Donnerstag, 15. November 2018
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Bei der 175-Jahr-Feier der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim geht es um aktuelle Themen

Infrastruktur und Fachkräftemangel

Irnsing
erstellt am 06.11.2018 um 18:25 Uhr
aktualisiert am 10.11.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Irnsing (DK) Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für Oberpfalz/Kelheim kann auf eine 175-jährige Geschichte zurückblicken. Das Jubiläum wird in allen sieben Gremiumsbezirken gesondert gefeiert, so auch am Montagabend in Irnsing bei Neustadt.
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Wie steht es um die Weiterbildung unter dem Dach der IHK? Bei der Podiumsdiskussion anlässlich der 175-Jahr-Feier der IHK äußerten sich Landrat Martin Neumeyer (CSU, von links), IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes sowie die beiden Unternehmer Bernd Lotter und Christian Wittmann auch zu diesem Thema.
Wie steht es um die Weiterbildung unter dem Dach der IHK? Bei der Podiumsdiskussion anlässlich der 175-Jahr-Feier der IHK äußerten sich Landrat Martin Neumeyer (CSU, von links), IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes sowie die beiden Unternehmer Bernd Lotter und Christian Wittmann auch zu diesem Thema.
Bruckmeier
Irnsing
Die Unternehmer der Region hielten sich bei dieser Gelegenheit nicht lange mit historischen Rückblicken auf (siehe eigenen Bericht), sondern nahmen die Zukunft des Wirtschaftsstandortes zwischen Altmühltal und Hallertau in den Fokus. "Wir leben in einer Zeit, die für unsere Region erhebliche Risiken, aber auch Chancen bietet", sagte Michael Gammel, der Vorsitzende der IHK Kelheim, als er die Gäste des Abends, darunter neben einer Reihe von Vertretern aus der Wirtschaft auch Landrat Martin Neumeyer (CSU), begrüßte. Für ihn als Kelheimer Unternehmer sei es eine Selbstverständlichkeit, dass passende politische Rahmenbedingungen nicht nur in Ballungsräumen, sondern auch auf dem Land geschaffen werden müssen. Investitionen in Infrastruktur dürften nicht allein in Städten mit über 100000 Einwohnern getätigt werden, betonte Gammel.

Und schon war der Kelheimer IHK-Sprecher bei einem Thema, das die gesamte Wirtschaft der Region branchenübergreifend umtreibt: die Verfügbarkeit von schnellem Internet. Als zweites Problemfeld nannte Gammel den Fachkräftemangel in einer Region mit Arbeitslosenzahlen nahe der Vollbeschäftigung. Daher wolle man den Abend unter das Motto zweier Herausforderungen für den Landkreis Kelheim stellen: Fachkräfte und Infrastruktur.

"Dem Wirtschaftsraum Kelheim geht es heute gut - vielleicht besser denn je", konstatierte Gammel. "Selbstverständlich ist das aber nicht." Die wirtschaftlich prosperierende Lage im Automobildreieck Regensburg-Landshut-Ingolstadt sei vor allem der Tatsache geschuldet, dass "viele Betriebe, Politiker und andere Akteure die richtigen, weitblickenden Entscheidungen getroffen haben".

"Hier im Landkreis Kelheim lässt es sich wirklich gut leben", knüpfte der im Juli dieses Jahres neu gewählte IHK-Präsident Michael Matt an die Worte Gammels an. "Als Wirtschaftsstandort ist der Landkreis Kelheim auf Erfolgskurs." Neben einer blühenden Tourismusbranche seien es insbesondere die vielen innovativen Mittelständler, die die Region so stark machen, so der Eindruck des IHK-Präsidenten. "Kein Wunder also, dass Kelheim als attraktive Zuzugsregion gilt. Darauf dürfen Sie zurecht stolz sein."

Zu dieser positiven Entwicklung hätten Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam beigetragen, sagte der IHK-Präsident und nannte in diesem Zusammenhang auch seine eigene Organisation als einen Garanten für Stabilität und Zukunftsorientierung. "Ein starkes Netzwerk vor Ort, der persönliche Kontakt zu Unternehmen, Politik und Verwaltung sind wichtige Bausteine für eine erfolgreiche Interessenvertretung und passgenaue Dienstleistungen der IHK." Und durch das Zusammenspiel aller regionalen IHK-Gremien gewinne die Stimme der ostbayerischen Wirtschaft ihren vollen Klang.

Besonders beschäftigen die Unternehmen einer Region mit einem hohen Exportanteil die Entwicklungen auf der Bühne des Welthandels. Das weiß freilich auch der IHK-Präsident: "Mit Sorge beobachten wir den weltweit zunehmenden Protektionismus. Die Spirale der gegenseitigen Strafzölle dreht sich immer schneller. Als eine der exportstärksten Regionen der Bundesrepublik trifft uns das in Ostbayern natürlich besonders." Die IHK Regensburg, so versprach ihr Präsident, werde sich auch in Zukunft als "starker Fürsprecher für den freien Handel einsetzen".

Es gibt aber auch Themen vor der eigenen Haustür, die es nach den Worten Matts anzupacken gilt. Die Dynamik der Digitalisierung bringe tiefgreifende Veränderungen mit sich, biete aber gleichzeitig auch erhebliche wirtschaftliche Potenziale. "Schnelles und mutiges Handeln ist gefragt, um im digitalen Zeitalter den Anschluss nicht zu verpassen", so der Geschäftsführer der Matt Optik in Regensburg mit einem Jahresumsatz von 60,5 Millionen Euro und rund 450 Mitarbeitern in 86 Filialen in ganz Deutschland.

Genauso wie die Klagen über mangelnde Internetanbindungen drückt nach den Worten des IHK-Präsidenten der Fachkräftemangel in einer Region mit nahezu Vollbeschäftigung auf die Stimmung in den Chefetagen der mittelständischen Unternehmen. Allein im Kammerbezirk Regensburg fehlen seinen Worten zufolge rund 17000 Fachkräfte. Was ist also zu tun? Matt riet dazu, die vorhandenen Potenziale wie eine duale Ausbildung und eine stete Weiterqualifizierung des Personals noch besser zu nutzen. Die IHK bleibe hier an der Seite ihrer Mitgliedsunternehmen, versprach der IHK-Präsident.

Wie es um die Weiterbildung und Qualifizierung innerhalb der Unternehmen, aber auch über die IHK bestellt ist, war eines der Themen in einer Podiumsdiskussion mit Landrat Martin Neumeyer (CSU), IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes sowie den beiden Unternehmern Bernd Lotter, Chef der Lotter-objekt-möbelwerkstätten GmbH in Kelheim, und Christian Wittmann, Inhaber der Wittmann EDV-Systeme GmbH in Abensberg. Helmes, gleichzeitig auch Geschäftsführer der IHK-Akademie GmbH, warb bei den Arbeitgebern, ihr Personal rechtzeitig weiterzuqualifizieren, um es so an das eigene Unternehmen zu binden.

Zwar aus dem Handwerk, deswegen aber nicht minder innovationsfreudig, präsentierte Bernd Lotter seinen Schreinereibetrieb mit 55 Mitarbeitern, darunter neun Auszubildende. "Man muss was investieren und Geld in die Hand nehmen, um seine Mitarbeiter aus- und weiterzubilden", so das Credo des Schreinermeisters, der aber den Ball auch in das Feld der Politik warf und Möglichkeiten für flexiblere Arbeitszeiten für Beschäftigte forderte.

Den Fachkräftemangel mit Hilfe der hier ankommenden Flüchtlinge zu beheben, hielt und hält Landrat Martin Neumeyer für eine Illusion. Der frühere Integrationsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung bleibt zwar ein engagierter Befürworter der Integration durch Arbeit, bezweifelt allerdings, das Problem der Fachkräftesicherung allein über die Zuwanderung lösen zu können. Die Politik, auch auf Kreisebene, habe hier längst reagiert und zahlreiche Initiativen ergriffen, betonte der Landrat. Als ein Beispiel nannte Neumeyer die Jugendsozialarbeit an Schulen.

Harsche Kritik an der Politik kam von Christian Wittmann, dem der Ausbau der digitalen Infrastruktur viel zu langsam vorangeht. "Wir brauchen ein schnelles und gut funktionierendes Internet, es geht ganz einfach um die Vernetzung auf dem Land", sagte der Chef eines Unternehmens, das sich mit IT-Lösungen beschäftigt. Allein Fördergelder zu verteilen, reicht nach dem Dafürhalten Wittmanns längst nicht mehr aus. Vielmehr müsse der genaue Bedarf geklärt werden, um auf dem Weg zum "Internet 2.0", wie er es bezeichnete, wirklich voranzukommen.

Eines wurde den fast 100 Gästen des Jubiläumsabends damit klar, und so formulierte es auch der Kelheimer IHK-Vorsitzende Michael Gammel am Ende der Veranstaltung: "Die Herausforderungen für die IHK werden in den nächsten fünf, zehn, 100 oder 175 Jahren nicht weniger. Wir werden als IHK-Gremium alles tun, damit unsere Betriebe Rahmenbedingungen vorfinden, mit denen sie auch künftig im Kreis erfolgreich wirtschaften können."
Harry Bruckmeier
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