dieser Klientel. Die gute Nachricht: Wegen der Kostenerstattung durch den Bund bläht sich zwar das Haushaltsvolumen auf, für den Landkreis entsteht jedoch kein Mehraufwand.

Mehr oder weniger im Rahmen bleibt der Aufwand für die 65 (Vorjahr: 70) Fälle in der Vollzeitpflege mit 750000 Euro, für die 76 (96) Fälle bei der Betreuung in einer Tagesstätte mit 1,5 Millionen Euro und für die Heimerziehung mit 40 Fällen wie im Vorjahr, die mit 2,4 Millionen Euro veranschlagt und damit um 200000 Euro nach oben gesetzt wurde.

Stets die größte Unbekannte in einem Jugendhilfehaushalt ist die Heimunterbringung, für die pro Fall und Monat zwischen 5000 und 5500 Euro anfallen. Bei 24 Fällen und Tagessätzen von 140 bis 190 Euro kamen 2017 hier laut Jahresrechnung fast 1,24 Millionen Euro zusammen. Deshalb wird auch dieser Posten im nächsten Jahr von 900000 auf 1,5 Millionen Euro erhöht.
Harry Bruckmeier
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