Mittwoch, 21. November 2018
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Der Arbeitsalltag von Anlagenmechanikern für Heizung, Sanitär und Klimatechnik aus

Vom ersten Rohr bis zum letzten Hahn

Obereggersberg
erstellt am 12.07.2018 um 18:35 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Obereggersberg (DK) Nichts von der Stange, nur individuelle Lösungen: So sieht der Arbeitsalltag von Anlagenmechanikern für Heizung, Sanitär und Klimatechnik aus. Dem Auszubildenden Mikolaj Spychala gefällt die präzise Arbeit mit Hochdruckpresse und Umwälzpumpe und er installiert bereits selbstständig ganze Bäder, wie der 21-Jährige im dritten Teil unserer Serie Junges Handwerk erzählt.
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Sanierung gehört genauso zum täglichen Brot von Heizungsbauern wie die Installation von neuen Rohrsystemen: Derzeit werkeln der Auszubildende Mikolaj Spychala (rechts) und Geselle Jonas Brand an der Erneuerung eines jahrzehntealten Heizsystems in einem Haus in Obereggersberg.
Sanierung gehört genauso zum täglichen Brot von Heizungsbauern wie die Installation von neuen Rohrsystemen: Derzeit werkeln der Auszubildende Mikolaj Spychala (rechts) und Geselle Jonas Brand an der Erneuerung eines jahrzehntealten Heizsystems in einem Haus in Obereggersberg.
Foto: Erl
Obereggersberg
So richtig klar ist Mikolaj Spychala am Ende der Mittelschule noch nicht gewesen, was er danach machen sollte. "Ich wollte nicht vor dem Computer sitzen, sondern was zusammen schrauben", erinnert sich der 21-jährige Auszubildende zum Installateur und Heizungsbauer. "Eigentlich hab ich nicht genau gewusst, dass ich Heizungsbauer werden möchte. Ich hab damals einfach das Ausbildungsangebot angenommen", blickt er zurück. Dass ihm diese Arbeit recht gut gefällt, hat der junge Mann erst später gemerkt. "Anfangs, so frisch weg von der Schule, das war schon heavy. Und damals hab ich die Sprache auch noch nicht gut beherrscht und es gibt kaum einen anderen Beruf, wo man so viel lernen muss", legt er beim Baustellenbesuch in Obereggersberg nach. Dort erneuern sein Geselle und er nach Jahrzehnten ein Heizsystem und installieren ein neues Bad.

Inzwischen fühlt Mikolaj sich zwischen den blinkenden Stahlrohren, der Hochdruckpresse, den Umwälzpumpen und der Elektronik richtig wohl auf den Baustellen. Es ist eine Arbeit, mit der er und seine Kollegen mit durchdachten Wasser- und Heizungsinstallationen ein Haus erst zu einer bewohnbaren Unterkunft machen. Rohre biegen und verlöten oder pressen, mit Isolierstoffen ummanteln und präzise verlegen ist oft ihr tägliches Brot. Das verlangt viel Geschick, Können und Sensibilität für das Material. Manchmal aber ist nach wie vor "Manpower" in Form von Muskelkraft gefragt, obwohl auch hier Maschinen und Geräte die Menschen entlasten. "Der Teamgeist ist toll, das Können aus dem Beruf kann man auch privat und in der eigenen Wohnung gut brauchen und zum Feierabend sieht jeder, was man geschafft hat", zählt der engagierte Lehrling im dritten Lehrjahr gerne auf.

Bereits im zweiten Lehrjahr erkannten die Ausbilder sein spezielles Geschick und seither darf er Bäder selbstständig installieren. An das frühe Aufstehen mit Treffpunkt um 6.30 Uhr am Betriebssitz hat sich Mikolaj gewöhnt. "Danach geht's erst mal zum Bäcker und dann auf die Baustelle", schmunzelt er. Dass dort bei Sanierungen auch mal Leitungsschlitze aus der Ziegel- oder aus der Bruchsteinwand aufgestemmt oder Abflüsse sauber gemacht werden müssen, gehört zu den wenigen unangenehmen Seiten des Berufs. Bei Neubauten sind die Bahnen für die Ver- und Entsorgungsleitungen ohnehin von den Maurern schon ausgespart und so können sich die Installateure und Heizungsbauer ganz auf die Verlegung ihres Leitungsnetzes konzentrieren.

"Wir sind von der Planung der Abflüsse bis zur Installation des letzten Waschbeckens kurz vor dem Einzug bei allen Bauabschnitten mit dabei", informiert Mikolajs Chef Wolfgang Klein über das Spektrum ihrer Branche. Es geht dabei um den Transport von Trinkwasser, Wärme und Frischluft in Rohrsystemen, um die Sanitärversorgung und auch um Solaranlagen. Schlichtweg um alles, was eine moderne Höhle aus Ziegeln, Steinen oder Holz zu einem angenehmen Wohnplatz macht. "Immer mehr Technik und Steuerungselektronik hält hier nicht nur bei den Heizsystemen Einzug in unsere Berufswelt", weiß Jonas Brandt, der Projektmeister. Auch der Umgang mit Säuren und Gasen gehört zum Handwerk. Noch zu seiner Lehrlingszeit war der Bereich in die Ausbildungsberufe Zentralheizungs- und Lüftungsbauer sowie in Gas- und Wasserinstallation aufgeteilt. Inzwischen wurden die Bereiche zwar zusammengefasst und im Berufsbild Anlagenmechaniker für Heizung, Sanitär und Klimatechnik gebündelt. Durch die große Vielfalt im Aufgabengebiet und permanente technische Entwicklungen lernen die Azubis zwar für den gesamten Bereich, später aber spezialisieren sich viele in den Betrieben entsprechend ihren Talenten und Vorlieben.

"Die wichtigsten Grundbedürfnisse des Wohnens - Luft, Wasser, Wärme -, das machen wir. Auch das größte Energiesparpotenzial liegt in der Haustechnik", verdeutlicht Wolfgang Klein. Der Firmenchef sieht dafür einige Voraussetzungen bei den Lehrlingen als notwendig an. "Man braucht technisches Verständnis, ein räumliches Vorstellungsvermögen und man sollte einfache Kopfrechenaufgaben lösen können. In unserem Fach ist nichts von der Stange, wir arbeiten nur an individuellen Lösungen", weiß der Chef. Hausbesitzer Heinz Kulig hat genau deshalb eine Fachfirma beauftragt. "Die Leute müssen gut ausgebildet sein, denn das Ergebnis muss fehlerfrei über die nächsten Jahrzehnte funktionieren. Darum vertrauen wir auf das ausgebildete Handwerk", bekräftigt er.
 

Luft, Wasser, Wärme

  • Ausbildungsdauer: Dreieinhalb Jahre. Der Berufsschulbesuch findet jeweils als zweiwöchiger Blockunterricht statt. Dazu kommt ein Ausbildungsabschnitt an der Handwerkskammer.
 
  • Ausbildungsvergütung: Es gilt der Tarif für Baunebengewerbe. Das sind im ersten Lehrjahr 700 Euro, im zweiten 730 Euro, im dritten 760 Euro und im vierten Lehrjahr 800 Euro. Dazu kommen freiwillige Leistungen des Ausbildungsbetriebes.
 
  • Gesellenlohn: 13,39 Euro pro Stunde, etwa 2330 Euro monatlich (alle Angaben sind Brutto-Tariflöhne).
 
  • Monteure: 17,87 Euro pro Stunde, monatlich etwa 3109 Euro, Baustellenleiter 19,59 Euro pro Stunde und im Monat etwa 3408 Euro. Dazu kommen freiwillige Leistungen.
 
  • Meister: 21,30 Euro pro Stunde, etwa 3706 Euro pro Monat. Dazu kommen freiwillige Leistungen.
 
  • Voraussetzungen: Abschluss der Mittelschule ist Mindestvoraussetzung. Zudem sind technisches Verständnis sowie ein räumliches Vorstellungsvermögen notwendig und man sollte einfache Kopfrechenaufgaben lösen können.
 
  • Entwicklungsmöglichkeiten: Spezialisierung auf Fachbereiche, Weiterbildung zu Baustellenleiter und Meister sowie eine auf die Ausbildung aufbauende Technikerausbildung oder ein Fachstudium in dieser zukunftssicheren Branche.
Lorenz Erl
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